«The Chair Company» stolpert über sich selbst

HBOs absurde Mystery-Comedy startet mit einer starken Idee und steigender Spannung, verliert sich jedoch zunehmend in ins Leere laufenden Nebensträngen.

Im Oktober 2025 präsentierte der Pay-TV-Sender HBO seine neue Serie «The Chair Company» von Tim Robinson und Zach Kanin. Robinson und Kanin waren in den 2010er-Jahren bei «Saturday Night Live» aktiv und haben die neue Serie gemeinsam geschrieben. Die Serie wirkt von Beginn an absurd: Ron Trosper ist bei Fisher Robay, einem Immobilienentwicklungsunternehmen, zum Leiter eines neuen Einkaufszentrumsprojekts befördert worden. Bei einer Firmenpräsentation setzt er sich auf einen Stuhl – doch dieser bricht auf der Bühne zusammen.

Das ist die Prämisse der achtteiligen Serie, die der Pay-TV-Sender von Hyperobjects Industries und Zanin Corp herstellen ließ. Autor Robinson schlüpft selbst in die Rolle des Ron und besetzt diesen Mittelständler passgenau. Er mimt einen Angestellten, der nach der Präsentation beim Stuhlhersteller Tecca telefonisch nachfragen möchte. Allerdings hängt er in einer Warteschleife fest, und kein Mitarbeiter kann ihm helfen. Das ist zunächst auch gar nicht weiter schlimm – wer überprüft schon seinen Stuhlhersteller? Schließlich findet Ron sogar die Adresse der Firma, die sich in unmittelbarer Nähe befindet. Ist das ein Zufall? Ron wird misstrauisch und steigt eines Nachts in die Halle ein. Dort findet er lediglich einen Kopierer mit pornografischem Material sowie einen großen roten Ball. Scheinbar ist die Firma insolvent gegangen – also was soll’s? Doch dann wird Ron von einem Mann angegriffen, der ihn eindringlich warnt.

Die zweite Folge steigt nicht mit der Auflösung ein, sondern beginnt zunächst mit einem Gespräch zwischen Ron und seiner Tochter Natalie (Sophia Lillis). Sie möchte, dass Ron die Familie von Tara (Grace Reiter) davon überzeugt, die Hochzeitslocation zu wechseln. Dieser Plotteil ist zwar für die Gesamthandlung nicht entscheidend, erhöht jedoch die Spannung auf die eigentliche Auflösung. Denn beim Angriff auf dem Parkplatz schnappte sich Ron das Hemd seines Angreifers und verfolgt dessen Marke zurück zu einem Laden namens Tamblays. Über einen weggeworfenen Lebensmittelbehälter stößt Ron schließlich auf ein Café, wo er Mike Santini (Joseph Tudisco) begegnet – seinem Angreifer. Die beiden raufen sich, entscheiden sich am Ende jedoch zur Zusammenarbeit, da Mike knapp bei Kasse ist.

Am selben Abend findet ein Spieleabend mit Ron, seiner Frau Barn (Lake Bell) sowie Tara und deren Eltern statt. Der Immobilienentwickler zieht sich kurz zurück, als er ein Bild auf sein Handy geschickt bekommt: Offenbar versteckt sich eine Person in seinem Garderobenschrank. Das Skript ist ordentlich geschrieben, denn es handelt sich um einen weiteren Cliffhanger. In dem Schrank befindet sich eine kleinwüchsige Person namens Steven (Bardia Salimi), die Ron nach draußen jagt. Steven wurde wiederum von Mike angeheuert.

«The Chair Company» dient als modernes Rätsel, wenngleich die Situationen zunehmend absurder werden. So besucht Ron seinen Kollegen Mike in dessen Wohnung, in der dauerhaft ein vulgärer, absurder Podcast läuft (im Original gesprochen von Conner O’Malley und Andrew Fitzgerald). Zudem wird ein Arbeitskollege von Ron mehrere Tage vermisst, nachdem dessen Kühlschrank auf ihn gestürzt ist. Gerade die Szenen bei Fisher Robay sind zwar inhaltlich witzig, doch viele dieser Nebenplots bleiben nichtig und führen ins Leere – was schade ist.

Ron hat zudem einen jugendlichen Sohn, dessen Alkoholproblem immer wieder angedeutet wird. Allerdings nie direkt: Die Geschichte von Seth (Will Price) läuft – wie viele andere Elemente in «The Chair Company» – ins Leere. Dabei bleibt unklar, ob die Autoren Tim Robinson und Zach Kanin bewusst so viele Brotkrumen streuten oder ob sie die Erzählfäden am Ende schlicht nicht zusammenführen konnten.



Das Team aus Ron, Mike und Steven verfolgt seine Spur, die jedoch nie in einer echten Sackgasse endet. Zunächst findet Steven den angeblichen Finanzchef von Tecca, anschließend besuchen sie einen Schauspielkurs, in dem sie auf einen weiteren Beteiligten stoßen. Über eine Immobilienauskunft ergeben sich neue Informationen. Schließlich betritt Ron ein Regierungsgebäude in Delaware City und kann aufgrund eines Festes auf dem Vorplatz unbehelligt eindringen. Auf der Flucht vor einem Polizisten gerät er in einen Raum, der vollständig mit Tecca-Stühlen gefüllt ist.

Auch das Ende wirkt enttäuschend. Die letzte Folge handelt vom arbeitslosen Ron, der nach einem Vorfall mit seinem Chef entlassen wurde. Er bringt einen streunenden Hund mit nach Hause, findet beim Gassigehen jedoch dessen Besitzer und übergibt ihn freudig. Allerdings wurde der Hund zuvor befreit, weil der Besitzer offenbar ein Tierquäler ist. Zusätzlich wird eine Geschichte rund um Mikes Tochter enthüllt, die weder originell noch besonders lustig ist. Immerhin wird die Handlung abgeschlossen – auch wenn sie reichlich absurd ausfällt. Rons Chef steckt hinter Tecca, und eine Kollegin ließ den Stuhl per Telekinese zusammenbrechen. Schade: «The Chair Company» startet vielversprechend, verschießt den Elfmeter am Ende jedoch absichtlich ins Aus.

«The Chair Company» ist bei HBO Max, Sky und Wow abrufbar.
27.01.2026 12:24 Uhr  •  Fabian Riedner Kurz-URL: qmde.de/168268