Die Kritiker: «Getrieben»

Ein Krimi wider den Kampfbegriff "ungleiches Ermittlerpaar": Petra Schmidt-Schaller und Ulrike C. Tscharre empfehlen sich für weitere gemeinsame Einsätze.

Cast & Crew

Vor der Kamera:
Ulrike C. Tscharre als Sibylle Deininger
Petra Schmidt-Schaller als Kara Bischoff
Matthias Matschke als Stefan Grewe
Kai Scheve als Michael Bräutigam
Michael Rotschopf als Paul Ludwig
Andreas Pietschmann als Christoph Becker
Nina Gummich als Julia Müller

Hinter der Kamera:
Produktion: Polyphon Film- und Fernsehgesellschaft mbH und M.I.M. Made in Munich Movies GmbH
Drehbuch: Sabrina Maria Roessel, Axel Hildebrand und Maris Pfeiffer
Regie: Maris Pfeiffer
Kamera: Eckhard Jansen
Produzenten: Christoph Bicker und Hubertus Meyer-Burckhardt
Das deutsche Fernsehen ist voll von „ungleichen Ermittlerpaaren“, die einen banalen, aber griffigen Dualismus verkörpern sollen: der Zupackende und der Zögerliche, der Rechtstreue und der Rechtsbrecher, der gutsituierte Intellektuelle und der bauchgefühlige Straßenköter.

«Getrieben» dagegen zeigt uns ein Ermittlerpaar, das nur wenige Gegensätze kennt und stattdessen wunderbar miteinander harmoniert: Als in Berlin eine junge Studentin von irgendeinem Perversen stundenlang zu Tode stranguliert wird, zieht die mit dem Fall betraute Kommissarin Sibylle Deininger (Ulrike C. Tscharre) zügig ihre ehemalige Lebenspartnerin, die Psychotherapeutin Kara Bischoff (Petra Schmidt-Schaller), hinzu. Die Beiden waren mal das beste Team im Kommissariat, doch mit dem Bruch ihrer privaten Beziehung fand auch ihre berufliche Zusammenarbeit ihr Ende. Deininger macht inzwischen einer anderen Kollegin schöne Augen, Kara ist ebenfalls in den ersten Stadien einer neuen Beziehung. Trotzdem hängen die zwei Frauen noch aneinander und begegnen sich schon aus rein organisatorischen Gründen häufig, weil sie sich das Sorgerecht für eine monströse Sennenhündin teilen.

Schnell hat die Polizei ermittelt, dass es sich bei der toten Studentin um das aktuelle Opfer einer seit Jahrzehnten verübten Mordserie an Prostituierten handelt. Und dem Zuschauer ist – erzählerisch etwas verunglückt zu früh – ohnehin bekannt, dass einer von Karas Patienten (Matthias Matschke) mit dem Fall in Zusammenhang stehen muss.

Es ist angenehm, einmal zwei intelligente Frauen im Zentrum eines charakterzentrierten Krimis zu sehen, die durch ihre Intelligenz auffallen und sich wie Erwachsene anstatt wie lustbetonte Vierzehnjährige benehmen. Das mag mehr über den Zustand des deutschen Fernsehfilms als über die inhaltliche Überzeugungskraft von «Getrieben» aussagen, ist aber dennoch relevant, um den Reiz dieser Produktion zu verstehen.



Der geschilderte Mordfall und der gezeigte Ablauf von Ermittlungsarbeit und sich weiter eingrenzendem Täterfeld mögen sich dabei weitgehend unspektakulär und konventionell gerieren. Doch dafür entschädigt die einnehmend unaufgeregte Schilderung der Beziehung zwischen Kara und Sibylle und ihre langsame, bedachte Wiederannäherung.

Trotzdem fehlt diesem Film in seiner Erzählung wie in seiner Inszenierung die letzte Konsequenz: Zu sehr verlässt sich der Spannungsbogen auf tausendfach gesehene Strukturen und hangelt sich an der Tätersuche entlang, wenn das spannendere Untersuchungsfeld ganz woanders läge: Zum Einen in der Biographie und den psychopathologischen Abgründen der (weitgehend offen geführten) Täterfigur; zum Anderen in der von Verständnis und Klugheit geprägten Zusammenarbeit zwischen der Kommissarin und der Psychotherapeutin. Im Verlauf des Films kann man sich des Eindrucks nicht verwehren, dass eigentlich genau das erzählt werden wollte, aber mit Gewalt in eine konventionellere Richtung umgeleitet wurde. Doch gerade der Wille zur absoluten erzählerischen Konsequenz hätte aus diesem ganz guten wahrscheinlich einen hervorragenden Film gemacht.

Das ZDF zeigt «Getrieben» am Montag, den 25. Februar um 20.15 Uhr.
25.02.2019 11:00 Uhr  •  Julian Miller Kurz-URL: qmde.de/107477