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Interview

„Der Handball erfährt mehr Relevanz und Präsenz“

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Für Das Erste berichtet Alexander Bommes von der Handball-EM in Kroatien. Die Entwicklung des Sports und der HBL lobt der Sportmoderator, auch wenn er das Aus eines Handball-Talks bei Sky bedauert. Ein Gespräch über jüngste Handball-Schlagzeilen, Experte Dominik Klein und die langsam in den Startlöchern stehende neue «Gefragt – gejagt»-Staffel.

Zur Person: Alexander Bommes

1976 in Kiel geboren, erreichte Bommes zunächst als Handball Profi Berühmtheit. Für Dormagen und Gummersbach lief er in der ersten Bundesliga auf. Nach seiner Profi-Karriere wechselte er zum NDR, wo er ab 2008 über Wahlen berichtete und das «Hamburg Journal» präsentierte. Es folgte der Sprung in die Moderatoren-Riege der «Sportschau» (u.a. Boxen und Fußball). Während er seit 2012 «Gefragt - Gejagt» moderiert, gab er die «NDR Quizshow» an Jörg Pilawa ab. Dafür macht er nun den NDR-Talk «Tietjen & Bommes» und ist seit 2013 Gastgeber des «Sportschau Clubs».
Neues Jahr, neue Aufgaben: Herr Bommes, die Handball-EM ist im Gange. Sie moderieren für Das Erste. Bin ich zu böse, wenn ich sage, dass Deutschland jetzt mal wieder zwei Wochen lang Interesse an Handball hat?
Ich gehe stark davon aus, dass Deutschland Interesse hat. Wenn wir uns die vergangenen Turniere, die ARD und ZDF gezeigt haben, anschauen, dann sind wir mit zwei oder drei Millionen Zuschauern bei den Gruppenspielen gestartet und bei bis zu 15 Millionen bei Halbfinals oder Finals geendet. Ich weiß, dass Handball nach wie vor ein spezielles Interessensgebiet ist, aber wenn die Spieler mit dem Adler auf der Brust auflaufen, dann ist der Sport schon sehr populär.

Es gibt ja seit Sommer den neuen Vertrag zwischen ARD und Sky zur Übertragung der Handball-Bundesliga. Ich erlebe die ARD hier bis dato aber schon noch ein bisschen zurückhaltend. Und dass das absolute Topspiel zwischen Kiel und den RN Löwen an einem Samstag um 18.15 Uhr dann nicht mal zwei Millionen Zuschauer hatte, dürfte dem Ganzen nicht geholfen haben…
Ich glaube, wir sollten da erst einmal nicht auf Quoten schauen. Wir wollen Handball in guter Qualität abbilden. Der Vertrag der Liga mit Sky und mit der ARD ist gut. Mit Sicherheit fand nicht jeder Klub die Spielzeiten am Sonntagmittag toll, aber der Handball hat begriffen, dass es nichts bringt, in der Rolle hinter dem Fußball zu schmollen oder populistisch über eine angebliche Grundversorgungspflicht zu schimpfen. Er hat innovativ und selbstbestimmt gehandelt und erfährt jetzt mehr Relevanz und Präsenz. Das ist der Weg. Dass es die Sportart auf einem gelernten Fußballslot aber schwer hat, ist ja klar. Das braucht erst mal Zeit. Denken Sie an den ARD-Vorabend, da sind «Wer weiß denn sowas?» oder «Gefragt – gejagt» auch nicht gleich mit 3 oder 4 Millionen Zuschauern gestartet, sondern mit deutlich weniger.

Die Liga ist zur Zeit spannender denn je…
Die Liga ist super. Wir erleben die spannendste Saison seit 20 Jahren. Ich verfolge die Sky-Übertragungen sehr intensiv. Wenn es die Zeit zulässt, dann schaue ich donnerstags und sonntags regelmäßig. Ich habe mir neulich im Hotel samstags um 20.30 Uhr ein Spiel der Hüttenberger angeschaut, die hat man sonst nie gesehen. Das war klasse. Ein komplettes journalistische Paket - bis zur Einstellung des Talks mit Stefan Kretzschmar. Ohne Hintergründe zu kennen, finde ich es als reiner Zuschauer ein bedauerliches Zeichen, da das Who-is-Who des Handballs zu Gast war, dem Stefan genau die richtigen Fragen gestellt hat.

Vor der Handball-EM gab es ein paar Schlagzeilen, weil der Bundestrainer einige wichtige Spieler nicht nominiert hat. Mal so gefragt: Tun diese Schlagzeilen dem Sport gut, weil damit auch Interesse geweckt wird?
Ich möchte dem Bundestrainer nicht unterstellen, dass er seine Nominierung so entschieden hat, weil er Schlagzeilen wollte. Er hat sein Fähnchen nicht in den Wind gehalten, und ich persönlich finde seine Entscheidungen aus taktischer Sicht sehr nachvollziehbar. Aber Sie haben vollkommen Recht: Ich habe zuletzt täglich mit Bekannten und Freunden telefoniert und mir quasi wirklich aus jeder Ecke Meinungen über diese Entscheidung angehört.

Mit Dominik Klein hat Das Erste einen jungen Experten verpflichtet. Er soll frischen Wind bringen?
Dominik ist Weltmeister und hat auf Vereinsebene alles gewonnen, was man gewinnen kann. Er fiebert mit und hat alle Einblicke und Zugänge. Und ich versuche, um in der Handball-Sprache zu bleiben, ihm die richtigen Tempo-Gegenstoß-Pässe zu geben. Wichtig ist in meinen Augen: Ein Experte soll neben der Analyse der Taktik und der Gedanken des Bundestrainers auch sagen, wie er das findet. Da wird Dominik eine klare Haltung haben.

Was den FC Bayern angeht, haben wir ja mittlerweile spanische Verhältnisse. Da geht es wirklich um Zirkus. Schießt Lewandowski heute zwei oder drei Tore? Benimmt sich Ribery ? Wie schnell läuft Coman?
Alexander Bommes
Die Bundesliga ist auch aus der Winterpause zurück. Einerseits hört man immer mal, die Liga sei langweilig geworden, Vereine austauschbar und der FC Bayern wird sowieso Meister. Auf der anderen Seite laufen die Sky-Übertragungen so stark wie nie, der «Doppelpass» hat auch zugelegt und die «Sportschau» kommt immer noch auf fünf Millionen Zuschauer. Wo liegt hier die Wahrheit?
Was den FC Bayern angeht, haben wir ja mittlerweile spanische Verhältnisse. Da geht es wirklich um Zirkus. Schießt Lewandowski heute zwei oder drei Tore? Benimmt sich Ribery? Wie schnell läuft Coman? Alles dahinter aber empfinde ich seit Jahren schon als so interessant wie selten. Wir sehen das auch in der «Sportschau»: Auch wenn die Bayern bei uns nicht spielen, dann ist das Interesse mindestens genauso hoch. Dass die zahlreichen Talks hohe Zuschauerzahlen holen, kann ich verstehen. Sie ersetzen für viele den Boxsack oder das Fitness-Studio, denn wie in der politischen oder gesellschaftlichen Debatte kann man sich hier über das „Abgehängt-werden“, über „die da oben“ oder ähnliches aufregen. Ich hatte zwischenzeitlich schon den Verdacht, dass der Videobeweis auf Druck der Verantwortlichen der jeweiligen Sender eingeführt worden ist…..

Die nächste «Gefragt-gejagt»-Staffel wird im Frühjahr kommen – dann aber ohne Holger Waldenberger. Er hat sich nach Staffel sechs verabschiedet. Das ist ein schwieriges Thema, weil er mitunter durch Kommentare auffällt, die in eine Richtung gehen, die zumindest mal nicht meine ist.
Ich kann bestätigen, dass Holger Waldenberger nicht mehr im Team der Jäger dabei ist. Ich habe immer sehr gerne mit und gegen ihn gespielt und wünsche ihm alles Gute.

Man hört, es kommen zwei neue Jäger hinzu. Müssen Sie in diesem Punkt noch schweigen?
Ich beantworte Ihnen gerne alles. Und kann guten Gewissens sagen, dass Klaus Otto Nagorsnik, Sebastian Jacoby und Sebastian Klussmann wieder dabei sind.

Danke für das Gespräch.

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