«Weisheiten»: Unterschichtenfernsehen

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Wenn Harald Schmidt gewusst hätte, dass sich inzwischen sogar eine Studie im Auftrag von ProSiebenSat.1 – Werbevermarkter SevenOne Media mit diesem Thema beschäftigt… So ergab die am Mittwoch veröffentlichte Studie folgendes: „Ob Facharbeiter, Krankenschwester oder Professor - die Programme der deutschen Privatsender werden von allen gesellschaftlichen Schichten und Berufsgruppen gleichermaßen genutzt. Das Bildungsniveau, das Einkommen und die berufliche Stellung der Zuschauer haben keinen Einfluss auf die Entscheidung zwischen Privatsendern auf der einen und ARD/ZDF auf der anderen Seite. Selbst bei Top-Verdienern und Bessergebildeten schneidet das Privat-TV zum Teil besser ab als ARD und ZDF“, heißt es im Pressetext.

Damit aber noch nicht genug. So schlage die inzwischen abgesägte Arzt-Serie «Broti & Pacek» mit 26,7 Prozent Top-Verdienern das ARD-Magazin «Monitor», das nur 26,5 Prozent dieser Zielgruppe erreicht. Diese Liste ließe sich jetzt beliebig fortsetzen. Ein Ergebnis sollte allerdings noch erwähnt werden, weil es erstaunlich ist. Laut Studie kommt der «Tatort» mit 18,3 Prozent nur auf unwesentlich mehr Zuspruch als die ProSieben Trash-Show «Die 100 nervigsten…» (18 %).

Man mag von Studien halten was man will. Nicht umsonst gibt es das Sprichwort: Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast – was nicht heißen sollen, dass SevenOne Media hier falsche Zahlen vorlegt. Zwar ist es richtig, dass die Saban-Gruppe die Vorwürfe des Unterschichtenfernsehens von sich weißt, dennoch gibt es Sender-Intern genügend andere Probleme.

RTL II – als Kern des Unterschichtenfernsehens. «24»? Preisgekrönt – aber auch für die Unterschicht. «Band of Brother» mit mehreren Emmys bedacht, läuft wohl auch auf dem falschen Sender – daher „Unterschichtenfernsehen“. Was ist aber mit Filmen, die als Free-TV-Premiere im Privaten und als Wiederholung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen laufen? Da wird es schwierig. Wahrscheinlich ist dann erst die zweite Ausstrahlung sehenswert.

Was aber ist Unterschichtenfernsehen? Was meint Harald Schmidt und der Rest der Welt mit diesem Ausdruck? Demnach müsste die Mehrzeit der 14-49 Jährigen zur Unterschicht gehören, weil sie sich ihre Informationen aus den RTL-Nachrichten (knapp 20%), Sat.1-Nachrichten (über 12%) und den Sendungen der anderen Privatstationen holt und nicht aus der «Tagesschau». Ist es grundsätzlich unmöglich, dass ein Dr. med. abends mal bei «Big Brother» reinzappt oder sich Ulrich Meyers «Akte» ansieht? Eigentlich nicht. Von daher: Weg mit dem Begriff Unterschichtenfernsehen – allein schon, weil man Menschen nicht prinzipiell in eine bestimmte Schicht stecken kann – und es auch nicht sollte.

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