Sat.1 hat mit «:newstime» den Anspruch, im Nachrichtengeschäft wieder sichtbar zu werden – doch die Quoten zeigen ein anderes Bild: Die Sendung funktioniert vor allem dann, wenn das Umfeld trägt.

Die Sat.1-Nachrichten
«:newstime» hatten 2025/26 eigentlich ideale Rahmenbedingungen: ein Jahr voller politischer Umbrüche, Krisen, Wahlen, Katastrophen und großer Sportereignisse – also genau das Rohmaterial, das Nachrichtenangebote traditionell stärkt. Die Auswertungen von Mittwoch, 1. Januar 2025 bis Mittwoch, 14. Januar 2026 zeigt aber: Erfolg entsteht bei Sat.1 nur selten aus der reinen Nachrichtenlage heraus. «:newstime» funktioniert vor allem dann, wenn das Umfeld stimmt – und verliert fast immer dann, wenn das Programm drumherum stärker zieht als der Impuls „Ich will jetzt Nachrichten“.
Über den gesamten Zeitraum kommt «:newstime» im Schnitt auf 0,69 Millionen Zuschauer bei 3,22 Prozent Marktanteil. In der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen liegen die Mittelwerte bei 0,17 Millionen und 4,52 Prozent. Das ist für Sat.1 am frühen Abend kein Totalschaden – aber auch kein Signal, dass sich hier eine feste Nachrichten-Gewohnheit etabliert hat. Die Streuung ist enorm: Der Bestwert der Liste liegt bei 1,71 Millionen (6,71%) am Sonntag, 2. November 2025 um 19:56 Uhr, der Tiefpunkt bei 0,37 Millionen (2,08%) am Freitag, 29. August 2025 um 19:45 Uhr. Bei den 14- bis 49-Jährigen reicht die Spanne sogar von 14,78 Prozent (Heiligabend) bis 1,61 Prozent (ein schwacher Sommer-Freitag).
Der wichtigste Befund ist dabei weniger „Was war in den Nachrichten los?“, sondern: Wann steht das Publikum überhaupt bereit? Die Daten nach Wochentagen sind fast schon ein eigenes Urteil. Sonntage sind der klare Stabilitätsanker: Hier erzielt «:newstime» im Schnitt 1,14 Millionen Zuschauer bei 4,77 Prozent, dazu 6,03 Prozent in der Zielgruppe. Freitage dagegen sind regelmäßig Problemzone: durchschnittlich 0,57 Millionen bei 2,84 Prozent, in der Zielgruppe 3,83 Prozent. Das heißt übersetzt: Nicht die Nachricht als Produkt entscheidet, sondern die Platzierung im „Zuschauer-Rhythmus“. Sonntags ist klassisch mehr Fernsehnutzung – und Sat.1 profitiert davon, dass vor allem «Vermisst» im Vorprogramm läuft. Unter der Woche dagegen scheint «:newstime» häufig vom schwachen Vorprogramm zu leiden.
Das wird besonders deutlich, wenn man sich Tage mit objektiv hoher Relevanz ansieht. Zur Bundestagswahl am 23. Februar 2025 gab es sogar zwei Ausgaben: um 17:45 Uhr erreichte «:newstime» 0,70 Millionen (3,26%) und 0,22 Millionen 14–49 (4,44%). Später um 20:01 Uhr standen 0,94 Millionen (3,01%) sowie 0,29 Millionen 14–49 (3,62%) zu Buche. Das ist solide, aber es zeigt auch: Selbst ein Wahlsonntag sorgt nicht automatisch für einen Marktanteil-Sprung, der Sat.1 als Nachrichten-Destination neu verankert. Die Menschen informieren sich – nur offenbar selten mit dem Reflex „Dann schalte ich Sat.1 ein“.
Ähnlich ist es bei großen internationalen Ereignissen und Krisen: «:newstime» liefert an solchen Tagen ordentliche Werte, aber es entsteht kein Muster, dass die Sendung als „erste Wahl“ funktioniert. Ein gutes Beispiel ist Montag, 21. April 2025 (Papst Franziskus stirbt – ein Tag, an dem Nachrichten in allen Medien dominieren). Sat.1 sendete ebenfalls zwei Ausgaben: um 19:55 Uhr holte «:newstime» 0,62 Millionen (2,63%) und 0,19 Millionen (4,09%) bei 14–49; um 20:11 Uhr waren es 0,67 Millionen (2,66%) und 0,22 Millionen (4,56%). Die zusätzliche Ausgabe stabilisiert – aber sie erzeugt keinen Durchbruch. Das passt zur These: Sat.1 kann mit News-Anlässen reagieren, aber der große Pull-Effekt bleibt begrenzt.
Dass «:newstime» besonders stark von Programmumfeldern abhängt, zeigen zwei Phasen: Juli (viel Fußball) und Weihnachten (Kevin-Filme im Umfeld). Im Juli 2025 fällt der Monatsdurchschnitt spürbar ab: nur 0,61 Millionen Zuschauer im Mittel (bei 3,17%). Das ist der schwächste Monat der gesamten Liste – obwohl das Nachrichtenjahr politisch und weltgeschehenmäßig eigentlich nicht in den Ferienmodus ging. Der Grund ist ziemlich plausibel: Sat.1 war im Juli stark durch Fußball geprägt, und Sport „überstrahlt“ im linearen Programm oft alles andere – vor allem, wenn der Zuschauer eine klare Erwartung hat: Live-Event statt Informationsfenster. Bemerkenswert ist allerdings: Wenn «:newstime» im Fußball-Umfeld nicht im klassischen 19:45-Slot läuft, können die Marktanteile explodieren. Am Samstag, 5. Juli 2025 startete die Sendung erst um 20:15 Uhr und kam auf 1,23 Millionen Zuschauer bei 7,09 Prozent – in der Zielgruppe sogar 0,35 Millionen und 13,03 Prozent. Das ist ein Spitzenwert, der zeigt: Nicht „Nachrichten sind egal“, sondern „Nachrichten brauchen den Moment, in dem viele schon da sind“. Wird «:newstime» zum Bestandteil eines Event-Abends, wirkt es plötzlich wie ein sinnvolles Modul – nicht wie eine Zwischenstation.
Auf der anderen Seite stehen die Sommer-Tiefs, die eher nach „Mitlaufen“ aussehen. Der Freitag, 25. Juli 2025 (19:45 Uhr) liegt bei 0,39 Millionen (2,27%) und nur 0,05 Millionen 14–49 (1,85%). Noch brutaler wird es am Freitag, 29. August 2025: 0,37 Millionen (2,08%), 0,06 Millionen 14–49 (2,12%). Das sind Werte, bei denen «:newstime» kaum noch als eigenständiger Programmpunkt wahrgenommen wird – eher als etwas, das vor der Prime Time halt passiert.
Und dann kommt Weihnachten – ein Zeitraum, in dem lineares Fernsehen zwar traditionell stärker genutzt wird, aber mit einem völlig anderen emotionalen Auftrag: Eskapismus, Familienritual, „Kevin geht immer“. Genau hier sieht man, wie «:newstime» zwar nicht das Hauptmotiv ist, aber von der starken Nutzung profitiert. Am Heiligabend (Mittwoch, 24. Dezember 2025) holte «:newstime» um 19:56 Uhr 0,84 Millionen Zuschauer bei 6,84 Prozent – und bei den 14- bis 49-Jährigen 0,33 Millionen sowie herausragende 14,78 Prozent. Am 1. Weihnachtstag (Donnerstag, 25. Dezember 2025) ging es sogar auf 1,06 Millionen (5,22%), dazu 0,41 Millionen 14–49 (12,72%). Der 2. Weihnachtstag (Freitag, 26. Dezember 2025) blieb mit 0,77 Millionen (3,62%) und 6,93% bei 14–49 ebenfalls deutlich über dem üblichen Freitag-Niveau. Das Entscheidende: Diese Sprünge wirken weniger wie ein Beleg für eine plötzlich entdeckte „News-Liebe“ – sie sind eher ein Effekt des Feiertags-Fernsehens und der starken Filmmarken im Umfeld. Die Menschen sind da, sie bleiben dran – und «:newstime» nimmt die Quote mit.
Wenn man die echten „Erfolgsfälle“ in der Liste isoliert, sieht man ein weiteres Muster: Die Topwerte liegen auffällig häufig am Sonntag. Das stärkste Quartett ist sogar eine kleine Serie: Sonntag, 2. November 2025 (1,71 Mio / 6,71%), Sonntag, 9. November 2025 (1,64 Mio / 6,64%), Sonntag, 16. November 2025 (1,59 Mio / 6,32%) und Sonntag, 7. Dezember 2025 (1,54 Mio / 6,21%) – also vor neuen «Vermisst»-Ausgaben. Auch Sonntag, 21. Dezember 2025 liegt mit 1,44 Mio / 5,95% sehr hoch. Das ist eine klare Ansage, die nicht für die Nachrichten, sondern für das Vorprogramm steht.
Sind die Sat.1-Nachrichten damit für die Deutschen irrelevant? Nein – aber sie sind für viele offenbar nicht die erste Adresse. Die Zahlen sprechen eher dafür, dass «:newstime» in der aktuellen Form oft ein Add-on ist: relevant genug, um „mitgenommen“ zu werden, wenn die Leute sowieso bei Sat.1 sind – aber selten stark genug, um als alleiniger Grund zum Einschalten zu dienen. Um es auf den Punkt zu bringen: Der Relaunch der Marke war wirkungslos, ja sogar für das viele Geld sogar ein Flop.