Rundschau: Abkühlung oder Mittelerde?

In dieser Woche mit «Freibad», «Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht» und «Munich Games». Der Überblick über die aktuellen Neustarts.

«Three Thousand Years Of Longing» (seit 1. September im Kino)
Dr. Alithea Binnie (Tilda Swinton) lebt zufrieden umgeben von Büchern und Mythen. Eine Konferenz führt sie nach Istanbul. Beim Besuch des Bazars entdeckt sie eine alte Glasflasche. Zurück in ihrem Hotel beobachtet Alithea voller Erstaunen wie ein Dschinn (Idris Elba) dem Gefäß entweicht. Und ganz wie in den Überlieferungen bietet der Flaschengeist ihr drei Wünsche im Tausch für seine Freiheit an. Doch Alithea zögert. Mit Geschichten aus seinem Leben und längst vergangenen Zeiten, von Abenteuern und Lieben versucht der Dschinn, sie für sich zu gewinnen. Berührt von seinen Erlebnissen spricht Alithea schließlich einen Wunsch aus, der ihr beider Leben für immer verändern wird.

Deutschlandfunk Kultur: „«Three Thousand Years of Longing» glaubt tief und fest an den Veränderungscharakter von Geschichten. Märchen, Sagen und Mythen erklären uns heute noch die Welt, nicht nur als Metapher. Diese Haltung macht Millers Film zu einer wunderbaren Seherfahrung.“



«Freibad» (seit 1. September im Kino)
Es ist Sommer und sehr heiß im einzigen Frauenfreibad Deutschlands.
Dort badet Frau oben ohne, im Bikini, Badeanzug oder Burkini. Jede folgt dabei anderen Regeln. Das führt immer wieder zu Reibereien, die die überforderte Bademeisterin nicht so ganz im Griff hat. Als dann auch noch eine Gruppe komplett verhüllter Frauen das Frauenbad begeistert für sich entdeckt, fliegen buchstäblich die Fetzen: Wem gehört das Bad und wer bestimmt die Regeln? Wem gehört der weibliche Körper? Und wann ist denn überhaupt eine Frau eine Frau? Die Bademeisterin kündigt entnervt. Als dann aber als Nachfolge ausgerechnet ein Mann als Bademeister angestellt wird, eskaliert die Situation in unvorhersehbare Richtungen.

Die Welt: „In ihrer komplexen, multidimensionalen Darstellung von Diversität entgeht Dörrie den typischen Fallen des Schematismus. Welche Paare sich am Ende finden, erfrischt mit erstaunlicher Unkonventionalität. Insgesamt liefert Dörrie einen klug überdrehten Badespaß.“



«Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht» (seit 2. September bei Amazon)
Die Serie beginnt in einer Zeit des relativen Friedens und folgt einer Gruppe aus bekannten und neuen Charakteren, die sich dem lange befürchteten Wiederauftauchen des Bösen in Mittelerde stellen. Von den dunkelsten Tiefen des Nebelgebirges über die majestätischen Landschaft von Lindon und das atemberaubende Inselreich Númenor bis hin zu den entlegensten Winkeln der Landkarte werden diese Königreiche und Charaktere ein Vermächtnis hinterlassen, das noch lange nach ihrem Tod weiterlebt.

Variety: "Es mag noch einige Zeit dauern, bis man die Tatsache, dass Amazon buchstäblich eine Milliarde Dollar für seine «Herr der Ringe»-Serie ausgegeben hat, vollständig verdaut hat, aber zumindest kann man sehen, wo das Geld hingeflossen ist. Es ist schwierig, sich an eine einzige Fernsehproduktion zu erinnern, die nicht «Game of Thrones» heißt und sich jemals so riesig und, ja, episch angefühlt hat. «Die Ringe der Macht» fühlt sich im Vergleich zu den Filmen weder klein an, noch fühlt es sich ihrer unwürdig.“



«Munich Games» (seit 2. September bei Sky)
München 2022: Als Zeichen des Friedens und des Gedenkens an die Opfer des Terroranschlags von 1972 ist ein Fußballfreundschaftsspiel zwischen einer israelischen und einer deutschen Mannschaft geplant. Polizei und Geheimdienste auf allen Seiten sind in höchster Alarmbereitschaft, um die Sicherheit der Veranstaltung zu gewährleisten. Doch als Oren Simon, ein in Berlin stationierter Mossad-Agent, nur wenige Tage vor dem Spiel eine Nachricht in einem Dark-Web-Forum abfängt, wird er mit Maria Köhler, einer deutschen LKA-Beamtin mit libanesischen Wurzeln, zusammengebracht, um sicherzustellen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt.

Die Welt: “Man sollte sich die sechs 50-Minuten-Folgen in einem Rutsch geben und einfangen lassen von den schwarzen Wolken, die sich mit der Unausweichlichkeit einer griechischen Tragödie zusammenbrauen. Regisseur Philipp Kadelbach kann das ganz wunderbar, das hat er schon in seiner «Parfum»-Mini-Serie bewiesen.“



«Glückrad» (seit 1. September im Kino)
Eine unerwartete Dreiecksbeziehung, eine Verführung, die anders verläuft als geplant und eine Begegnung, die mit einem Missverständnis beginnt. Der Spielfilm erzählt in drei Episoden von drei Frauen, von ihren Entscheidungen, ihren Unsicherheiten und Zweifeln und von ihrer Neugierde auf das, was vielleicht noch kommt.

Süddeutsche: “Ryûsuke Hamaguchi erzählt mit einer warmen Leichtigkeit von diesen tiefschürfenden Geschichten. Die Regeln, nach denen sich das große Schicksalskarussell in seinem Film dreht, sind zugleich ganz einfach und kompliziert. C'est la vie mit philosophischen Untertönen.“

02.09.2022 14:58 Uhr  •  Fabian Riedner Kurz-URL: qmde.de/136672