Philippe Brenninkmeyer: ‚Er gewinnt den Zugang zu etwas, das er lange verloren hatte: seine Gefühle‘

Im Gespräch redet Brenninkmeyer über die emotionale Ernsthaftigkeit von Komödien, das Spiel mit Identitäten, die Arbeit mit Andrea Sawatzki und Christian Berkel sowie über das Leben zwischen den USA und Deutschland.

Herr Brenninkmeyer, in «Ein Taxi für Zwei» spielen Sie einen Verleger, der sich ungewollt in eine vermeintliche Autorin verliebt – was hat Sie an dieser Figur besonders gereizt?
Ich hatte die Gelegenheit, eine Figur zu spielen, die sich auf den ersten Blick Hals über Kopf in eine Person verliebt. Es war nicht nur eine Herausforderung, diesen Moment authentisch darzustellen, sondern hat auch viel Spaß gemacht.

Ihre Figur Erik Steiner bewegt sich zwischen den Kalkülen eines Verlegers und echten Emotionen. Wie haben Sie diese Balance zwischen Professionalität und persönlicher Blindheit erreicht?
Das liegt wirklich alles in der Vorbereitung. Es geht darum, die Figur auf einer tiefen Ebene zu verstehen und dann frei und offen für alles zu sein, was der Figur in der Geschichte entgegen kommt.

Der Film lebt vom Wechselspiel zwischen Identitäten, Maskerade und Selbsttäuschung. Wie wichtig ist dieses Motiv für Ihre Figur innerhalb der Geschichte?
Erik sieht alles Schwarz oder Weiß. Er ist kein Fan von Maskerade und Selbsttäuschung. Erik ist seit langem ein wenig ‚verloren’ und findet wieder zu sich, als er echte Liebe für Jemanden empfindet.

Sie stehen mit Andrea Sawatzki und Christian Berkel vor der Kamera – zwei Schauspielern, die diese Serie geprägt haben. Wie war es für Sie, mit ihnen im Ensemble zu arbeiten?
Sie waren toll: am Set wie auch bei der Arbeit. Man ist ja nur so gut wie sein Gegenspieler. Und sie sind großzügig und heben Einen also auf ihr Niveau hoch.

Ihr Verleger glaubt an den Autor, nicht an das Pseudonym. Ist Erik Steiner eher ein Romantiker, ein Opportunist – oder beides zugleich?
In Teilen seines Berufslebens hat er ein opportunistisches Leben geführt, aber tief in seinem Inneren ist er ein Romantiker, was sich zeigt, als er Andreas Figur begegnet.

«Ein Taxi für Zwei» ist eine Komödie, erzählt aber auch eine Geschichte von Einsamkeit, Sehnsucht und Selbsttäuschung. Wie viel Ernsthaftigkeit kann man in einer solchen Komödie akzeptieren?
Eine Komödie funktioniert nur, wenn sie auf einer Realität und Ernsthaftigkeit basiert, mit der wir uns als Publikum identifizieren können. Erst dann kann man eine Komödie auf einer solchen Basis stricken.

Die Geschichte spielt in der Welt der Literatur und des Verlagswesens. Was macht dieses Umfeld Ihrer Meinung nach so attraktiv für komödiantisches Material?
Eigentlich eignet sich jedes Umfeld für eine gute Komödie. Es muss nur tiefgründig und so real und wahrhaftig wie möglich dargestellt werden. Und das finde ich ist dem Schriftsteller und dem Regisseur sehr gut gelungen.

Am Ende gewinnt „Berkel das Rennen“, wie man so schön sagt – bleibt Ihr Erik eine tragische Figur oder jemand, der dennoch etwas gewonnen hat?
Tragisch vielleicht für eine kurze Zeit. Er wird Zeit, brauchen um seine Wunden zu lecken, aber er gewinnt Zugang zu etwas, das er vor langer Zeit verloren hatte: seinen Gefühlen. Er weiß, dass er zu tiefen Gefühlen und Liebe fähig ist.

Im Januar 2026 werden Sie in den USA sein, um Ihre Green Card zu verlängern – wie sehen Sie diesen Prozess in Zeiten einer erneuten Trump-Regierung?

Der Prozess ist heutzutage leider sehr schwierig und kompliziert. Hoffentlich läuft alles gut und ich komme mit einer verlängerten Green Card nach Berlin zurück.

Sie arbeiten und leben seit vielen Jahren in den USA: Hat sich Ihr Zugehörigkeitsgefühl und Ihre Sicherheit dort in den letzten Jahren verändert?
Nein, nicht wirklich. Obwohl ich derzeit mit meiner Familie in Berlin lebe, ist unser Zugehörigkeitsgefühl zu der USA nach wie vor genauso stark wie eh und je.

Sie bewegen sich seit Jahren ganz selbstverständlich zwischen internationalen Produktionen und dem deutschen Fernsehen – sehen Sie das heute eher als Vorteil oder als ständige Herausforderung?
Ich würde sagen, beides: Vorteile, aber auch Herausforderungen. Ich habe das Glück, dass ich mehrere Sprachen spreche und deshalb in verschiedenen Ländern arbeiten kann. Das bringt Vielfalt und auch Diversität, Was mir sehr liegt. Ich wiederhole mich nicht gern.

Wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken: Gibt es ein Genre oder eine Rolle, die Ihnen noch fehlt – oder ist es gerade diese Vielfalt, die Sie reizt?
Die Vielfalt reizt mich auf jeden Fall. Ich würde gerne einmal einen Privatdetektiv spielen. Das ist schon lange ein Traum. Das würde mir Spaß machen.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Das Erste zeigt «Ein Taxi für Zwei» am Freitag, den 16. Januar, um 20.15 Uhr. Bereits ab Mittwoch ist der Film in der ARD Mediathek abrufbar.
14.01.2026 12:35 Uhr  •  Fabian Riedner Kurz-URL: qmde.de/167851