Hingeschaut

«6 Mütter»: Might be different now, but you feel it still

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Nach der durchwachsenen ersten Staffel hat VOX ein wenig am Ablauf der Personality-Doku geschraubt, um nicht erneut viele Zuschauer rasch zu verlieren. Der Markenkern bleibt aber erhalten - und der lautet: Gefühl, Authentizität und Empathie. In Folge eins geht dieses Rezept durchaus wieder auf.

Nicht jeder prächtige Schwan entfaltet seine ganze Schönheit bereits als Küken und manch einer bedarf einer intensiven Pflege, bevor er wirklich überlebensfähig ist. Dieses kleine Gleichnis lässt sich auch auf diverse Formate von VOX übertragen, das zwar in den vergangenenen Jahren emsig wie kaum ein anderer Privatsender in der Entwicklung potenzieller neuer Superhits war, aber naturgemäß längst nicht überall gleich voll ins Schwarze traf. So etwa auch beim 2016 bereits angelaufenen «6 Mütter», dem bereits in der ersten Staffel ein gewisses Potenzial insbesondere auf der emotionalen Ebene zuzusprechen war, das allerdings sichtbar noch nicht völlig ausgereift daherkam und geradezu nach einem weiteren Feinschliff schrie. Daran versuchten sich nun der Privatsender und das für die Produktion verantwortlich zeichnende Endemol Shine Germany - und zumindest marktstrategisch wirken die Änderungen durchaus clever. Aber auch inhaltlich?

An der Grundprämisse der Sendung hat man überhaupt nicht gewerkelt, wie schon im ersten Versuch treffen sich auch diesmal wieder sechs bekannte Mütter: Die mit 50 Jahren sehr spät noch einmal Mutter gewordene Caroline Beil, Verona Pooth, die inzwischen von Sky getrennte Mirja du Mont sowie Anne-Sophie Briest und Patricia Kelly, deren Nachwuchs bereits konkrete eigene Karrierepläne ins Auge gefasst hat - Ute Lemper, bereits Bestandteil des Vorjahres-Casts, fungiert diesmal als Gastgeberin. In längeren, selbst kommentierten Clips geben sie Einblicke in ihr Leben zwischen Karriere und Familie und besprechen ihre Erfahrungen und Empfindungen im gemeinsamen Kreis.


Alle Blicke richten sich auf Verona


Die deutlichste Veränderung des zweiten Durchgangs bezieht sich auf die Darstellungsform der einzelnen Folgen: Hatte man zunächst noch versucht, alle Promi-Mütter und deren erste private Einblicke bereits in der ersten Folge zu zeigen, erfolgt diesmal von Beginn an eine Fokussierung auf jeweils eine Person, die dann für einen längeren Zeitraum im Mittelpunkt des Interesses steht. Warum man den narrativen Schwerpunkt nun anders setzt, hat Endemol-Showchef Fabian Tobias bereits im September im Quotenmeter.de-Interview erklärt: Man hatte sehr viel bereits sehr früh gezeigt und damit gewissermaßen sein Pulver bereits nach der ersten Folge verschossen gehabt - worin ein Grund für die deutlichen Verluste nach einem echten Topstart gesehen wird.

Mit Verona Pooth hat man sich für den Anfang nun der wohl prominentesten Person des sich gleichwohl insgesamt sehr respektabel lesenden Casts gewidmet, die über weite Strecken nett und unterhaltsam über ihren Alltag mit Franjo und ihren zwei Söhnen spricht. Das ist hübsch, macht Spaß, ermöglicht aber zumeist keine allzu überraschenden Erkenntnisse mehr über die Frau, die mit ihrem Privatleben schon immer sehr offenherzig umgegangen ist und gewiss nicht erstmals ein Kamera-Team in ihre Bude lässt. Zudem ist Pooth längst TV-erfahren genug, dass sie weiß, wie sie ihre Geschichte zu erzählen und ihre Familie darzustellen hat, um auch aus dieser Sendung gut rauszukommen.


Von Pooth zu Kelly: Kein ganz leichter Schritt


Das soll nicht heißen, dass ihre Privatbilder allzu geschönt oder affektiert wirken, es fehlt lediglich das ganz große "ach, das hätte ich bei ihr jetzt aber nicht gedacht"-Moment. Eine kurze Episode der überraschenden Tiefe erfährt ihre Geschichte aber dort, wo sie über ihre erst vor zwei Jahren nach langer Demenz-Erkrankung verstorbene Mutter spricht und temporär die Fassung zu verlieren droht - bevor sie dann aber doch relativ schnell wieder den Schalter zur altbekannten Quasselstrippe umlegen kann. Schade eigentlich, aber gut möglich, dass man hier ihrem wahren Wesen sogar sehr nahe kommt.

Ein Stück weit Opfer einer weiteren großen Änderung wird anschließend Patricia Kelly, zu deren Leben und Wirken nach gut zwei Dritteln der ersten Folge übergeleitet wird - ein etwas harter Bruch, auf den sich der Rezipient erst einmal einlassen muss, nachdem er zuvor doch anderthalb Stunden lang sein Hauptaugenmerk auf Verona lenkte. Härter noch als der Bruch innerhalb der Folge ist aber jener, sich am Ende noch bis zur nächsten Woche gedulden zu müssen, um den Rest ihrer Geschichte zu erfahren. Was damit bezweckt wird? Nun, zum Einen sicherlich eine Art Cliffhanger-Situation, mit deren Hilfe die (nicht zu unterschätzende Zahl der) Kelly-Family-Anhänger zum abermaligen Einschalten motiviert werden sollen, ferner aber auch schlichtweg das Konzept der Verdichtung auf wenige Abende, um nach der Staffelpremiere das Interesse nicht mehr über allzu viele weitere Wochen hinweg aufrecht erhalten zu müssen.


Das Herzstück der Sendung: Die Couch


An Letzterem haperte es nämlich 2016 noch sehr und im Zuge der Beförderung auf den Primetime-Slot (statt 21:45 Uhr) möchten die Programmverantwortlichen sicherlich nach Möglichkeit auf Enttäuschungen verzichten. Allzu schwer fällt es allerdings nach kurzer Umgewöhnungszeit dann nicht, sich auf Kelly statt Pooth einzulassen - auch weil sich die Familiensituation der beiden Damen durchaus in einigen Punkten ähnelt, mit einem großen Unterschied: Patricia Kelly lässt sich erstmals darauf ein, einem Kamerateam Zutritt in die eigenen vier Wände zu gewähren. Das macht ihre Geschichte in gewisser Hinsicht exklusiver und vor allem spannender in einem Jahr, wo ihre Familien-Band nach langer Zeit ein spektakuläres Comeback zu feiern wusste.

Sehr angenehm ist und bleiben die Momente auf der Couch, wo die Protagonistinnen sehr ungezwungen und ehrlich das Gesehene reflektieren und mit ihrer eigenen Lebenswelt abgleichen - was sowohl einige Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede im Denken und Handeln der Damen zum Vorschein bringt. Auch birgt dieses Setting den großen Vorteil einer Umgebung, in dem die Frauen für eine Fernsehsituation vergleichsweise natürlich, ja fast ein Stück weit wie beim Mädelsabend unter Freundinnen sprechen können, statt sich in einer Art Verhör und/oder auf dem Präsentierteller von Journalisten zu wähnen. Wenn diese Sendung einen großen USP hat - und daran mangelt es der sehr schönen, wohligen Grundatmosphäre zum Trotz leider auch in diesem Jahr noch immer -, dann ist dieser hier zu finden.

Auf welche neue Mutter freut ihr euch am meisten?
Caroline Beil
12,0%
Verona Pooth
33,3%
Anne-Sophie Briest
8,0%
Mirja du Mont
12,0%
Patricia Kelly
34,7%


Fazit: Hate it or love it bei besserem Audience-Flow


Alles in allem dürfen diejenigen Zuschauer, die bereits im Vorjahr ihre Freude an «6 Mütter» gehabt hatten, auch diesmal wieder guten Gewissens einschalten und sich entführen lassen in die besondere und irgendwie doch erfreulich "normale" Lebenswelt bekannter Frauen irgendwo zwischen Kind und Karriere, Öffentlichkeit und Privatheit, Oberflächlichkeit und Deepness - wer dagegen gar nichts damit anfangen konnte (und ja, auch dahingehend lässt sich der üppige Quotensturz nach Folge eins durchaus interpretieren), der wird aufgrund der Anpassungen kaum zum glühenden Anhänger mutieren. Die Sendung bleibt liebenswert, sympathisch und ein wenig heimelig, aber eben auch fast etwas zu lieb und... ja, egal - insbesondere dann, wenn einem die Beteiligten allesamt egal sein sollten.

Und so fällt es schwer zu glauben, dass die (überwiegend auch eher programmstrategisch ausgerichteten) Anpassungen den ganz großen belebenden Effekt auf die Einschaltquote werden haben können, wie es etwa bei «Ewige Helden» gelungen war. Aber: Mit der brandneuen Erziehungs-Doku «Richtig (v)erzogen», die VOX an den ersten drei Dezember-Dienstagen jeweils um 22:15 Uhr ausstrahlt, wirkt der Show-Abend diesmal runder konzipiert als zuletzt im Schlepptau der Kretschmer-Nähshow «Geschickt eingefädelt». Vielleicht ja auch ein Faktor, um einige Zuschauer von «DHDL» und «Sing meinen Song» erneut zum Sender zu lotsen, schließlich hat sich der Dienstag längst zu einer echten Marke des Senders entwickelt.

Kurz-URL: qmde.de/97547
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