Podstars: «Pollux»

Das Projekt ist ein True-Crime-Podcast, in dem Ex-Gangster Maximilian Pollux und Claudia Kamieth die dunkelsten Abgründe menschlicher Taten beleuchten.

«Pollux» ist so etwas wie der Dauerbrenner unter den deutschen True-Crime-Formaten – und zugleich eine der persönlichsten Crime-Shows überhaupt. Im Zentrum steht Ex-Gangster Maximilian Pollux, der viele Jahre selbst mit einem Bein im Untergrund und mit dem anderen im Knast stand. Gemeinsam mit Moderatorin Claudia Kamieth spricht er nicht nur über spektakuläre Fälle, Täterprofile und perfide Taten, sondern immer wieder auch über das System Gefängnis, über Trauma, Schuld, Reue und die Frage, ob ein Leben nach der Haft wirklich gelingen kann. Dass «Pollux» exklusiv bei Podimo läuft, merkt man sofort: Die Folgen sind lang, unzensiert, oft radikal offen – und damit deutlich näher an den Abgründen als viele andere, glattgebügelte True-Crime-Podcasts.

Inhaltlich ist «Pollux» Staffel für Staffel kuratiert. Statt wahllos Fälle aneinanderzureihen, widmet sich jede Season einem klaren Oberthema: In „Raus aus dem Knast“ erzählt Max von seinem eigenen Weg hinein in die Kriminalität und wieder hinaus, in „Psychopathen im Knast“ blickt er auf Persönlichkeiten, die selbst hinter Gittern gefährlich bleiben, „Morde im Knast“, „Gangs im Knast“ oder „(Un-)Schuldig im Knast“ sezieren den Mikrokosmos Gefängnis mit all seinen ungeschriebenen Regeln. Später öffnen sich die Staffeln stärker zur Außenwelt: „Most Wanted – Deutschland“ widmet sich bekannten deutschen Serienkillern, „Serienmörder“ und „Serienmörder Deutschland“ treiben das Genre in die düstersten Ecken, „Mystery – Unheimliche Verbrechen“ oder „Verbrechen im Wahn“ schlagen den Bogen zu Fällen, bei denen Übernatürliches, Wahnvorstellungen oder unerklärte Phänomene eine Rolle spielen. Andere Staffeln wie „Sekten & Kulte“, „Gefährliche Frauen“, „Prominente Verbrechen“, „Cold Cases“, „Hochstapler & Betrüger“ oder aktuell „Creepy Crimes“ zeigen, wie breit das Format inzwischen aufgestellt ist – immer mit dem roten Faden: Was macht das mit Menschen, wenn Grenzen überschritten werden?

Der besondere Reiz liegt dabei in der Konstellation der Hosts. Claudia Kamieth bringt die journalistische Struktur, ordnet nach, fragt kritisch nach und gibt den Hörern eine Stimme, die sich traut, das Offensichtliche auszusprechen: „Wie kann man sowas machen?“ oder „Warum hat niemand eingegriffen?“ Max dagegen liefert die Innenperspektive: Er kennt Mechanismen von Gewalt, Gruppendruck und Schweigekultur, weiß, wie sich Loyalität anfühlt, wenn sie kippt, und wie leicht sich Moral verbiegen lässt, wenn man sich Stück für Stück an die Grenze herantastet. Dadurch kippt «Pollux» nie in billiges Gruselkino – auch wenn der Gruselfaktor in Staffeln wie „Creepy Crimes“, bei Folgen rund um Exorzismen, Spukhäuser oder Geisterphänomene definitiv hoch ist – sondern bleibt stets nah an psychologischen und gesellschaftlichen Fragen. Immer wieder geht es um Täterbiografien, um institutionelles Versagen, um religiösen Fanatismus, um narzisstische Persönlichkeitsstrukturen oder einfach um pure Gier.

Typisch für den Podcast sind die sehr ausführlichen, oft über 90-minütigen Episoden, in denen sich die Geschichten langsam entfalten. Häufig gibt es Mehrteiler, etwa zu berühmten Hochstaplern wie Frank Abagnale Jr. («Catch Me If You Can»), Christian Karl Gerhartsreiter alias „Rockefeller“, zu Betrugsgrößen wie „Milliarden Mike“ oder zu global bekannten Fällen wie Elizabeth Holmes und Hushpuppi. In anderen Folgen analysiert «Pollux» gemeinsam mit Gästen aus der Psycrime-Szene die Mechanismen hinter Sektenführern, Clan-Strukturen oder Familienkonstrukten, die komplett vergiftet worden sind. Immer wieder streuen die beiden Hosts Triggerwarnungen ein – etwa bei sexualisierter Gewalt, Gewalt gegen Kinder, Suizid oder Folter – und machen klar, dass hier zwar schonungslos erzählt wird, aber nicht ohne Sensibilität für Betroffene.

Dass sich rund um «Pollux» längst eine Community gebildet hat, merkt man daran, wie stark Hörer eingebunden werden. Es gibt Wunschstaffeln („Community Crimes“), Bonusfolgen mit Stories zu Betrugserfahrungen oder gruseligen Erlebnissen, und regelmäßig greifen Max und Claudia Mails aus dem Postfach auf. Dazu kommen Live-Events, bei denen das Duo seine Mischung aus Härte, Humor und Reflektion auch auf der Bühne zeigt. Neue Folgen erscheinen jeden Dienstag exklusiv bei Podimo; wer „folgt“, bekommt die Staffelwechsel, Themenschwenks und Sonderaktionen direkt in den Feed gespielt.
11.01.2026 12:39 Uhr  •  Sebastian Schmitt Kurz-URL: qmde.de/166787