Rian Johnsons Krimiserie meldet sich zurück: Zwischen glänzenden Gaststars, cleveren Wendungen und schwächeren Episoden überzeugt vor allem Natasha Lyonne als menschlicher Lügendetektor – und trägt «Poker Face» auch in der zweiten Runde mühelos.
Rian Johnson ist ein hervorragender Autor: Der «Looper»-Macher schrieb beispielsweise «Knives Out» und dessen Nachfolger «Glass Onion». Außerdem kreierte er die Fernsehserie «Poker Face», die im Sommer 2025 eindrucksvoll zurückkehrte. Die zweite Runde startete mit Amber Kazinsky (Cynthia Erivo), einer ehemaligen Kinderschauspielerin, die sich um ihre gewalttätige, sterbenskranke Mutter Norma (Jasmine Guy) kümmert. Amber wurde kurzerhand aus dem Testament gestrichen, nur noch ihre verschollene Halbschwester soll das Erbe bekommen. Das ist allerdings unfair, schließlich musste Amber mit ihren Schwestern Bebe, Cece und Delia ihre Millionen an die Eltern abtreten. Aus diesem Grund sucht Amber ihre Halbschwester Felicity auf und lockt sie zu einer Klippe, wo sie sie in den Tod stürzt. Jetzt kann Amber sich verkleiden, die Millionen einstreichen und endlich glücklich sein – doch Felicity hatte eine Fußprothese.
In einer weiteren Geschichte wird Charlie von Beatrix (Rhea Perlman) entführt. Die Gangster-Chefin möchte unbedingt herausfinden, wer der Maulwurf in ihrer Organisation ist. Charlie stellt schnell fest, dass die Leute um Beatrix keine Lügner sind. Der Maulwurf ist der Ehemann, hervorragend gespielt von Richard Kind. Die Zuschauer bekommen zudem ein Wiedersehen mit «The Big Bang Theory»-Star Simon Helberg, der den FBI-Mann Luca Clark verkörpert. Obwohl die Episode auf den ersten Blick recht simpel erscheint, hat Autor Wyatt Cain mehr Wendungen als üblich in das Skript geschrieben. Das macht Spaß und trägt auch über schwächere Episoden hinweg.
Das gleiche Muster zeigt sich auch bei der sechsten Folge, in der eine Schülerin (Eva Jade Halford) ihren Klassenkameraden Elijah Turner (Callum Vinson) hinters Licht führt. Auch nicht besser ist die Geschichte um Drehbuchautor und Verkäufer Kendall Hines (Sam Richardson), dessen Jugendfreund Bill Jackson (Corey Hawkins) von dessen Ganovenfreund Juice (James Ransone) erschossen wird. Stärker wird es mit einer Betrüger-Geschichte in Philadelphia mit Regina Givary (Melanie Lynskey), Alex (John Cho) und Gene (Gata).
Schließlich kommt Charlie in der elften Episode in New York City an, wo sie auch bis zum Ende der Serie bleibt. Hier muss Awkwafina als Maddy Saint daran glauben, weil Großmutter Anne (Lauren Tom) ihrer Geliebten Kate Forster (Alia Shawkat) im Weg stand. Wahrlich spektakulär sind die beiden Abschiedsepisoden „Der Tag des Leguans“ und „Endstation“, in denen die Autoren Raphie Cantor, Andrew Sodroski und Laura Deeley eine hervorragende Geschichte erzählen. Auf einer Hochzeit soll einer der besten Killer sein Unwesen treiben, und Charlie ist ebenfalls an diesem Tag als Caterer dabei. Später stellt sich heraus, dass Beatrix das eigentliche Opfer sein soll. Doch die ist gar nicht anwesend, sodass FBI-Mann Luca Clark wieder auftaucht. Die Geschichten mit Lili Taylor, Patti Harrison, Haley Joel Osment, Taylor Schilling und Rhea Perlman sind großartig und machen die mauen vier bis fünf Episoden definitiv wett! Die Auflösung der gesamten Szenerie ist sehr gut gelungen, die Wendungen lassen sich nicht erahnen.