Wochenquotencheck

«Wilsberg», Helene Fischer, «Honig im Kopf»: Was waren die größten Weihnachts-Hits?

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Mit zahlreichen neuen wie altbekannten Inhalten versuchten die Sender in der vergangene Woche, ihr Publikum in weihnachtliche Stimmung zu versetzen. Wir fassen das Quoten-Geschehen zusammen.

Lohnt es sich überhaupt, über die Weihnachtstage den Fernseher einzuschalten? Hinsichtlich dieser Frage sind sich viele Zuschauer uneins, was nicht zuletzt damit zusammenhängt, dass die Ausstrahlungsstrategie hier ein Stück weit von der Regel abweicht: Statt des gewohnten Routine-Programms hat sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte eine gewisse "Weihnachts-Routine" eingeschlichen, die in erster Linie aus bekannten Klassikern besteht, die von einem Teil der Deutschen allzu gerne geschaut werden, während Andere von diesen vermeintlich ollen Kamellen eher gelangweilt sind. Die wirklich großen Hits der Weihnachtstage waren allerdings in diesem Jahr fast ausschließlich Erstausstrahlungen, wie unser kleiner Rückblick zeigen soll. Zur Hauptsache fokussiert sich dieser auf die Tage vom Samstag bis zum Zweiten Weihnachtstag - also jenen vier Tagen, die für den Großteil der deutschen Bevölkerung tatsächlich frei waren.


Beim Gesamtpublikum: «Wilsberg» hält «Tatort» und Fischer auf Distanz


Überraschend unangefochten führt die Hitliste bei allen Fernsehenden ab drei Jahren die weihnachtliche Ausgabe von «Wilsberg» an, die am Samstag auf spektakuläre, ja wahrhaftig in der 22-jährigen Geschichte der Krimireihe noch nie da gewesene 7,76 Millionen Zuschauer gelangte und dem ZDF am Samstagabend entsprechend tolle 23,2 Prozent bescherte. Da staunen auch das Team des Weimarer «Tatorts», Helene Fischer und «Das Traumschiff» nicht schlecht, die mit 5,92, 5,90 und 5,44 Millionen zwar allesamt ebenfalls sehr respektable Reichweiten verzeichneten, aber eben auch meilenweit hinter Leonard Lansink über die Ziellinie kamen.

Besonders saftig fiel allerdings die Konkurrenzsituation am Zweiten Weihnachtstag aus, wo nicht nur «Tatort» und «Traumschiff» mit neuem Stoff aufwarteten, sondern überdies auch noch «Honig im Kopf» in Sat.1 eine mit 4,98 Millionen Zuschauern mehr als respektable Free-TV-Premiere feierte. Es war die einzige Ausstrahlung auf einem Privatsender, die mit den großen öffentlich-rechtlichen Erfolgen aufzuwarten wusste, doch Sat.1 hatte mit «Kevin - Allein zu Haus» auch noch die zweithöchste Privatsender-Reichweite vorzuweisen. RTL wiederum erzielte seine höchste Feiertags-Zuschauerzahl nicht zur besten Sendezeit, sondern am Vorabend, wo ein «Bauer sucht Frau»-Special auf 3,40 Millionen gelangte.

Ein wahres Unikat war übrigens die Heiligabend-Präsentation von «Drei Haselnüsse für Aschenbrödel», die um 12:05 Uhr im Ersten vonstatten ging - und mit 3,13 Millionen sensationell den Tagessieg einfuhr. Dass nicht am Vorabend oder Abend, sondern im Mittagsprogramm die höchste Zuschauerzahl eines Tages zu Buche steht, kommt im Normalfall so gut wie nie vor, ist aber zumindest ein Stück weit auch dem Umstand geschuldet, dass den Deutschen der Abend des 24. Dezembers traditionell wahrlich heilig ist und kaum ferngesehen wird. Dennoch: Auch der Marktanteil von «Aschenbrödel» fiel mit 21,0 Prozent fantastisch aus.


In der Zielgruppe: Schweiger siegt, «Minions» und «Eiskönigin» blühen auf


Bei den 14- bis 49-Jährigen stach ohne jedes Wenn und Aber die Free-TV-Premiere von «Honig im Kopf» heraus, die mit 2,50 Millionen und 23,2 Prozent vor «Kevin» über die Ziellinie kam, der mit 2,05 Millionen und 18,8 Prozent aber ein eindrucksvolles Bewerbungsschreiben um weitere Primetime-Einsätze verfasste. Eine klare Domäne für das jüngere Publikum waren allerdings die Animationsabende ab 23. und 25. Dezember, die RTL mit den «Minions» und der «Eiskönigin» bestritt. Die umfassenden Rundum-Sorglos-Pakete mit Film sowie einigen Kurzfilmen erreichten durchweg starke 15,0 bis 18,3 Prozent bei bis zu 1,98 Millionen, kamen beim Gesamtpublikum aber mit in der Regel rund drei Millionen Fernsehenden und gut neun Prozent nur mäßig weg.

Über einen neuen Allzeit-Rekord durfte sich indes die seit 2011 jährilich am Ersten Weihnachtstag ausgestrahlte «Helene Fischer-Show» freuen, die mit 15,8 Prozent den höchsten Marktanteil ihrer Geschichte einfuhr und mit 1,64 Millionen jungen Interessenten nur knapp am 2014 aufgestellten Bestwert (1,69 Millionen) scheiterte. Vergleichsweise weit hinten landete übrigens die insgesamt ja so dominante «Wilsberg»-Premiere, wenngleich sie mit 1,42 Millionen und 13,0 Prozent natürlich trotzdem für ZDF-Verhältnisse überragende Werte einfuhr.

Bei Gesamtpublikum wie Zielgruppe weitgehend unspektakulär performten derweil die drei kleineren Sender, wobei sich insbesondere VOX schwer tat, an seine Normalform fernab der Feiertage heranzukommen. Traditionell deutlich besser als sonst lief es dagegen für kabel eins, das wieder einmal Klassiker an Klassiker reihte und vor allem mit «Miss Marple» zu punkten wusste: In der Spitze sahen bis zu 1,82 Millionen zu, was tollen 7,1 Prozent aller und ebenfalls mehr als respektablen 8,7 Prozent der werberelevanten Konsumenten entsprach. Den höchsten Zielgruppen-Marktanteil erzielte allerdings «Der Prinz aus Zamunda» am späten Abend des Zweiten Weihnachtstags mit 9,1 Prozent. Und ProSieben? Das enttäuschte mit der Premiere von «Mad Max: Fury Road», die nicht über 8,8 Prozent der 14- bis 49-Jährigen hinaus kam und holte letztlich mit dem dritten «Herr der Ringe»-Streifen die Kohlen aus dem Feuer, denn er war mit 11,2 Prozent die einzige Primetime-Ausstrahlung, die überhaupt die Zweistelligkeit zu entern wusste.


Die Enttäuschungen: «Big Pictures», Carmen Nebel, VOX und RTL II


Natürlich lief aber auch an den Weihnachtstagen beileibe nicht alles nach Plan, für VOX und RTL II lief zumindest am Abend sogar so gut wie gar nichts nach Plan. Ersterer Sender konnte sich immerhin noch am Tag vor Heiligabend über schöne Werte für «Die Reise zur geheimnisvollen Insel» freuen, die über zwei Millionen Menschen erreichte, doch ansonsten blieb man weit hinter den eigenen Erwartungen zurück. Ähnlich erging es RTL II, das einzig mit «Das letzte Einhorn» noch einen kleinen Achtungserfolg in Höhe von 5,4 Prozent in der Zielgruppe feierte, dafür aber sonst trotz großer Primetime-Namen («Der Grinch», «E.T.» und «Tatsächlich... Liebe») mit ganz miesen 3,0 bis 4,2 Prozent abgespeist wurde und auch zu späterer Stunde nicht mehr auf die Beine kam.

Kein wirklich eindrucksvolles Bewerbungsschreiben um weitere Einsätze gab auch «Heiligabend bei Carmen Nebel» ab, das sich beim Gesamtpublikum zwar minimal auf 2,67 Millionen und 12,8 Prozent verbesserte, dafür aber bei den Jüngeren mit nur noch 0,29 Millionen und 4,1 Prozent schlecht wie nie performte und gegenüber den großen Primetime-Feten von Helene Fischer oder Florian Silbereisen inzwischen doch reichlich angestaubt daherkommt. Eine unerwartete Enttäuschung musste auch ProSieben mit seiner neuesten Folge von «Galileo Big Pictures» hinnehmen, das mit den "Bildern des Jahres" eigentlich ein Thema vorzuweisen hatte, das in den Vorjahren für große Erfolge garantierte - diesmal allerdings mit nur noch 4,5 Prozent Gesamt- bzw. 8,5 Prozent Zielgruppen-Marktanteil bei 1,32 Millionen die schlechtesten Werte aller Jahresrückblicke einfuhr.

Der größte Rohrkrepierer ging allerdings an das ZDF, das an Heiligabend mit der Erstausstrahlung der Tragikomödie «Bach in Brazil» komplett an den Bedürfnissen der Masse vorbeisendete und tragisch schlechte 0,43 Millionen Zuschauer einfuhr. Die Folge waren selbst um 23:20 Uhr desolate 2,8 Prozent aller und 1,3 Prozent der jungen Konsumenten. Zur Ehrenrettung der deutsch-brasilianischen Co-Produktion sei allerdings erwähnt, dass schon die «Evangelische Christvesper» im Vorfeld mit 6,1 und 1,7 Prozent bei 1,28 Millionen die Zuschauer massiv verschreckte. Übrigens: Das katholische Pendant dazu zeigte Das Erste am Heiligabend dann um 23:20 Uhr - wollte aber auch so gut wie niemand sehen: Desolate 4,2 und 2,5 Prozent bei 0,68 Millionen lassen erhebliche Zweifel am Bedarf derartiger Kirchen-Rituale im deutschen Fernsehen aufkommen.


Die Hits nach dem Fest: Plasberg-Quiz überragt, Private kommen nicht vom Fleck


Unmittelbar nach den Weihnachtsfeiertagen dominierte dann Das Erste das Geschehen am Abend ganz klar: Schon «Die Puppenspieler» begeisterte am Mittwoch mit respektablen 5,33 Millionen Zuschauer und 16,9 Prozent Marktanteil, am Donnerstag aber lief es mit der fast dreieinhalbstündigen Ausstrahlung von «2017 - Das Quiz» angesichts von 5,46 Millionen und 19,3 Prozent noch etwas besser. Und damit nicht genug: Bei den 14- bis 49-Jährigen lief es mit 16,4 Prozent bei 1,48 Millionen sogar gut wie nie zuvor in der immerhin schon zehnjährigen Geschichte des Formats, in den Vorjahren wurden stets etwa zwölf Prozent generiert. Ganz ordentlich lief es derweil für das ZDF, das allerdings mit «Das Spiel beginnt!» und «Die Bergretter» an beiden Abenden das Nachsehen im Vergleich mit dem direkten Konkurrenten hatten.

Überhaupt keine gute Figur machten am Mittwoch und Donnerstag dagegen die Privaten, die fast durchweg im roten Bereich landeten - einzig «Der Hobbit» begeisterte bei RTL II mit 1,54 Millionen Zuschauern und großartigen 10,8 Prozent Zielgruppen-Marktanteil am Mittwoch. Beim großen Schwestersender regierte im Zuge einer weiteren «Die 25»-Austrahlung einmal mehr das Mittelmaß (12,7 Prozent der 14- bis 49-Jährigen), bevor es dann am Donnerstag mit nur noch 10,1 und 10,6 Prozent für «Alerm für Cobra 11» böse wurde. ProSieben sah an beiden Abenden überhaupt kein Land, für Sat.1 und VOX lief es kaum besser und kabel eins floppte mit zwei alten «Mad Max»-Streifen (2,6 und 2,3 Prozent der Zielgruppe) noch übler, als es zuvor ProSieben mit der Free-TV-Premiere des neuesten Films widerfahren war.

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