Kritik um «Popetown»: MTV entscheidet sich für einen Kompromiss

Nach den heftigen Kritiken um die Zeichentrickserie «Popetown» hat der Musiksender MTV nun einen Kompromiss gefunden. Die katholische Kirche forderte zur Unterlassungsverpflichtung auf, die bis Mittwoch unterzeichnet werden sollte. Soweit kam es bislang allerdings noch nicht. MTV reagierte nun mit eigenen Mitteln: Anstatt wie geplant die ganze Staffel ab 3. Mai auszustrahlen, wird es zunächst nur eine Folge geben. Diese wird im Rahmen einer Diskussionsrunde gesendet, in der Vertreter der Kirche, der Medien und der Musikbranche zu Wort kommen sollen. Auch die Zuschauer sollen sich per Telefonanruf interaktiv an der Sendung beteiligen können. Dadurch will MTV der Diskussion die Schärfe nehmen. Je nach Ausfall der Reaktionen wird dann über die Zukunft der Serie entschieden. Im ungünstigsten Fall bleibt es in Deutschland somit bei nur einer Folge der umstrittenen Cartoon-Serie. Die Diskussion samt Folge wird am 3. Mai um 21:30 Uhr gesendet.

«Popetown» war durch provokante Anzeigen in den Printmedien vor einigen Wochen erstmals ins Auge der Kritik geraten. Dort wurde mit dem Titel "Lachen statt hängen" und einem vom Kreuz herab gestiegenen Jesus geworben. Kurz darauf zog MTV die Anzeigen zurück, die allgemeine Kritik hingegen hielt an. Neben der Kirche schaltete sich auch die Politik ein. Teilweise wurde sogar der Entzug der Sendelizenz gefordert, sollte es tatsächlich zur Ausstrahlung kommen. Es sei zwar klar gewesen, dass es Diskussionen geben werde, mit einem solchen Ausmaß habe aber keiner gerechnet, erklärte MTV-Programmdirektor Elmar Giglinger gegenüber der FAZ.

Ursprünglich war «Popetown» für die BBC in Großbritannien produziert worden. Aufgrund der Proteste schaffte es die Serie selbst dort nicht zur Ausstrahlung, auch in Italien ist die Serie bereits verboten. Einzig in Neuseeland gab es bislang grünes Licht.
26.04.2006 22:14 Uhr  •  Andreas Markhauser  •  Quelle: FAZ Kurz-URL: qmde.de/14263