Der Privatsender hat in den vergangenen Jahren viele tolle Formate geschickt, die im Gegensatz zu «Die Höhle der Löwen» teilweise unverdient aufgrund problematischer Sendeplätze gescheitert sind. Wir rufen diese unentdeckt gebliebenen Perlen wieder in Erinnerung - als potenzielle Lead-Out-Optionen für den Gründershow-Giganten.
Noch ganz frisch sind die Wunden, die der Sender bei der Ausstrahlung dieser beiden Formate zu lecken hat. Mit gleich zwei ebenso unspektakulär wie sympathisch aufgezogenen Dokusoaps wollte man den großen Wurf am Montagabend schaffen, ging aber gegen «Wer wird Millionär?» und die geballte Sheldon-Dosis nach einem guten Auftakt ziemlich schnell unter. Mit immerhin jeweils rund sechs Prozent Marktanteil beim jungen Publikum war das Duo kein Fall für die Quotentonne, mehr erhofft hatten sich die Verantwortlichen aber fraglos. Für späten Aufwind sorgte hintenraus etwas überraschend der Versuch, die beiden Sendungen in Doppelfolgen möglichst schnell über die Bühne zu bringen, wobei insbesondere die zweite «Eine Nacht mit dem Ex» mit knapp sieben Prozent des jungen Publikums gar nicht mal schlecht performte.
Ein echter Notfall für die Programmplanung: Wo platziert man eine Sendung, die sich mit dem spannenden und zugleich doch ziemlich unscheinbaren Alltag der Mitarbeiter in den Einsatzleitstellen von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst befasst, am besten? An zwei ziemlich attraktiven Stellen im Programm, nämlich montags nach dem Dauerbrenner «Goodbye Deutschland!» und donnerstags nach den ebenfalls oft sehr erfolgreichen Spielfilm-Ausstrahlungen hat man es bereits versucht, was meist zu überschaubaren, aber eben auch nicht wirklich schlechten Quoten von durchschnittlich rund sechs bis sieben Prozent führte. Erst im September testete man die Sendung dann noch freitags nach der wenig erfolgreichen Feuerwehr-Actionserie «Chicago Fire» aus, was allerdings komplett nach hinten losging und nach nur einem Versuch wieder unterlassen wurde, um kein Potenzial zu vergeuden.
Nicht allen gefiel diese als wöchentliche Latenight konzipierte Action-Kochshows mit großen Egos, doch überwiegend wurde sie in der Kritik positiv besprochen - und erhielt im Frühjahr dieses Jahres den vermeintlich attraktiven Sendeplatz am Donnerstagabend nach dem wöchentlichen Blockbuster, wo sie sich aber mit im Schnitt nur gut fünf Prozent der Zielgruppe sehr schwer tat. Neben der Formatidee war auch der Sendeplatz ein Wagnis, das letztlich nicht aufging, womit sich nun die Frage anschließt: Glaubt man immer noch an die Idee und gibt ihr ein Show-Lead-In, wofür neben dem Dienstag- sicherlich auch der allerdings meist mit «Prominent!» sehr erfolgreich bestückte späte Sonntagabend in Frage kommt oder lässt man die Sendung fallen? Der eine oder andere Kritiker würde sich sicherlich über die Realisierung der erstgenannten Option freuen.
Schöner als mit dieser Sendung ist VOX in seiner Sendergeschichte nur selten gescheitert. In der von Desiree Nosbusch moderierten Talk(!)show ließen sich Promi-Paare durch professionelle Maskenbildner in mehreren Schritten um Jahrzehnte älter schminken, was als visuelle Hilfe dafür dienen sollte, um über das gemeinsame Altern und die Beziehung zueinander zu reflektieren. Klingt genauso ambitioniert bis seltsam, wie es sich dann auch in der konkreten Umsetzung anließ, hatte dem Zuschauer und den prominenten Protagonisten aber in seinen besten Momenten auch ein beeindruckendes Maß an Intimität zu geben. Das große Problem: Wer nicht zu 100 Prozent in der Lage und bereit war, sich auf dieses Erlebnis einzulassen, hatte schnell verloren, sodass die Sendung bei einigen Promi-Paaren weitaus besser funktionierte als bei Anderen und das Massenpublikum am Dienstagabend zur besten Sendezeit heillos überforderte. Trotz streckenweise desolater 2,4 Prozent Marktanteil hielt VOX an diesem ebenso gut gemeinten wie gut gemachten Projekt bis zum Ende fest und kletterte hintenraus sogar wieder auf fast schon akzeptable knapp fünf Prozent, bevor nach sechs Folgen Schluss war.
Sicher kein Flop im klassischen Sinne, sondern eher ein Format mit bewegter Vergangenheit ist diese Musikshow mit Rockmusiker Daniel Wirtz, die bislang schon sieben Mal am VOX-Dienstag zu sehen war und dabei von desolaten 2,5 Prozent nach «The Story of My Life» bis hin zu grandiosen 10,8 Prozent nach «Sing meinen Song» ziemlich viel ausschöpfte, was das Quotenmeter so an Range hergab. Für das spätabendliche Ausklingen-Lassen der «Tauschkonzert»-Abende ist die Sendung letztlich wahrscheinlich hinsichtlich ihres Audience-Flows sogar besser geeignet, doch diesbezüglich präsentierte sich der Privatsender in diesem Jahr ungewohnt ambitionslos und begnügte sich mit wenig erfolgreichen Wiederholungen des ebenfalls sehenswerten Genre-Kollegen «Meylensteine».