Die Kino-Kritiker

«Salt»

von
Angelina Jolie spielt im straff inszenierten Thriller «Salt» eine des Verrats beschuldigte Top-Agentin.

Kurz vor Feierabend der fähigen Agentin Evelyn Salt (Angelina Jolie) trifft ein russischer Überläufer in einer geheimen CIA-Zentrale ein. Mit leichtem Widerwillen verzichtet Salt auf das verfrühte Ende ihrer Schicht und vernimmt den russischen Agenten Orlov (Daniel Olbrychski), der ihr erzählt, dass die Verwirklichung einer lang geplanten Operation gegen die USA kurz bevorsteht. Während seines Verhörs sagt Orlov, dass eine russische Doppelagentin namens Evelyn Salt ein wichtiger Bestandteil dieser Mission sei, nicht wissend, dass er Salt gegenübersitzt. Von Orlovs Anschuldigungen erschüttert und um den Verbleib ihres Mannes (August Diehl) besorgt, versucht Salt verzweifelt ihren Mann zu kontaktieren. Einige ihrer CIA-Kollegen nehmen Orlovs Anschuldigungen ernst, weshalb sie Salt vorläufig inhaftieren wollen, doch in Sorge um ihren Ehemann flieht Salt und nimmt den Fall um die mysteriöse russische Offensive selbst in die Hand.

«Salt» mangelt es an Innovation. Dennoch stellt der Thriller mit Angelina Jolie als zähe und schwer durchschaubare CIA-Agentin überdurchschnittliche Kinokost dar. Ohne das Rad neu zu erfinden oder irgendwie zu verbessern macht Regisseur Phillip Noyce («Der Knochenjäger») bei der Inszenierung von «Salt» alles richtig, so dass man als Genrefreund auch ganz ohne neue Elemente viel für sein Eintrittsgeld geboten bekommt. Besonders bestechend sind die packenden Verfolgungsjagden, die auf den all zu hektischen Stil vieler Actionfilme der Post-«Bourne»-Ära verzichten und eher an den zwar schnellen, aber dennoch überschaubaren Schnittduktus solcher 90er-Filme wie «Der Staatsfeind Nummer Eins» erinnern. Die Kameraführung und Bildkomposition von Robert Elswit («Magnolia», «There Will Be Blood») ist zahlreichen Genrekollegen überlegen und trägt durch ihren zeitgemäßen, aber nicht zu modernen Stil vieles zur Wirkung dieses Thrillers bei. Ebenso wichtig ist der Beitrag von James Newton Howard. Der Komponist von «The Dark Knight», «I Am Legend» und «Peter Pan» aus dem Jahr 2003 feuert mit seinem rasanten und dramatisch-dynamischen Score die Spannung des Films ordentlich an, obwohl dies dank des straffen Erzähltempos nicht nötig ist.

Inhaltlich ist «Salt» dagegen eher durchwachsen. Einige Szenen sind vollkommen nutzlos, so könnte man August Diehl komplett aus dem Film streichen ohne dass es irgendeinen Einfluss auf das Gesamtwerk hätte, andere Szenen wiederum sind sehr impressiv geschrieben. Lobenswert ist, dass die Autoren Kurt Wimmer («Equilibrium») und Brian Helgeland («Mann unter Feuer») den Schritt wagten, und die Motive der Protagonistin für das Publikum lange im Dunkeln lassen. Auch die hier stattfindende Rückkehr der Kalter-Krieg-Thematik in der heutigen Zeit hat durchaus ihren Reiz. Allerdings wird das Konzept nicht ganz so eifrig verfolgt, wie es sich das Publikum vielleicht wünscht. Dass die physikalischen Gesetze in «Salt» nur Richtlinien sind und Superagentin Salt ihre Arbeit mit fast übermenschlicher Zielsicherheit ausübt, ist dagegen mehr als nur verzeihlich und zwischen den zahlreichen pseudo-realistischen Actionfilmen wie jene rund um Jason Bourne einerseits und den absolut übertriebenen, hyperaktiven Actionern wie «Crank» andererseits sogar fast schon erfrischend. Jedoch ist Angelina Jolie als Salt fast schon zu perfekt, was der Spannung des Films Zügel ansetzt. Außerdem sind die zahlreichen Twists des Films zwar innerhalb der Logik von «Salt» durchaus plausibel, aber dennoch erklärungsbedürftig, weshalb man nach dem Abspann nicht zu viel nachdenken sollte.

Trotzdem ist «Salt» dank der handwerklichen Perfektion und einer gut besetzten Angelina Jolie ein Sehtipp für alle Freunde von Actionthrillern. Denn die mangelnde Innovation und die schwankende Qualität des Drehbuchs sind schnell verziehen.

«Salt» ist seit dem 19. August in einigen deutschen Kinos zu sehen.

Kurz-URL: qmde.de/44018
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