Bevor James Gunn Supergirl 2026 ins neue DC-Universum holt, lohnt ein Blick zurück: Der Solo-Ausflug von 1984 wollte die «Superman»-Magie fortsetzen – doch das Projekt scheiterte.
«Supergirl» aus dem Jahr 1984 ist eine dieser Produktionen, bei denen man schon an der Entstehungsgeschichte ablesen kann, warum der Film am Ende so fahrig wirkt. Die Salkinds wollten nach «Superman III» frisches Glanzlicht setzen, Christopher Reeve sagte den angedachten Gastauftritt ab, das Drehbuch wurde mehrfach umgebaut – und übrig blieb ein Ton-Mix aus Märchen, Slapstick und Liebestrank-Klamauk. Helen Slater ist als Kara/Linda tatsächlich charmant, doch die Figur stolpert von Set-Piece zu Set-Piece: heimliche Internatsschülerin, Schwärmerei für den Gärtner, Hexe Selena als Gegenspielerin, Ausflug in die Phantomzone – viel passiert, wenig entfaltet sich.
Wer heute reinschaut, staunt weniger über Effekte als über Entscheidungen: Die Konflikte drehen sich erstaunlich oft um einen verzauberten Love Interest (Hart Bochner), während Supergirls eigene Ziele (Omegahedron finden, Argo City retten) dramaturgisch immer wieder zugedeckt werden. Faye Dunaway spielt Selena mit hingebungsvollem Camp, Peter O’Toole adelt ein paar Szenen – aber auch Stars können ein wackliges Fundament nicht tragen. Dass parallel mehrere Schnittfassungen kursierten (US-Fassung, längere International Version, später sogar ein „Director’s Cut“), verstärkt rückblickend den Eindruck, man habe den Film im Schneideraum auf Kurs bringen wollen – gefunden hat er ihn nie.
Künstlerisch bleibt eine Konstante positiv hängen: Jerry Goldsmiths Score. Der «Supergirl»-Soundtrack ist schwungvoll, melodisch klar, mit luftigen „Flight“-Momenten, die andeuten, wie leichtfüßig der Film hätte sein können. Ironischerweise klingt die Musik nach dem Abenteuer, das das Buch nicht sauber erzählt. An den Kassen wurde’s bitter: Rund 35 Millionen US-Dollar Budget standen weniger als 15 Millionen US-Dollar Ticket-Erlöse gegenüber – die Reihe war damit erst einmal verbrannt. Kritisch fiel das Echo ähnlich kühl aus; in Rückschauen wird der Film gern als verirrter Franchise-Ableger verbucht. (Als Gradmesser: In zeitgenössischen und späteren Aggregationen dümpelt er im tiefroten Bereich.)
Spannend ist die Spätkarriere der Beteiligten. Helen Slater fand Jahre später im TV-Kosmos wieder Heimathafen – als Clark Kents Mutter Lara-El in «Smallville» und als Adoptivmutter Eliza Danvers in der Serie «Supergirl». Dunaway blieb Ikone des großen Star-Kinos, O’Toole eine Legende – beide Namen verleihen dem 84er-Film noch heute musealen Glanz, auch wenn er nicht zu ihren Sternstunden zählt. Regisseur Jeannot Szwarc arbeitete weiter vor allem im Fernsehen, wo sein nüchterner, handwerklicher Zugriff besser zur Geltung kam.
Und nun der Neustart: James Gunns DC-Plan sieht Supergirl wieder prominent vor – als eigenständiges Kapitel mit anderer Tonalität. Besetzt ist sie mit «House of the Dragon»-Entdeckung Milly Alcock, erzählerische Grundlage bildet Tom Kings «Woman of Tomorrow», eine deutlich kantigere, space-operaeske Vorlage, die Supergirl als harte, eigenständige Heldin denkt – fernab vom 80er-RomCom-Ballast. Fix bestätigt ist Alcock, Zielzeitraum ist 2026 – und genau darin steckt die Chance, die Figur endlich als Figur zu erzählen, nicht als Fußnote des Superman-Mythos.
Warum der alte Film „doof“ wirkt, lässt sich damit auf den Punkt bringen: Er verwechselt Leichtigkeit mit Beliebigkeit. Statt einer klaren Heldinnenreise reiht «Supergirl» Situationen aneinander, statt Konflikten, die Kara formen, dominieren Gimmicks (Liebestrank, Bulldozer-Krawall, Spiegeldimension). Die besten Momente – kurze, poetische Flug-Einsprengsel, Goldsmiths Musik, Slaters Aufrichtigkeit – stehen wie Inseln in einem Meer aus Tonbrüchen. Man kann dem Film heute als Camp-Kuriosum etwas abgewinnen. Aber wer wissen will, was in der Figur steckt, hofft zu Recht auf 2026.