Fernsehfriedhof

Der Fernsehfriedhof: Am Ballermann der Banalitäten

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Quotenmeter.de erinnert an all die Fernsehformate, die längst im Schleier der Vergessenheit untergegangen sind. Folge 218: Eine triviale Mallorca-Serie, die mit einer Show-Legende das Urlaubsgefühl nach Deutschland holen wollte.

Liebe Fernsehgemeinde, heute gedenken wir den Belanglosigkeiten im 17. Bundesland.

«Guten Morgen, Mallorca!» wurde am 09. August 1996 bei RTL geboren und entstand zu einer Zeit, als die Baleareninsel mit mehr als drei Millionen Besuchern pro Jahr das unangefochtene Lieblingsurlaubsziel der Deutschen war. Was lag daher näher, als in dem populären Ferienparadies eine Fernsehserie zu produzieren? Gänzlich neu war diese Idee aber nicht, denn schon sowohl das Erste als auch das ZDF ließen zuvor Mehrteiler vor der spanischen Kulisse drehen.

Im Zentrum der RTL-Version stand Peter Ostermann, der dem Stress seiner Frankfurter Werbeagentur entfliehen wollte und nach Mallorca auswanderte. Fortan finanzierte er sein Leben als Moderator eines deutschen Insel-Radios, der seine Hörer täglich mit den Worten „Guten Morgen, Mallorca“ begrüßte. Seine Feierabende verbachte er oft im Café „Marlene“, das vom ungleichen, schwulen Paar Jürgen und Gabriel betrieben wurde. So ganz konnte der Lebemann die neue Freiheit allerdings nicht genießen, denn seine eifersüchtige Freundin Iris, die der Karriere wegen in Deutschland blieb, wachte streng über das Liebesleben des Charmeurs.

Der vermeintliche Sonnyboy und Frauenschwarm wurde dabei von Werner Schulze-Erdel verkörpert, der zuvor vor allem als Moderator der Gameshows «Familienduell», «Ruck Zuck», «Ein Tag wie kein anderer» und «Showmaster» bekannt wurde. Eine große Herausforderung stellte die Rolle für den gelernten Schauspieler jedoch nicht dar, denn weil es sich um eine Urlaubsserie handelte und niemand ernsthafte Probleme in seinen Ferien wälzen möchte, waren die Geschichten entsprechend seicht und harmlos. Es ging um Stromausfälle, fehlende Wasserversorgungen und obligatorische, romantische Turbulenzen. Entsprechend verhalten fielen die Pressekritiken zur Sendung aus. Die Berliner Zeitung beurteilte die erste Ausgabe beispielsweise als „ebenso zähflüssig wie langatmig“.

Um das Urlaubsflair richtig einfangen zu können, entstand die Serie vollständig auf der Ferieninsel. Dabei diente die Hotel-Finca „Ca'n Coll“ als Drehort für Ostermanns Wohnhaus, während das Café „Marlene“ im Hafen von Puerto de Sóller tatsächlich existierte. Weitere Motive fand das Team in Deià, Cala Millor und El Arenal. Die Radio-Szenen entstanden derweil in den Studios eines tatsächlich bestehenden deutschen Senders. Konsequenterweise strahlte RTL die Produktion dann auch während des Sommers aus. Freitags um 21.15 Uhr sollten die banalen Geschichten nicht nur das Wochenende einläuten, sondern auch die daheimgebliebenen Deutschen anlocken.

Zunächst schien die Rechnung aufzugehen, denn der zweistündige Pilotfilm erreichte eine Sehbeteiligung von 4,32 Millionen Zuschauer, von denen 2,08 Millionen im werberelevanten Alter waren. Die daraus resultierenden Marktanteile lagen insgesamt sowie in der Zielgruppe bei 21,0 bzw. 22,7 Prozent. Doch als die Reichweiten auch nach Beginn der neuen Fernsehsaison nicht wuchsen, aber die allgemeine Fernsehnutzung und Konkurrenz im Herbst traditionsgemäß anstieg, sanken die Marktanteile der Urlaubsreihe auf unterdurchschnittliche Werte ab. So konnte das Finale trotz nahezu konstanter Werte nur noch Marktanteile von 15,1 Prozent bei allen Zusehern sowie von 16,2 Prozent in der Zielgruppe verbuchen. Diesen Trend vermochten auch die vielen Gaststars wie Jochen Busse, Sonja Kirchberger, Eva Habermann und Martin Semmelrogge nicht umzukehren. Obwohl Schulze-Erdel öffentlich betonte, die Dreharbeiten auf der Insel sehr genossen zu haben und für eine Fortsetzung zur Verfügung stand, gab der Sender aufgrund der verhaltenen Resonanz keine weiteren Episoden mehr in Auftrag.

«Guten Morgen, Mallorca!» wurde am 04. Oktober 1996 beerdigt und erreichte inklusive Pilotfilm ein Alter von neun Folgen. Die Serie hinterließ den Hauptdarsteller Werner Schulze-Erdel, der noch bis zum Jahr 2003 durch das «Familienduell» führte, welches dann aufgrund eines hohen Altersschnitts trotz guter Gesamtreichweiten eingestellt wurde. Zuvor präsentierte er jedoch noch die Eventshow «Ich heirate einen Millionär», bei der schnell Schummel-Vorwürfe bekannt wurden. Die Idee, eine Serie auf Mallorca zu drehen, griff später übrigens auch der Konkurrent ProSieben auf, der dort seine Daily Soap «Mallorca – Suche nach dem Paradies» herstellen ließ, die aber ebenfalls kein Erfolg wurde.

Möge die Serie in Frieden ruhen!

Die nächste Ausgabe des Fernsehfriedhofs erscheint am kommenden Donnerstag und widmet sich dann einem jahrelangen Weihnachtsklassiker, der ein unwürdiges Ende fand.

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