«Rick and Morty»: Staffel acht zwischen Höhepunkten und Füllmaterial
Die Kultserie meldet sich nach längerer Pause zurück. Auch in der achten Staffel gibt es abgedrehte Abenteuer, bissige Satire und emotionale Momente – doch nicht alle Episoden zünden. Während zwei, drei Folgen an alte Glanzzeiten erinnern, bleibt der Rest solides Mittelmaß auf hohem Niveau.
Obwohl die Warner-Bros.-Discovery-Tochter Adult Swim das Ziel ausgab, jedes Jahr zehn neue «Rick and Morty»-Folgen zu veröffentlichen, wurde dieses Vorhaben mit der Publikation der achten Staffel verfehlt. Die Geschichten aus der siebten Staffel kamen im Herbst 2023, die neuen Episoden wurden in den Vereinigten Staaten von Amerika zwischen Ende Mai und Ende Juli 2025 ausgestrahlt. Hierzulande reichte Warner TV Comedy die deutsche Sprachfassung im August nach.
Jess Lacher verfasste den Staffel-Opener „Das Schweigen der Ladekabel“. Im Mittelpunkt stehen Summer und Morty, die ein Smartphone-Ladekabel gestohlen haben. Rick sperrt seine Enkel in eine Matrix, in der sich alles um Ladekabel dreht. Während Morty als ehemaliger Soldat an PTBS leidet, wird Summer zur Chefin eines Technologieunternehmens. Sie können aus der Matrix fliehen, doch Rick möchte ihnen zum Schutz die Erinnerungen nehmen. Die beiden verweigern das und stoßen in der realen Welt immer wieder auf starke Probleme. Beth freundet sich mit ihrer geistig erwachsenen Tochter an, doch Summer flieht nach Santa Fe. Erst als Morty mit einem selbstgebauten Panzer ausbricht und die Stromproduktion zerstören will, kommt sie ihm zur Hilfe. Damit hält die Animationsserie das hohe Niveau, das man von den ersten Folgen einer Staffel gewohnt ist.
In der zweiten Geschichte möchte Space Beth die Gromflomite-Königin ermorden, doch im Palast ist sie bereits verstorben. Auf der Flucht taucht Rick auf, danach sieht man die Königin wieder lebend. Der königliche Arzt Fantabulous hat sie ermordet, um einen speziellen Pilz zu entwickeln. Dieser sorgt dafür, dass die Bienen zu einer Art Superwesen mutieren, ihre Sinne aber nicht mehr kontrollieren können. Space Beth wird infiziert, und die Folge zeigt, wie man mithilfe verschiedener Lebewesen gewisse Heilstoffe herstellen kann. Das ist zwar nicht immer lustig, erinnert aber daran, wie einst Kuhpocken genutzt wurden, um die Menschenpocken auszurotten.
Eine deutlich lustigere Episode ist die Geschichte eines Wildwestplaneten, auf dem ein Rick-Klon als Farmer lebt. Er bringt regelmäßig einem Morty-Klon Vorräte in eine Spielhalle, doch diese wird von weiteren Morty-Klonen überfallen. Die Morty-Klone werden von Rick-Klonen gefangen, deren Anführer „Boss Hogg Rick“ eine neue Zitadelle errichten möchte. Der Farmer-Rick überlebt und will mit Arcadey Morty und dessen Freunden Rache nehmen. Der Clou: Farmer-Rick ist gar kein Klon, sondern für die zahlreichen Rick-und-Morty-Klone verantwortlich. Am Ende opfert er sich, um den bösen Rick zu töten.
In „Die letzte Versuchung Jerrys“ versucht Mortys Vater Jerry die Familie mit Ostern zu begeistern. Er überfährt allerdings nachts versehentlich den Osterhasen, während er Süßigkeiten kauft. Nun verwandelt sich Jerry sukzessive in einen bösen Osterhasen. In den restlichen 18 der 20 Minuten dreht die Handlung völlig durch: Jerry verführt die normale Beth, während Rick und Morty den Ursprung des Osterhasen suchen – und in Deutschland fündig werden. Dort sind Weltraumchristen gelandet, die später auf der Osterinsel die Raketen der Hasen zerstören wollen. Die Moral der Geschichte: Alle Feiertage sind Mist.
„Richie Rick“ ist natürlich eine Anspielung auf den Spielfilm aus den 90er-Jahren mit Macaulay Culkin. Rick versucht in Begleitung von Morty, einen außerirdischen Menschentransporter zu überfallen, doch die Bewohner befinden sich im Kryoschlaf. Aufgrund eines Problems wachen die Passagiere auf, weshalb sich Rick in die Kammer eines toten Kindes flüchtet. Die Eltern nehmen Rick als Sohn wahr, der demnächst bei einer Feier geehrt werden soll. Morty ist bei der Mannschaft unter Deck und zettelt einen Aufstand gegen die Reichen an. Nachdem ein epischer Kampf ausgefochten wurde, öffnet Rick den Tresor und findet eine leere Kammer. Der echte Sohn der Takey-Eltern hat mithilfe eines Komplizen die Menschen ruiniert.
Die weiteren Episoden sind zum Teil enttäuschend: In „Der seltsame Fall des Bethjamin Button“ verwandeln sich Beth und Space Beth in gefährliche Teenager, „Ricker als Fiktion“ ist eine Parodie auf die Hollywood-Landschaft. Rick und Morty stehlen James Gunn das Drehbuch für die fiktive Filmreihe „Maximum Velocitree“, um das Franchise zu retten. Bei „Die fantastische Reise des Jerry Smith“ schaut ein anderer Jerry in die Welt der Familie hinein, weshalb die doppelten Jerrys auf Reise gehen. In „Papa-Morty“ sind Morty und sein Sohn Morty Jr. in Ricks Mülleimer unterwegs.
Highlight bleibt „Der heiße Rick“, in der Rick mit dem Insekt Bug Anne im Bett liegt. Er zögert, weil er immer noch an seine verstorbene Frau Diane denkt. Schließlich taucht ein weiterer Rick auf, der schnell gefangen wird. Sowohl dieser „Memory Rick“ als auch die Gedanken an Diane werden auf einem Computer gespeichert, sodass sich Memory Rick dorthin Zugang verschafft. Das spannende Finale wird hier nicht gespoilert.
Die achte Staffel von «Rick and Morty» kann man nicht als schwach einstufen. Es gibt Episoden, die wie Füllgeschichten wirken, doch auch wieder ganze Folgen, die wirklich Spaß machen. Allerdings ist es schade, dass die Gesamthandlung aus der siebten Staffel nicht fortgeführt wird. Zwei bis drei Episoden sind fantastisch, der übrige Rest ist im Kontext der Serie nur Mittelmaß – was aber immer noch Top-Qualität im Vergleich zu anderen Animationsserien bedeutet.
«Rick & Morty» kann aktuell vollständig bei Netflix, Sky und WOW angesehen werden.