Die Kritiker: «Wo ist meine Schwester?»

In seinem neuen Film ist Heino Ferch wieder mal als abgeklärter, aber einfühlsamer Kommissar zu sehen.

Stab

Darsteller: Heino Ferch, Ronald Kukulies, Sina Bianca Hentschel, Moritz Führmann, Kristin Suckow, Martina Gedeck
Drehbuch: Katja Röder
Schnitt: Marco Baumhof
Kamera: Armin Golisano
Regie: Markus Imboden
Szenenbild: Pierre Pfundt
Ton: Michael Schlömer
Bereits zum vierten Mal schlüpft der beliebte Fernsehschauspieler Heino Ferch in die Rolle des einfühlsamen SOKO-Kommissars Ingo Thiel, der es im neuesten Film «Wo ist meine Schwester?» wieder mit der Suche nach einer verschwundenen Person zu tun bekommt. Diesmal ist eine Frau namens Amelie Reinhard (Kristin Suckow) von ihrem Nachhauseweg nachts in einer Bar nach einer gemeinsamen Geburtstagsfeier mit ihrer Zwillingsschwester (ebenfalls Kristin Suckow) und ihren Freundinnen einfach nicht mehr nach Hause gekommen. Ihr Freund Jonas (Max Hubacher) alarmiert die Polizei, und Ingo Thiel ruft die SOKO Amelie ins Leben.

Mit dieser mysteriösen Vermisstenanzeige, die sofort das Interesse des Zuschauers weckt, beginnt der Film durchaus vielversprechend, da der Auftakt direkt Spannung erzeugt und die ersten Ungereimtheiten in den Geschichten und Verhaltensweisen der Figuren nicht lange auf sich warten lassen. Die Schauspieler wirken bereits auf den ersten Blick gut gecastet und spielen ihre Rollen überzeugend. Doch leider fällt der Film bald in eine Vorhersehbarkeit und Klischeehaftigkeit, die seine Spannung rasch beeinträchtigen.

Als besonders enttäuschend stellt sich schnell heraus, dass sich «Wo ist meine Schwester?» schon früh auf den Freund der verschwundenen Frau, Jonas, als Täter einschießt, aber lange nicht klar wird, aus welchem Motiv er gehandelt haben soll. Dies lässt den Zuschauer zwar rätseln, aber ohne weitere Hinweise oder zielgerichtete Handlungsstränge wirkt der Film allzu langatmig. Dabei stellt «Wo ist meine Schwester?» zu stark auf das „Gefühl“ des erfahrenen Ermittlers Ingo Thiel ab, der von seinen ersten Begegnungen mit der Familie an einfach weiß, dass Jonas das Verbrechen begangen hat und die Verschwundene nicht wieder lebend nachhause zurückkehren wird, aber einfach keine plausiblen Gründe für seinen Verdacht anführen kann.

Die Charaktere werden dabei zunehmend oberflächlich dargestellt, und viele Hintergründe bleiben eher dubios. Ingo Thiel als einfühlsamer Kommissar wirkt zwar noch glaubhaft abgeklärt und routiniert, doch das Verhalten der Familie der Vermissten entzieht sich zunehmend dem Verständnis des Zuschauers: Mutter Dorothee (Martina Gedeck) zeigt kaum Emotionen, wirkt wenig berührt oder besorgt, obwohl ihr Kind verschwunden und vielleicht grausam ermordet worden ist; den ganzen Film über verzieht sie keine Miene. Und auch ihre Zwillingsschwester wirkt bald recht abgeklärt und hat ebenfalls schnell Jonas im Verdacht. Die Konflikte, die dadurch innerhalb der Familie ausgelöst werden, sind leider stets vorhersehbar, aber recht gut geschrieben.

Die Inszenierung des Films gerät dabei zwar solide, aber uninspiriert. Regisseur Markus Imboden findet kaum markante Bilder oder kreative Einfälle, die «Wo ist meine Schwester?» visuell aus der Masse der Fernsehkrimis herausheben würden. So fehlt es diesem Film am Ende gerade an Überraschungen und Innovationen, während er zusehends an seiner Vorhersehbarkeit und der fehlenden Tiefe der Charaktere krankt. Trotzdem gefällt das einfühlsame Spiel der Schauspieler, die in dieser manchmal allzu dünnen Vorlage noch einige glaubhafte Töne finden.

Der Film «Wo ist meine Schwester?» wird am Montag, den 20. März um 20.15 Uhr im ZDF ausgestrahlt.
18.03.2023 11:20 Uhr  •  Oliver Alexander Kurz-URL: qmde.de/140965