Bastian Pastewka: ‚Kindliche Naivität muss man sich erhalten‘

Er war Held einer Sat.1/Amazon-Serie und gehörte dem Ensemble der «Wochenshow» an. Zuletzt war er auch immer wieder in Synchron-Rollen zu hören.

Mit «Die Wochenshow» wurde Bastian Pastewka (48) mit einem Schlag berühmt. Doch der gebürtige Bochumer wollte nicht nur im Fernsehen Karriere machen, sondern auch auf der großen Kinoleinwand. Seine witzigen Rollen in «Der Zimmerspringbrunnen», «Der WiXXer» und «Neues vom WiXXer» sind unvergessen. Noch mehr aber ist er in Kinofilmen zu hören. Er sprach schon den Mäuserich «Stuart Little», eine Biene in «Bee Movie – Das Honigkomplott» und den Superhelden «Megamind». Seine letzte Synchronrolle war «Mister Link» (u.a. bei den Streaming-Anbietern Amazon, Sky, iTunes), ein lustiger Vorfahre der Menschen, der unbedingt zu seinen Artgenossen, den Yetis im Himalaya will und dabei in ein aufregendes Abenteuer gerät.

Sie haben schon etliche Trickfiguren wie die kleine Maus «Stuart Little» oder den großen Roboter «Baymax» gesprochen. Ein zotteliger Ur-Primate wie «Mister Link» hat Ihnen in Ihrer Sammlung sicherlich noch gefehlt...
Ja, ich war auch überrascht, aber natürlich sehr angenehm. Mister Link ist ein perfekter Kumpel – und nur eine von vielen zauberhaften Figuren im Film.

Was hat Ihnen speziell an Ihrer Figur gefallen, oder konnten Sie sogar Gemeinsamkeiten entdecken?
Ich mag natürlich, dass diese Figur die letzte ihrer Art ist. Sie weiß nicht, wie man sich auf der Welt zurechtfinden soll, speziell nicht unter den sogenannten zivilisierten Menschen. Sein Widerpart, der Entdecker Sir Lionel Frost rät ihm, sich unauffällig zu kleiden, also setzt der rundliche Link sich einen Hut auf dem Kopf – zur Tarnung damit man ihn nicht gleich entdeckt. Ist das nicht süß?

Daraus entstehen im Film viele komische Momente...
Genau, denn er will ja trotzdem dazugehören. Er versteht jedoch überhaupt keine Scherze oder Redewendungen und fragt immer bierernst, was bedeutet denn das? So eine kindliche Naivität in eine Rolle einzubringen, fällt mir natürlich sehr leicht.

Weil Sie selbst noch eine kindliche Naivität besitzen?
Die muss man sich erhalten. Ich glaube auch, jeder Mensch verhält sich instinktiv kindlich-naiv, wenn es die Situation erlaubt. Selbst Leute, die behaupten, sie wüssten wie alles funktioniert. Es gibt Menschen, die wollen die Welt so verzweifelt begreifen und alle Erkenntnisse in einen Setzkasten stecken. Das geht nicht. Die Welt ist viel größer und es gibt noch wunderschöne Dinge zu entdecken.

Zum Beispiel?
Etwa wie uns ein schöner Baum zum Klingen bringt. Das klingt furchtbar esoterisch, aber ich meine es tatsächlich so. Darum geht es auch ein bisschen in «Mister Link»: Achtung, schaut euch mal um! Es ist nicht immer alles nur gut oder schlecht.

Hätten Sie sich Ihre kindliche Naivität auch erhalten können, wenn Sie nicht Schauspieler geworden wären?
Ich glaube nicht, dass das eine Frage des Berufs ist. Ich kenne Finanzberater, die sich auch noch freuen können, wenn in ihrem Lieblings-Freizeitpark eine neue Bahn eröffnet wird. Wir alle werden als Kinder sozialisiert und tragen es ein Leben lang mit uns herum, selbst wenn wir uns wie Erwachsene verhalten sollen. Ich habe mir gleich alles von damals genau gemerkt und erlaube mir heute so zu sein wie ich bin, eben weil ich auch mal Kind war.

Und deshalb wollten Sie auf die Bühne?
Nicht nur deshalb, aber wenn man einmal so ein Aufmerksamkeitsjunkie ist wie ich, dann will man immer noch mehr und steigt auf eine Bonner Laien-Bühne und denkt, man müsse hier jetzt mitspielen, obwohl man noch gar nicht weiß, wie Theaterspielen geht. Aber man macht es einfach, und das hat auch etwas mit kindlicher Naivität zu tun.

Warum brauchen Sie so viel Aufmerksamkeit?
Ich glaube, das hat etwas mit dem eignen Streben nach Vollkommenheit zu tun und nicht, wie viele sagen, weil man Zuhause vernachlässigt wurde. Das war in meinem Fall nicht so, ich habe immer genügend Aufmerksamkeit erfahren. Aber ich mochte immer den Austausch mit Menschen, und das geht auf einer Theater- oder Comedy-Bühne sehr gut, selbst wenn die Rolle noch so klein ist.

Eine sehr große Rolle spielten Sie seit 2005 im Fernsehen. Ihre Serie «Pastewka» wurde 2020 nach der 10. Staffel eingestellt. Ihre Entscheidung?
Es wäre vermessen zu sagen, dass das meine Entscheidung war, aber ich habe entscheidend dazu beigetragen. Wir alle sagten uns: ‚Komm’, wir hören jetzt auf!’ und wussten, es ist die richtige Entscheidung, nach 100 Folgen Abschied zu nehmen. Wobei uns das nicht gelingen wird.

Wie meinen Sie das?
Es wird uns keine 100. Folge gelingen, sondern nur die 99. – und das finde ich super. Die runde Zahl knapp verpasst. Das ist für mich der Spirit der Serie und damit bin ich komplett zufrieden. Danach ist auch wirklich Schluss. Wir lassen uns kein Hintertürchen auf für eine weitere Staffel oder etwa ein Weihnachts-Special.

Sie wohnen sowohl in Köln als auch in Berlin. Wie geht das?
Ich wohne jeweils immer dort, wo ich gerade gebraucht werde. Momentan eher in Köln, wo wir «Pastewka» zu Ende drehen, aber wenn ich in Berlin bin und mich bei schönen Wetter umschaue, denke ich wieder: ‚Ach, ist das nicht eine schöne Stadt!’

Was ist so schön an Berlin?
Ehrlich gesagt, freue ich mich, dass mir auf Berliner Straßen Autos auch mal entgegenkommen. Köln ist ein Einbahnstraßensystem. Wenn man dort einmal die falsche Abzweigung nimmt, wird man in Rheinland-Pfalz ausgespült. In Berlin ist durch die Breite der Straßen und durch die Infrastruktur alles ein bisschen größer und erhabener. Das mag ich gern.

Wo befindet sich Ihr Berliner Kiez?
Ich versuche, rund um den Savignyplatz alle Restaurants durchzutesten. Und das sieht man mir auch an.

Wo werden Sie von den Leuten eher erkannt?
In München. Dort scheine ich immer noch ein Exot zu sein. Egal wo, die Leute schauen mich dort an als wäre ich ‚Mister Link’ – falsch gekleidet und fellig (lacht). In Berlin und Köln ist allen alles egal – da nimmt man mich sowieso nicht ernst!

Danke für das Gespräch!
24.02.2021 11:39 Uhr  •  Markus Tschiedert Kurz-URL: qmde.de/124978