Simone Thomalla: ‚Jeder, der seinen Beruf mit Leidenschaft ausführt, ist immer mit Herz dabei‘
Seit über 14 Jahren prägt Simone Thomalla als Katja Baumann den Ton der ZDF-Reihe «Frühling». Zum Start der neuen Staffel wird es besonders emotional: Ein verschwundenes Kind, familiäre Bruchlinien und neue Begegnungen fordern die Dorfhelferin erneut heraus. Im Interview spricht Thomalla über die emotionale Verdichtung der neuen Folgen und das gewachsene Ensemblegefühl.
Frau Thomalla, «Frühling» startet 2026 mit einem besonders intensiven Fall: ein verschwundenes Kind auf nur hundert Metern. Wie haben Sie die emotionale Wucht dieser Episode beim Dreh erlebt?
Beim Film wird nichts chronologisch gedreht. Drehen wir also, wie Katja Baumann eine Straße entlangläuft, spielt die nächste Szene im Café Hagen. Zwei sehr unterschiedliche Emotionen in einer kurzen Zeitspanne. Die Wucht und Dramatik dieser Geschichte entfalten sich erst im Schnitt.
Katja Baumann wird in „Einhundert Meter“ erneut zur zentralen Figur für eine verzweifelte Familie. Wie gelingt es Ihnen nach über 14 Jahren, Katjas Empathie glaubwürdig und frisch zu halten?
Jeder Mensch, der seinen Beruf mit Leidenschaft ausführt so wie Katja Baumann, ist einfach immer mit Herz dabei, egal ob nach einem Jahr oder 14 Jahren. Das gilt auch für mich.
Mit Sarah Springer rutscht Katja ungeplant wieder in eine Art Ersatzmutterrolle. Wie haben Sie diesen erneuten Balanceakt zwischen Fürsorge und Überforderung angelegt?
Katja Baumann arbeitet als Dorfhelferin. Könnte sie in diesem sehr emotionalen Beruf nicht mühelos zwischen Verständnis nach außen und privaten Gefühlen hin und her jonglieren, sodass das Ergebnis ihrer Aufgabe immer passt und sie zugleich in ihrer privaten Zeit das eine oder andere aufarbeiten kann, dann wäre sie falsch in ihrem Job.
In den ersten beiden Folgen erleben wir Katja in vielen parallelen Konflikten – Vermisstenfall, Familiennot, neue Begegnungen. Was war für Sie die größte Herausforderung in dieser dicht erzählten Staffelöffnung?
Wie schon eingangs gesagt, sind die einzelnen Bilder immer nur ein kleiner Abriss des Busches. Die Technik, an einem Tag die unterschiedlichsten Gefühle darbieten zu müssen, habe ich gelernt, und daher muss ich mich darauf nicht extra vorbereiten.
«Frühling» lebt stark vom Gemeinschaftsgefühl des Dorfes. Welche Bedeutung haben für Sie diese ensemblegetragenen Momente, gerade wenn das Thema so schwer ist wie ein verschwundenes Kind?
Jede unserer durchgehenden Rollen geht sicherlich mit dieser Problematik anders um und hat auch eigene Zugänge zu diesem Thema. Um immer in seiner Rolle und im Buch zu bleiben, tauschen wir uns untereinander nicht über eigene Erfahrungen aus.
Mit Arthur Moser taucht eine neue, geheimnisvolle Figur in Frühling auf. Wie verändert dieser Fremde die Dynamik – und was bedeutet das für Katja?
Katjas Privatleben war und ist eine Achterbahnfahrt. Manchmal wünsche ich mir, sie würde endlich ankommen, aber das ist natürlich überhaupt nicht spannend. Und welche Auswirkungen die neuen Figuren in den Drehbüchern haben, darf hier noch nicht verraten werden.
In der zweiten Folge geht es um Mobbing, Angst und das Schweigen in Familien. Wie wichtig ist Ihnen, dass «Frühling» gesellschaftliche Themen ernsthaft, aber dennoch zugänglich erzählt?
Bereits mit unserer ersten Folge haben wir brisante und durchaus sozialkritische Themen angepackt und für den Zuschauer verständlich erklärt. Das war und ist bis heute mein Anliegen. Wir haben aber wunderschöne Berge, ein wenig Mundart mit Frau Hagen, und auch der Pfarrer ist ein guter Konterpart für Katja. Sie bringen Leichtigkeit in schwere Themen.
Katja steht zwischen alten Gefühlen und neuen Möglichkeiten – mit Mark Weber auf Distanz, mit Dr. Fabiansky vielleicht auf dem Weg zu etwas Neuem. Wie haben Sie diese emotionalen Nuancen gespielt?
Ich freue mich für Katja, dass sie offen auf einen neuen Mann zugehen kann und auch mit ihrer großen Liebe Mark Weber gut abgeschlossen hat. Emotionale Nuancen zu spielen, ist die Aufgabe eines Schauspielers.
Viele Zuschauer schätzen an Katja, dass sie oft diejenige ist, die Lösungen findet, wenn andere nicht weiterwissen. Spüren Sie dadurch auch einen Erwartungsdruck an die Figur?
Ich weiß, wie Katja tickt. Und dass sie Herausforderungen mit unkonventionellen Ideen meistert. Nein, einen Druck für die Figur kenne ich nicht.
Nach so langer Zeit als Katja Baumann: Gibt es heute Momente, in denen Sie selbst überrascht sind, was die Figur noch alles erlebt – oder wohin die Reise dramaturgisch geht?
Durchaus, denn ich lese die sechs Bücher erst recht kurz vor dem Drehstart. Jede unvorhersehbare Reaktion von Katja ist auch für Simone ein Highlight. Unsere großartige Autorin und Produzentin Natalie Scharf hat auch nach 15 Jahren noch viele Ideen für die Dorfgemeinschaft. Und auch für Katja wird es sicherlich nicht langweilig.
Die Fans lieben «Frühling» auch wegen der wiederkehrenden Figuren und Beziehungen. Wie sehr genießen Sie selbst diese Kontinuität und das jahrelang gewachsene Miteinander im Team?
Wir sind eine große Familie und genießen meist das gewachsene Vertrauen. Und wie in einer richtigen Familie knallt es auch bei uns manchmal. Dann reden wir, bereinigen die Situation und weiter geht’s mit «Frühling».
Wenn Sie auf die neuen Folgen blicken: Was wünschen Sie sich, dass das Publikum in dieser Staffel besonders für sich mitnimmt – über Katja, über Frühling, vielleicht sogar über sich selbst?
Uns allen ist es ein großes Anliegen, die familiäre Situation der einzelnen Rollen zu zeigen. Das sehen wir z.B. sehr gut geschildert bei Pfarrer Sonnleitner und seiner unermüdlichen Suche nach Familienangehörigen. Das berührt, ist lustig und ein wenig traurig. Denn wir begreifen, dass der Pfarrer kein Privatleben hat, und schließen ihn in unser Herz. Ich wünsche mir, dass für jeden Zuschauer das Passende dabei ist, und jeder sich wiederfindet in dem kleinen Kosmos Frühling.
Vielen Dank für Ihre Zeit!
«Frühling» startet am Sonntag, den 18. Januar 2025, in die neue Staffel. Die Episoden sind seit 10. Januar abrufbar.