Steven Gätjen ‚Wow, das ist noch viel cooler, als ich dachte‘
Mit «Yes or No Games» startet Prime Video seine erste große deutsche Quizshow – technisch aufwendig, visuell immersiv und bewusst reduziert auf eine einzige Entscheidungsfrage. Moderator Steven Gätjen spricht im Interview über den Reiz der simplen Prämisse und den Magic Cube als Spielraum für echte Begegnungen.
«Yes or No Games» ist die erste große deutsche Quiz-Show von Prime Video. Was war für Sie der Moment, an dem Sie wussten: Das ist ein Format, das ich moderieren will?
Grundsätzlich finde ich es immer spannend, wenn man mit neuen Ideen um die Ecke kommt. Quizformate erfreuen sich im deutschsprachigen Raum seit Jahrzehnten großer Beliebtheit. Der Ansatz mit moderner Technik, den immersiven Welten und der 360-Grad-Möglichkeit, in unterschiedliche Bereiche einzutauchen, hat mich total angefixt. Die simple Prämisse – nur die Frage «Yes or No?» – fand ich von Anfang an spannend. Dann geht es natürlich darum herauszufinden, was ich mit an den Tisch bringen kann, damit die Show besser und vielleicht erfolgreicher wird. Die Kombination aus der Arbeit mit den Kandidatinnen und Kandidaten, den Welten und den Fragen fand ich großartig. Als ich den ersten Tag im Studio war, dachte ich: „Wow, das ist noch viel cooler, als ich dachte.“
Der Magic Cube ist das Herz der Show – vier Meter hohe LED-Wände, VR- und AR-Effekte. Wie verändert diese Technik Ihre Rolle im Vergleich zu klassischen Quizshows?
Eigentlich gar nicht. Sie hat mir sogar mehr Möglichkeiten gegeben, mit den Kandidatinnen und Kandidaten zu interagieren. Wir haben immer gesagt: „Schaut euch alles genau an, am Ende stelle ich die Yes-or-No-Fragen.“ Zwischendurch gab es viele menschliche Situationen, in denen ich die Schulter zum Anlehnen sein konnte, der strenge Regel-Papa oder der lustige Kumpel. Das hat mir viel Freude bereitet. Die Technik gibt uns mehr Möglichkeiten, aber es muss trotzdem menschlich und authentisch bleiben. Solche Shows mag ich sehr, weil sie mir erlauben, mit Menschen zu interagieren. Meine Rolle hat sich nicht verändert – sie hat eher mehr Raum bekommen.
Die Spielwelten reichen von der Blutbahn bis zum Mond. Wieviel Orientierung verliert man da als Moderator – und wieviel ist pure Spielfreude?
Ich habe zum Glück gar nicht die Orientierung verloren, sondern hatte pure Spielfreude. Jedes Mal, wenn wir eine neue Welt eröffnet haben, wusste ich inhaltlich, was kommt, aber nicht, wie es aussieht. In dem Moment fühlte ich mich wie ein Kind im Spielzeugladen und dachte: „Wie cool ist das?“ Dann fängt man an, auf alle Details zu achten. Es war für mich reiner Spaß.
Die Kandidatinnen und Kandidaten sammeln Hinweise für eine simple Ja-oder-Nein-Frage. Klingt leicht, ist aber tückisch. Was fasziniert Sie an dieser Reduktion?
„Keep it simple“ klingt oft abgedroschen, aber hier trifft es zu. Die simple Frage weckt Neugier, weil man denkt: „Wieso nur Ja oder Nein?“ Doch es steckt viel mehr dahinter. Man muss visuell begreifen, was geschieht, auf Details achten, und manchmal kommt eine Frage aus einem ganz anderen Kontext. Ich darf nicht zu viel verraten, man muss es sich anschauen. Wichtig war uns auch zu überlegen, wie viel das Publikum zu Hause selbst miträtseln kann. Wenn etwas simpel ist, bietet es viele Interpretationsmöglichkeiten und regt den Spieltrieb an. Ich finde, das haben wir mit den Kandidatinnen sehr gut geschafft.
160 Kandidaten, ein Preisgeld von 100.000 Euro. Welche menschlichen Momente sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Am schönsten finde ich es, wenn ausgeblendet wird, dass es um viel Geld geht, und sich Kandidatinnen und Kandidaten gegenseitig unterstützen. Bei uns mussten nicht alle allein Fragen beantworten; es sollten auch Teams entstehen. Ich mag es sehr, zu beobachten, welche Allianzen sich bilden und wie positiv die Menschen miteinander umgehen. Wir hatten eine technisch aufwendige Produktion mit vielen Herausforderungen, aber alle waren geduldig, offen, freundlich und engagiert. Ich fand es großartig, dass alle richtig Lust hatten.
Prime Video stellt «Yes or No Games» als innovativste Gameshow des Jahres vor. Was macht die Show für Sie wirklich neu?
Die Kombination aus einer simplen Prämisse – Ja oder Nein – und fantastischen Welten. Ich bin ein großer Film- und Serienfan und freue mich, dass die Show non-fiktionale Spielsituationen mit fiktionalen Inhalten kombiniert. In dieser Art gab es das bisher nicht. Es ist definitiv einen Versuch wert, das Publikum damit zu überraschen, und ich hoffe, alle sind beim Zuschauen so begeistert wie wir beim Produzieren.
In einer so technisch aufgeladenen Umgebung trotzdem Nähe und Spannung aufzubauen – wie schwer ist das?
Es war nicht schwer. Die Technik ließ mir viel Platz, weil wir die Welten gemeinsam erlebt haben und ich der Bezugspunkt zwischen der Welt und den Kandidaten war. Ich war die Person, an die man sich wendet. Amazon Prime und die Produktion wollten ausdrücklich, dass ich Raum habe, mich frei zu entfalten. Es war für alle Beteiligten wichtig, dass ich dem Ganzen meinen Stempel aufsetzen kann.
Wenn die Show ein Erfolg wird – hat Deutschland Lust auf eine neue Art von High-Tech-Gameshow?
Es geht nicht nur um High-Tech, sondern darum, innovativ und kreativ zu bleiben und Neues zu wagen. Wenn die Show erfolgreich ist, hoffe ich auf weitere Staffeln. Die Technik hat sich seit den Dreharbeiten schon enorm weiterentwickelt. Man sollte die neuen Möglichkeiten, auch der künstlichen Intelligenz, umarmen und etwas Schönes daraus machen. Das wird nicht verschwinden – also sollten wir es positiv nutzen.
Viele Ihrer klassischen Shows bei ProSieben liefen nicht so stark wie erhofft. Wie blicken Sie heute darauf zurück? War es Timing, Senderführung oder das falsche Genre?
Es gibt natürlich Shows, die nicht funktioniert haben – das ist normal. Wenn wir alle wüssten, was das Publikum sehen möchte, wäre es langweilig und zu einfach. Man muss risikobereit sein, Neues ausprobieren und akzeptieren, wenn etwas nicht ankommt. Einige Shows waren sehr erfolgreich, andere Flops. Rückblickend war alles eine großartige Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln und zu lernen. Was ist Erfolg? Zehn Millionen Zuschauer oder 500.000, die großen Spaß haben?
Wenn Sie sich ein internationales Format wünschen dürften – welches würden Sie gern in Deutschland moderieren und warum?
Es gibt zwei Bereiche, die ich toll finde. Ich mag zum Beispiel eine Kindershow auf Netflix, in der verrückte Maschinen gebaut werden – ob eine pupsende Popcornmaschine oder andere Wünsche der Kinder. Oder klassische amerikanische Late-Night-Shows wie die von Jimmy Kimmel oder Jimmy Fallon. Ich finde es inspirierend, mit welcher kreativen Leidenschaft Menschen weltweit neue Konzepte entwickeln. Besonders am Herzen liegt mir ein Format über Film und Serien mit den Stars selbst. Einige Ideen trage ich bereits mit mir herum und hoffe, dass man in den nächsten Jahren darüber Interviews führen darf.
Dann hoffen wir auch, dass diese eines Tages ans Licht kommen! Danke für Ihre Zeit!
Amazon startet «Yes or No Games» am Freitag, den 16. Januar.