R. Scott Gemmill und John Wells erzählen mit «The Pitt» ein Krankenhausdrama, das so nah an «Emergency Room» gebaut ist, dass aus Abkupfern eine überzeugende Weiterentwicklung wird.
Hinter dem 2025 gestarteten Krankenhausdrama «The Pitt» steckt R. Scott Gemmill, der in der sechsten Staffel von «Emergency Room» zum Autorenensemble stieß. Er steuerte zahlreiche prägende Episoden bei und wurde daraufhin für weitere Drehbücher verpflichtet. Neben David Zabel und John Wells gehörte Gemmill zu den wichtigsten kreativen Stimmen der Serie. Bei der neuen Krankenhausserie, die nicht mehr in Chicago, sondern in Pittsburgh beheimatet ist, verantwortet Gemmill die Konzeption und den Großteil der Drehbücher. Natürlich ist auch John Wells erneut beteiligt.
Wie schon bei «Emergency Room» steht das Leben der Ärzte und Pfleger im Mittelpunkt. Während Dr. Greene bei «ER» im Aufwachraum geweckt wurde, stehen die Ärzte hier nach einer Schicht als ikonisches Bild auf dem Dach und sprechen über die vergangenen Belastungen. In der Notaufnahme zählen „Robby“ Robinavitch (Noah Wyle), Dr. Heather Collins (Tracy Ifeachor), Dr. Frank Langdon (Patrick Ball) und Dana Evans (Katherine LaNasa) zu den zentralen Figuren. Hinzu kommen zahlreiche Berufsanfänger wie Dr. Samira Mohan (Supriya Ganesh), Dr. Cassie McKay (Fiona Dourif), Mel King (Taylor Dearden), Dr. Trinity Santos (Isa Briones), Dennis Whitaker (Gerran Howell) und Victoria Javadi (Shabana Azeez). Mit gleich zehn relevanten Figuren ist das Erzähltempo von Beginn an höher als in den frühen «Emergency Room»-Folgen.
Das „Pitt“ verfügt zwar über zahlreiche Traumazentren, und die meisten Geräte funktionieren, doch auch in den Vereinigten Staaten gibt es massive strukturelle Probleme: Es fehlt an Pflegepersonal. Dadurch bleiben Patienten viel zu lange in der Notaufnahme, statt in Fachabteilungen verlegt zu werden. Da dort wiederum Betten fehlen, wird die Notaufnahme zum Auffangbecken – mit der Folge, dass sie weder ausreichend Betten noch die stetig wachsende Zahl an Notfällen bewältigen kann.
Über die gesamte erste Staffel hinweg zieht sich zudem der Fall von Theresa, einer Mutter, die ihren Sohn absichtlich vergiftet hat, um gemeinsam mit ihm in der Notaufnahme zu landen. Sie berichtet Robby und der Sozialarbeiterin Kiara (Krystel V. McNeil), dass sie eine Liste mit Namen von Mädchen gefunden habe, denen ihr Sohn möglicherweise etwas antun könnte. Der junge Mann flüchtet aus dem Krankenhaus und veröffentlicht anschließend kryptische Beiträge in sozialen Medien. Nachdem es auf einem Musikfestival zu einer Schießerei kommt, liegt der Verdacht nahe, dass er darin verwickelt sein könnte.
Auch wenn «The Pitt» zahlreiche erzählerische Elemente von «Emergency Room» übernimmt, lässt sich festhalten: Das ist eine sehr gute Serie. Die erste Staffel ist hervorragend erzählt, zahlreiche Patientenschicksale entfalten sich über die 15 Episoden hinweg. Hinzu kommt ein Terroranschlag, der die Notaufnahme – wie einst in der NBC-Serie – vollkommen unter Strom setzt. Es bleibt zu hoffen, dass die zweite und dritte Staffel dieses hohe Niveau halten können. Übrigens: «Emergency Room» war im ersten Jahr deutlich schwächer.