Serientäter

«South Parks» inhaltlicher Turnaround, oder: Oh mein Gott, sie haben die Serialisierung getötet!

von   |  3 Kommentare

Mit den jüngeren Staffeln übernahm der Kult-Cartoon «South Park» eine horizontale Erzählweise, die das Format inhaltlich aus der Bahn brachte. Schuld waren auch ungeahnte Entwicklungen in der Realität.

Immer wieder generieren «Die Simpsons» im Internet auf skurrile Weise Aufmerksamkeit, wenn Bilder alter Episoden, die scheinbar die Zukunft voraussagten, von findigen Zuschauern herausgekramt werden. Ob fehlerhafte Wahlmaschinen, iPod, Pferdefleisch-Skandal oder sogar Lady Gagas Super Bowl-Performance, immer hieß es: «Die Simpsons» haben es vorausgesagt. Auch ein Präsident Donald Trump kam bereits in der Episode „Bart to the Future“ im Jahr 2000 vor. Das wirft die Frage auf, welche animierte Serie die kühnere Prophezeiung traf: «Die Simpsons», die Trump 16 Jahre vor seiner Machtübernahme ankündigten oder «South Park», dessen gesamte vergangene Staffel sich um eine Trump-Entsprechung drehte, die nach einem hanebüchenen Wahlkampf zum Präsident der Vereinigten Staaten gewählt wird. Tatsächlich muss der Punkt hier an «Die Simpsons» gehen, denn während die Matt Groening-Serie tatsächlich erfolgreich in die Glaskugel schaute, zehrt «South Park» durch einen ungemein kurzen Produktionsprozess von tatsächlichen Entwicklungen in der Realität.

Eine verhängnisvolle Agenda


Das war «South Parks» 20. Staffel

Die 20. Staffel «South Park» lief vom 14. September bis zum 7. Dezember 2016 auf Comedy Central und enthielt zehn Episoden. Inhaltlich verfügten die Ausgaben über eine lineare Kontinuität, sodass sich die gesamte Staffel schwerpunktmäßig einer Storyline verschrieb. Neben wiederkehrenden Themen wie Internettrollen und Nostalgie in der Popkultur konzentrierte sich die Staffel auf den Präsidentschaftswahlkampf in den USA. Dabei entscheidet sich der eigentlich als Grundschullehrer bekannte Mr. Garrison, der innerhalb der Staffel als Pendant für den tatsächlichen Kandidaten Donald Trump fungierte, gegen Hillary Clinton anzutreten, um US-Präsident zu werden.
Der Detailreichtum, den «South Park» in seiner 20. Staffel aufwies und der dem tatsächlichen US-Wahlkampf auf beängstigende Art und Weise ähnelte, versetzte so einige Zuschauer ins Staunen und war den Entwicklungen in der US-Politik dabei zeitweise sogar voraus. Schnell wurde für Beobachter der Staffel klar: Das kongeniale Autoren-Duo Trey Parker und Matt Stone verfolgt eine Agenda und will den Wahnsinn hinter dem US-Politikgeschäft und den Mechanismen der gegenwärtigen Gesellschaft entlarven. «South Park» bewegte sich damit von animierter Sitcom hin zur Satire und mit diesem Genre-Spagat änderte sich der Humor und Ton des Formats deutlich.

Die bedenklichen Entwicklungen in der US-Gesellschaft schienen die Macher mehr als alles andere zu beschäftigen und wohl nie lassen sich die Produkte von Künstlern vom Zeitgeist ihrer Entstehungsperiode lösen. Mit der Entscheidung für noch mehr Gesellschaftskommentar und weniger Humor veränderten Parker und Stone jedoch die DNA ihres Formats, das zuvor bereits ohnehin kulturell und politisch einen ungemein hohen Einfluss entfaltete und seine Zuschauer trotzdem bestens unterhielt.

«South Park» zog mit klugen Beobachtungen und sarkastischen Kommentaren in seiner mittlerweile 20-jährigen Geschichte philosophische, theologische, soziale und politische Analysen in wissenschaftlichen Arbeiten oder Dissertationen nach sich, ohne dabei seinen Unterhaltungsfaktor zu verlieren. Trey Parker und Matt Stone galten als verschrobene, aber unfehlbare Genies hinter der Serie. Mit der vergangenen Staffel verrannten sie sich allerdings erstmals.

In die Horizontale und zurück: «South Parks» erzählerische Experimente


Dabei kennzeichnete Staffel 20 keine komplette inhaltliche Wende, sondern sie markierte auch die Weiterentwicklung neuer erzählerischer Herangehensweisen, mit denen Stone und Parker bereits in Staffel 18 experimentierten. Zuvor verschrieben sich die Autoren in den Episoden ihrer Serie einer klassischen Sitcom-Struktur, an dessen Ende die Auflösung eines der Folge zugrundeliegenden Konflikts stand. In einem Interview mit dem Hollywood Reporter gaben die Showrunner an, dass die stets abgeschlossenen Episoden sie einschränkten, während in der jüngeren Vergangenheit immer mehr Formate vom klassischen Sitcom-Muster abwichen und horizontaler erzählten. Ab Staffel 18 erzählte also auch «South Park» erstmals über mehrere Ausgaben hinweg, ging dabei aber einen Kompromiss ein: Selbst als sich in Staffel 19 erstmals eine gesamte Season einem übergeordneten Thema verschrieb, enthielten die Folgen noch immer kleinere Sub-Plots, die ihrerseits innerhalb der gleichen Ausgabe wieder aufgelöst wurden.

Die Staffeln 18 und 19 markierten also in gewisser Weise ein Übergangsstadium zu Staffel 20, die kleinere Geschichten innerhalb der Staffel noch weiter hinten anstellte und sich fast ausschließlich mit dem Präsidentschaftswahlkampf des Grundschullehrers Mr. Garrison als Trump-Karikatur befasste. Wie Stone und Parker selbst zugeben, stießen sie dabei an ihre Grenzen und waren gefangen im Wahlkampf-Überplot, denn tatsächlich sahen sie die Entwicklungen im US-Wahlkampf nicht bevor: Innerhalb der Staffel sollten sich die Ambitionen Mr. Garrisons durch den vermuteten Wahlsieg Clintons eigentlich selbst auflösen. Doch in der Realität blieb Clintons Triumph aus, Trump gewann. Die Autoren, die die Folgen innerhalb von sechs Tagen vor der Ausstrahlung fertigstellen, um Aktualität zu wahren, waren schließlich gezwungen, den überraschenden Wahlausgang weiter zu behandeln, obwohl die Storyline eigentlich auch für sie als auserzählt galt. Ein bereits vorgeschriebenes Skript wurde daher kurzerhand in den Papierkorb geworfen.

Am Ende stand für die Kreativen die Erkenntnis, dass eine restlose Serialisierung mit dem «South Park», das Fans, Kritiker und die Macher selbst über 20 Jahre kennen und lieben gelernt haben, schlicht nicht möglich ist. Das von Episode-zu-Episode-Denken wirkte für Stone und Parker nun nicht mehr wenig zeitgemäß, sondern wünschenswert anders. Auch dass «South Park» die ikonische Kindergruppe um Cartman zeitweise völlig aus den Augen verlor, bedauern die Showrunner heute.

Deshalb, das kündigten Parker und Stone bereits an, soll die am 13. September startende 21. Staffel von «South Park» wieder an die bewährte Vorgehensweise früherer Staffeln anknüpfen und die Kinder-Clique wieder ins Zentrum rücken. Präsident Garrison können die Autoren dabei zwar nicht ignorieren, dieser soll jedoch allenfalls eine Nebenrolle spielen, um den anderen beliebten Charakteren genügend Raum zu lassen. Auch Trey Parker und Matt Stone sind also nicht unfehlbar. Nun werden Fans zu sehen bekommen, ob sie aus ihrem partiellen Scheitern die richtigen Schlüsse ziehen, die «South Park» wieder beflügeln. Das Finale der 20. Staffel legt dies nahe. Der Episodentitel: "Das Ende der Serialisierung, wie wir sie kennen."

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Quotermain
13.09.2017 22:10 Uhr 1
Meine Frage: Ist Quotenmeter rechts?

Vor einigen Tagen wurden in einem Artikel Kritiker der kommentarlosen Fußballübertragung als "Wutbürger" bezeichnet.

Nun wird die Wahl eines (unsympathischen) aber trotzdem gewählten Präsidenten Trump als : !Machtübernahme! bezeichnet.
Das ist weder ironisch, noch witzig.

Es verwässert mal wieder die Nazis und deren Sympathisanten, daher meine Frage.


Stichwort:
https://de.wikipedia.org/wiki/Machtüber ... ozialisten
Sid
14.09.2017 00:19 Uhr 2
https://img.buzzfeed.com/buzzfeed-static/static/2016-08/2/8/enhanced/buzzfeed-prod-fastlane01/anigif_original-grid-image-23996-1470142228-1.gif
Vittel
17.09.2017 13:31 Uhr 3
Ich habe die erste Folge der neuen Staffel nun gesehen und bin vollkommen zufrieden. Die übergreifenden Folgen der letzen Staffel waren auch nett, aber für den South Park Humor ist es nicht zwangsläufig notwendig, dermaßen zeitnah am Geschehen zu sein.

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