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Interview

Thomas Hermanns: „Wir machen für Sky zwei Sendungen“

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Der «Quatsch Comedy Club» ist zurück im Pay-TV-Fernsehen. Nachdem das Format fast zwei Jahrzehnte bei ProSieben lief, gibt es zwei unterschiedliche Versionen jetzt bei Sky Deutschland.

Sehr geehrter Herr Hermanns: Glückwunsch zum 25. Geburtstag des Quatsch Comedy Clubs und beste Wünsche zu 20 Jahren «Quatsch Comedy Club» im Fernsehen. Wenn Sie auf den Anfang zurück blicken, wie schwer war die Etablierung der Marke?
Ich würde sagen, dass sich die Marke langsam und gemütlich, ganz ohne Hektik, etablieren konnte. Wir waren zunächst eine Live-Veranstaltung in Hamburg, ehe dann das Fernsehen dazu kam. In einer heutigen Zeit fast mit historischer Gemütlichkeit und mit direktem Bezug zum Live-Publikum. Wir konnten üben, wir konnten wachsen – dann kam das Fernsehen dazu. Dadurch, dass Premiere erst einmal nur verschlüsselt war, sendeten wir anfangs vor einem kleineren Publikum. Mit ProSieben konnten wir weiter üben, denn wir liefen erst um 00.30 Uhr. Wir wuchsen für heutige Verhältnisse eigentlich biologisch organisch, so wie man es einer Marke wünschen würde.

Sie haben zahlreichen Komikern eine Bühne gegeben, bevor diese überhaupt richtig groß wurden. Können Sie sich noch an einige besondere Menschen erinnern?
Jetzt ist eigentlich alles auf den Punkt
Thomas Hermanns über die Urnummer
Ich erinnere mich an alle, die groß wurden, und an die, die nicht groß wurden. Es gibt für mich bei jedem Star so eine bestimmte „Urnummer“, bei der man auf der Bühne sehen kann, dass die oder der das Potenzial besitzen, ein Star zu werden. Da kommt so alles zusammen: Der richtige Moment, die richtige Haltung, die richtige Thematik. Gerade an diese Nummern, ob es jetzt Kaya, Cindy, Michael oder die von Johann König war, kann ich mich immer sehr gut erinnern, weil ich da immer in der Kulisse stand und mir dachte „Jetzt ist eigentlich alles auf den Punkt“. Oft bemerken es die Künstler zu diesem Zeitpunkt selbst gar nicht. Aber im Nachhinein, wenn man sich die Nummern noch mal ansieht, dann sind das meist genau diese, die anschließend ein, zwei Jahre absolute Gültigkeit vor dem Publikum hatten.

Ihre Show lief bei Premiere, dann lange Zeit bei ProSieben und jetzt bei Sky 1. Ist der Sender egal, sofern man den Zuschauern eine gewisse Unterhaltung bietet? Oder haben Sie von Sky spezielle Vorgaben bekommen?
Nein, wir haben wirklich von den Sendern, mit denen wir gearbeitet haben, sehr große Freiheiten gehabt. Es gab keine Zensur, keine Vorgaben. Ich glaube, das kommt daher, da wir das Medienprodukt „Quatsch“ live überprüfen konnten beziehungsweise vorher überprüft hatten. Wir haben keine Nummern vor die Kamera gestellt, die nicht vor Livepublikum, also quasi im neutralen Raum, getestet wurde. Dadurch konnten wir den Sendern unsere Expertise immer nachweisen. Durch die Ausschnitte aus den Live-Shows wussten wir, was lustig ist und beim Publikum funktioniert. Und dieser eingebaute Effekt, hat zu dem großen Vertrauen bei den Sendern geführt.

Wie wird der «Quatsch Comedy Club» im Jahr 2017 aussehen? Gibt es wieder feste Rubriken oder stehen die verschiedenen Künstler im Vordergrund?
Wir haben zwei verschiedene Sendungen für Sky produziert: Wir haben die sogenannten Jubiläums-Folgen produziert, in denen ich mit jeweils einem Künstler eine Vorschau beziehungsweise Rückschau mache. Darin blicken wir auch auf die Anfänge, plaudern über unsere gemeinsame Geschichte, wir spielen alberne Spiele, singen alberne Nummern – albern ist bei mir übrigens immer ein positives Wort. Die Zuschauer können sich auf eine Art „Late-Night“-Version freuen, immer mit einem Gast und mir. Davor läuft um 20.15 Uhr die reguläre Stand-Up Folge mit jeweils drei Comedians, die von verschiedenen Gästen moderiert wird. Das heißt, alle von Dieter Nuhr, Atze Schröder, Bülent Ceylan, Ilka Bessin, Mirja Boes bis Michael Mittermeier haben dann eine Gastmoderation zu unserem Jubiläum gemacht. Wir präsentieren darin dann wie immer die besten aktuellen Comedians aus ganz Deutschland. Das wird phantastisch!

Vor rund zehn Jahren musste der «Quatsch Comedy Club» eine große Quotenkrise verkraften. Konnten Sie heraus
Wir waren bei ProSieben 16 Jahre! Deshalb unser stolzer Titel: „Die längst-laufende deutsche Comedy-Sendung“.
arbeiten, woran das lag? Ein Land wird ja nicht schlagartig unlustig?

Puh, da muss ich selbst erst einmal nachdenken. Ich vermute, dass das damals an der Programmierung lag. Wir wurden entweder zu viel oder zu wenig gesendet. Es gab zu viele Wiederholungen, und die Zuschauer wussten zum Teil nicht mehr, ob es sich um eine alte oder neue Folge handelte. Aber insgesamt muss man sagen: Wir waren bei ProSieben 16 Jahre! Deshalb unser stolzer Titel: „Die längst-laufende deutsche Comedy-Sendung“. Wir waren nicht Reloaded, sondern sind immer noch da und das freut mich nach 25 Jahren immer noch besonders.

Sie betreiben insgesamt vier Spielstätten in Deutschland: Berlin, Hamburg, Stuttgart und Düsseldorf. Kommen noch mehr?
Wir machen jetzt ja auch auf TUI-Schiffen Shows und sogar in Hongkong. Und da kommen noch mehr. Ich glaube immer noch, dass jede deutsche Stadt einen Comedy-Club gebrauchen kann und die Grundversorgung noch lange nicht gedeckt ist. Insofern kann es durchaus sein, dass wir in anderen Städten weitere Clubs aufmachen.

Der «Quatsch Comedy Club» ist vielen Menschen aus dem Fernsehen bekannt. Aber was ist der Unterschied zwischen der Show im Fernsehen und dem Bühnenprogramm?
Es gibt viele Leute, die Stand-Up im Fernsehen nicht gerne sehen, weil sie das Gefühl haben, dass sie nicht wirklich dabei sind. Wenn sie bei uns im Publikum sitzen und die Interaktion mit der Bühne und dem Publikum passiert, dreht sich das. Ich glaube, dass man Stand-Up-Comedy erst einmal live gesehen haben sollte, bevor man die Fernsehsendung sieht. Wir bemühen uns ja immer zu zeigen, was in einem solchen Raum passiert. Aber es ist wie ein abgefilmtes Theater, das im Fernsehen anders wirkt. Ein Comedy-Club ist wie ein Jazzclub oder ein Theater. Die Interaktion ist sehr wichtig und die kann man am besten live erleben. Beim Fernsehen versuchen wir dieses Gefühl aber trotzdem zu vermitteln.

Sie haben kein Geheimnis um ihre Homosexualität gemacht. Waren Sie froh, dass die Bundesregierung endlich die Ehe für alle einführte? Haben Sie Ihren Partner schon geheiratet?
Ja, ich freue mich für alle, dass die Ehe für alle da ist. Und ob und wie ich heirate, ist noch geheim!

Welche Projekte betreiben Sie aktuell noch neben dem «Quatsch Comedy Club»? Beispielsweise waren sie Autor für die Dirk Bach-Serie «Lukas» in den 90er Jahren.
Neben dem «Quatsch Comedy Club» mache ich vor allem meine Revue „Boybands Forever“, die gerade in München Premiere feierte und ab Januar auf große Deutschland-Tour geht. Das ist meine Showseite, da tobe ich mich aus mit den größten Hits der 90er Jahre. Das macht riesigen Spaß und macht ab 30. Januar in 29 Städten Halt. Da ist für jeden etwas dabei.

Der «Quatsch Comedy Club» kam nicht immer aus dem Friedrichstadtpalast. Wissen Sie noch, von wo Sie früher gesendet haben?
Das war das „Total“ in Ismaning, im Agrob-Gelände in München. Welche speziellen Anforderungen dies hatte? Das war einfach nur weit bis man wieder in der Stadt war und endlich Alkohol trinken konnte. Das war damals die größte Herausforderung. Die Künstler und das Publikum mussten immer so weit raus fahren, dass den Fahrdiensten schwindlig wurde, wenn sie an die möglichst schnelle Rückreise ins Münchener Zentrum dachten..

Haben Sie noch einmal Lust wieder mit einem eigenen Bühnenprogramm zu touren oder beschränken Sie sich auf Ihre Kurzeinlagen bei Ihren Häusern und der TV-Show?
Als ausgebildeter Moderator, also jemand, der am Anfang und am Schluss kommt, wollte ich nie ein eigenes Programm
Ein eigenes Bühnenprogramm habe ich ja nie gehabt und sehe mich als Host und nicht als Comedian. Ich moderiere jetzt zum dritten Mal den Europäischen Filmpreis und andere Award-Shows. Als ausgebildeter Moderator, also jemand, der am Anfang und am Schluss kommt, wollte ich nie ein eigenes Programm, denn das ist ein ganz eigener Beruf. Da gibt es genug zu tun und gerade auf Englisch – wie jetzt beim Europäischen Filmpreis – macht das fast noch mehr Spaß als auf Deutsch.

Gibt es in der heutigen Medienwelt noch Quotendruck? Sie sind zwar Teil von Sky 1, aber ihre Inhalte kann man beispielsweise auch über den Receiver anschauen. Auch auf YouTube finden sich zahlreiche Clips aus früheren Jahren…
Erfolg wird heute anders gemessen, nämlich digital. Klar gibt es Fernsehquoten, dann gibt es aber auch die Abruf-Quote, dann gibt es Leute, die schauen es sich in der Mediathek an oder bei YouTube oder sonst wo. Erfolg ist heutzutage schwieriger zu messen. Ich finde das aber ganz gut. Die Fernsehquote basierend auf bestimmten Zielgruppen als ultimatives Messinstrument, ist natürlich schon immer Fiktion gewesen. Eine brauchbare Fiktion. Denn darauf konnte man sich einigen, man konnte auch dran und damit arbeiten. Aber aus meiner Sicht ist es mit dem diversifizierten Gefühl realistischer.

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