Filippa Coster-Waldau: ‚Smilla hat sich von allem und jedem isoliert‘
Mit der Serienadaption von «Smillas Gespür für Schnee» wagt sich Magenta TV an einen weltweit bekannten Kultstoff – und verlegt ihn in eine düstere Zukunftsvision des Jahres 2040. Filippa Coster-Waldau spricht im Interview darüber, warum sie Smilla nie als „ihre“ Figur verstanden hat und wie sehr das dystopische Setting ihre Darstellung geprägt hat.
«Smillas Gespür für Schnee» ist ein Kultklassiker – weltweit bekannt und ikonisch. Wann hast du realisiert: Diese neue Smilla gehört jetzt mir?
Ich habe Smilla nie als „meine“ gesehen, aber ich war begeistert, sie im Laufe der Dreharbeiten besser kennenzulernen.
Was war für dich der wichtigste Unterschied zwischen der Smilla der 90er und der Smilla von 2040?
Tatsächlich habe ich nur den Anfang von Bille Augusts Version der Geschichte gesehen, weil ich nicht wollte, dass meine Darstellung von Julia Ormonds Smilla beeinflusst wird.
Die Serie zeigt eine Welt, in der Energie ein Luxus ist und wo überall Überwachung stattfindet. Wie sehr hat dieses dystopische Setting deine Darstellung beeinflusst?
Nun, alles, was wir im Leben erleben, beeinflusst und prägt uns, und natürlich kann ich mich damit identifizieren, dass Energie in der Serie und auch heute in der realen Welt die begehrteste Ressource ist. Das betrifft Smilla definitiv, weil diese neue Energiequelle direkt mit ihr verbunden ist.
Smilla ist halb grönländisch. Wie tief bist du in ihren kulturellen Hintergrund eingetaucht, um sie authentisch zu spielen?
Dieser Teil kam ganz natürlich. Ich denke, hier haben Smilla und ich am meisten gemeinsam, weil meine Mutter ebenfalls Grönländerin ist und mein Vater aus Dänemark kommt – genau wie bei Smilla.
Was hat dich an Smilla als Figur am meisten berührt – ihre Wut, ihre Isolation oder ihr Gerechtigkeitssinn?
Ich glaube, am meisten berührt hat mich, wie sehr Smilla sich von allem und jedem isoliert hat. Wie ihre Trauer und ihre Vergangenheit sie daran hindern, im Jetzt zu leben.
Im Zentrum der Geschichte steht ihre Beziehung zu Isaiah, dem Inuit-Jungen von nebenan. Wie bist du an diese leise, aber kraftvolle Verbindung herangegangen?
Für mich stand im Vordergrund, für den jungen Darsteller aus Kanada, Silver Wolfe, ein gutes und sicheres Arbeitsumfeld zu schaffen, da er so weit von Zuhause entfernt war. Wir haben eine Verbindung ehrgestellt und Zeit miteinander verbracht, bevor wir mit dem Drehen begonnen haben.
Deine Szenen mit Elyas M’Barek verbinden Misstrauen, Anziehung und Gefahr. Wie habt ihr beide diese Dynamik aufgebaut?
Vieles von dieser Dynamik steckt im Drehbuch und wir haben versucht, diese Geschichte zu ehren. Es war aufregend, mit Elyas zu arbeiten – er hat viel Erfahrung und ich habe viel gelernt.
Wie herausfordernd war es, Smillas Körperlichkeit – ihre Wachsamkeit, ihre Überlebensinstinkte – in dieser futuristischen Umgebung darzustellen?
Es war eine wunderbare Herausforderung. Ich habe vor dem Dreh viel Zeit mit körperlichem Training verbracht, mit Boxen und Kampfsport und ich habe jede Minute geliebt. Es hilft mir bei meinem Selbstvertrauen und meinem eigenen Gefühl der Erdung.
Die Serie stellt eine zentrale Frage: Wie weit gehen Menschen, wenn Ressourcen knapp werden? Welcher Aspekt dieser moralischen Dimension hat bei dir am stärksten resoniert?
Natürlich ist die halb-dystopische Zukunft, die Smilla zeigt, nicht unsere heutige Realität. Aber für mich ist das Beängstigende, dass wir Tendenzen sehen, die in genau die Richtung weisen, die die Serie darstellt – wenn es um den Schutz von Demokratie, Meinungsfreiheit und den Kampf um die natürlichen Ressourcen unserer Welt geht. Und genau wie in «Smillas Gespür für Schnee» befindet sich auch das heutige Grönland mitten in einem geopolitischen Tauziehen um seine natürlichen Ressourcen.
Du hast mit Amma Asante gearbeitet, einer international renommierten Regisseurin. Welche Tonalität oder Sensibilität hat sie der Serie – und Smilla – verliehen?
Das ist wirklich Amma Asantes Serie. Von Anfang an hatte sie eine extrem leidenschaftliche und perfektionistische Herangehensweise an jeden Aspekt der Serie. Es war ihr sehr wichtig, dass die Serie das Ausgangsmaterial respektiert. Für mich war sie absolut wunderbar.
Kopenhagen 2040 – graue Fassaden, Drohnen, Bodycams, ständige Dunkelheit. Wie stark hat das Produktionsdesign deine Darstellung unterstützt und beeinflusst?
Ein Beispiel dafür, wie ein Setdesign die Erfahrung eines Darstellenden beeinflussen kann: Für mich war das gegen Ende der Serie, als Smilla sich in einer riesigen unterirdischen Eishöhle wiederfindet. Dieses Set wurde in einer Soundstage in Litauen gebaut und ich erinnere mich noch genau daran, als ich zum ersten Mal die fertige Höhle sah – das fühlte sich magisch an.
Was hoffst du, dass die Zuschauer nach den sechs Episoden anders sehen – über Smilla und vielleicht auch über ihre eigene Welt?
Die große Hoffnung ist, dass die Menschen unterhalten werden und die Serie genießen – und dass man vielleicht über die Konflikte der Geschichte nachdenkt. Wir haben alles getan, um eine großartige Serie für die Zuschauer zu schaffen.
Danke für Ihre Zeit!
«Smillas Gespür für Schnee» ist bei Magenta TV zu sehen.