RTL II stuft zwei Superreiche für vier Wochen lang zu Hartz-IV-Empfängern herab und verkauft das als spannendes Sozialexperiment. Allzu ernst wird mit der Problematik aber nicht umgegangen.
Ein Aufschrei ging durch die hiesigen Medien, als Bundesgesundheitsminister Jens Spahn im März seine Gedanken zu Hartz IV vom Stapel ließ: Als Hartz-IV-Empfänger sei man doch nicht arm und jeder habe das, was er zum Leben braucht. Daraufhin entbrannte eine sozialpolitische Debatte um die Grundsicherungsleistung für Arbeitslose. Einen äußerst relevanten Beitrag dazu liefert nun ausgerechnet der It’s-Fun-Bildungssender RTL II. Noch in zehn Jahren werden Sie sich vermutlich fragen: Wo war ich damals, als RTL II das Leben eines millionenschweren Fürstenpaares für sage und schreibe 4 – in Worten: vier! – ganze Wochen auf den Kopf stellte?
Die Motive dafür? Man wolle herausfinden, ob man auch ohne das ganze Geld und den Schnickschnack glücklich leben kann. Es geht um die Erfahrung, sagt Fürst Heinz. Achja, und ganz nebenbei will er auch noch herausfinden, ob die Leute, die Hartz IV bekommen entweder nur nicht arbeiten wollen oder einfach keinen Job bekommen. Erst dann – nach wohlgemerkt angeblich nur einen Monat – könne er über solch komplexe Dinge urteilen. Das muss man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen. Bevor es ans Eingemacht geht, sehen wir noch, wie es sich Heinz und seine Liebste in einem edlen Etablissement gut gehen lassen; auch ein Brunch mit der Cordalis-Familie steht noch an.
Auch im weiteren Verlauf stellen sich Heinz und Andrea nicht wirklich klug an – ob das Show ist oder nicht: Manchmal kann man schon darüber schmunzeln. Trotzdem ist das gleichzeitig ein großer Kritikpunkt, denn an Ernsthaftigkeit mangelt es dem Thema Hartz IV ja eigentlich nicht. Zu nennen wären unter anderem: Soziale Ausgrenzung, so gut wie keine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, psychische Laster – das alles findet zum Auftakt von «Promis auf Hartz IV» mit keiner Silbe Erwähnung. Stattdessen wird gezeigt, wie sich das Ehepaar im Supermarkt über drei- oder vierlagiges Toilettenpapier streitet. Auch das erste Mal Schwarzfahren mit der Straßenbahn wird zu einem großen Ereignis hochstilisiert. Die wenigen Stellen, an denen mal ein Hauch von Ernst mitschwingt, sind allenfalls die, in denen eine Kioskbesitzerin zu Wort kommt.