Die Kritiker

«Tatort - Bausünden»

von

Prominenter Komponist, sexy Einstieg, und sonst viele Verhöre für Nichts: Lahmer Krimi aus Köln voraus!

Cast und Crew

  • Regie: Kaspar Heidelbach
  • Darsteller: Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär, Patrick Abozen, Hanno Koffler, Jana Pallaske, Julian Weigend, Joe Bausch, Max Hopp, Anke Retzlaff, Moritz Heidelbach, Moritz Vierboom
  • Drehbuch: Uwe Erichsen, Wolfgang Wysocki
  • Kamera: Daniel Koppelkamm
  • Schnitt: Dagmar Lichius
  • Musik: Klaus Doldinger
  • Redaktion: Götz Bolten
  • Produktionsfirma: Bavaria Fiction
Hoher Besuch auf dem Komponistenplatz beim Kölner «Tatort»: Die Instrumentalmusik zum «Bausünden» betitelten Fall stammt von Klaus Doldinger, dem Mann, der auch die berühmte «Tatort»-Titelmusik verfasst hat. Den jüngsten Einsatz von Ballauf und Schenk eröffnet Doldinger mit einem sexy Fusionjazz-Stück. Währenddessen geht es in einer Hoteldusche heiß her. Was Regisseur Kaspar Heidelbach da zeigt (eng verschlungene Silhouetten, ekstatische Gesichtsausdrücke, Dampf, Wasser, gespreizte Beine), ist zwar nicht expliziter als Duschsexszenen aus diversen 80er-Actionern und -Horrorfilmen, ist für Sonntagabend, 20.15 Uhr im Ersten, als direktes Anschlussprogramm an die Hauptnachrichten aber durchaus sinnlich-forsch geraten.

Ein Lederhalsband gerät in den Fokus, bald darauf fließt knallrotes Blut den Abguss hinunter. Die grobe Marschrichtung dieses «Tatort»-Falls ist also klar, nun stellt sich nur die Frage, wie souverän sich die alteingesessenen, bequemlichen Kölner Kommissare Ballauf und Schenk durch das Labyrinth aus Verhöraussagen, Andeutungen und verhuschten Fetischfremdbeichten manövrieren.

Der talentierte Komponist Doldinger zumindest hat offenbar einen spannenderen oder zumindest effekthascherischen Krimi gesehen als er dem TV-Publikum präsentiert wird, denn seine jazzige, elektronisch unterstützte Instrumentalmusik bleibt nach dem auffälligen Intro in einer ähnlich vorwärtsgetriebenen Haltung. Das Gezeigte kann mit Doldingers Score nicht mithalten, was zu einigen amüsanten Bild-Klang-Scheren führt.

Denn nach dem Auftakt plätschert sich «Bausünden» auf unterem Köln-«Tatort»-Niveau ein: Die Ermittlungsarbeit besteht aus geradlinigen Fragen, die wage Antworten erzeugen. Gut, wird die nächste Person befragt, die ähnlich unhilfreich ist. Na dann, nächster Bekannter des Opfers. Oh, ein Halbsatz klang verdächtig, fragen wir doch noch einmal jemanden, den wir bereits befragt haben. Mit der heißen Nadel wird die WM-Vergabe nach Katar halbseidig als beinahe-tagesaktueller Aufhänger in diesen Krimistoff genäht, dessen Auflösung paradoxerweise ebenso vorhersehbar ist (da das Publikum viele Hinweise vor den Ermittlern erhält) und dennoch hanebüchen (da sich Zusammenhänge zwischen Personen und Motiven sehr bequem fügen).

Und selbst der Abgang des jahrelangen Reihen-Nebendarstellers Patrick Abozen wird nicht näher thematisiert, obwohl dieser sein Material angestrengt auf die normierte Laufzeit dehnende «Tatort» von solch einem Nebenplot sicher profitiert hätte. Wie es auch gehen könnte, zeigt aktuell «Kommissarin Heller». Bei dieser Vorlage und der, nach dem Intro, solide-routinierten, aber höhepunktarmen Inszenierung bietet sich dem bewährten Schauspielduo Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär kaum Möglichkeiten, darstellerisch zu glänzen. Positiv fällt allein aus, wie sehr Behrendt & Bär, respektive ihre Figuren, die nonverbale Kommunikation untereinander ausgefeilt haben – Blicke genügen, um auszudrücken, wer was anzweifelt oder näher verfolgen will.

«Tatort - Bausünden» ist am Sonntag, den 21. Januar 2018, ab 20.15 Uhr im Ersten zu sehen.

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