Die Kino-Kritiker

«Killer's Bodyguard»: Eine Actionkomödie mit gespaltener Persönlichkeit

von   |  2 Kommentare

Ryan Reynolds und Samuel L. Jackson zanken sich in einer Actionkomödie, die sich nicht ganz auf eine Gangart einigen kann.

Filmfacts «Killer's Bodyguard»

  • Regie: Patrick Hughes
  • Produktion: David Ellison, Mark Gill, Dana Goldberg, Matthew O'Toole, John Thompson, Les Weldon
  • Drehbuch: Tom O'Connor
  • Darsteller: Ryan Reynolds, Samuel L. Jackson, Gary Oldman, Salma Hayek, Élodie Yung, Joaquim de Almeida, Kirsty Mitchell, Richard E. Grant
  • Musik: Atli Örvarsson
  • Kamera: Jules O'Loughlin
  • Schnitt: Jake Roberts
  • FSK: ab 16 Jahren
Viele Actionfilme setzen auf ein ungleiches Heldenpaar, doch so eines gab es wahrlich noch nicht zu sehen: Auftragskiller Darius Kincaid (Samuel L. Jackson) ist Kronzeuge im Verfahren gegen den früheren weißrussischen Präsidenten Vladislav Dukhovich (Gary Oldman) am Internationalen Gerichtshof. Doch Dukhovichs Männer versuchen mit aller Macht, Kincaids Reise in die Niederlande zu verhindern – sie haben sogar Interpol infiltriert. Nur knapp können Kincaid und die grundehrliche, noch relativ unerfahrene Agentin Amelia Roussel (Élodie Young) einer Attacke entkommen. Mit dem Rücken zur Wand, greift Amelia auf eine Personalie außerhalb Interpols zurück: Sie gibt ihrem Ex-Freund den Auftrag, Kincaid nach Den Haag zu bringen – dem nach einer tödlichen Schlappe in Ungnade gefallenen Bodyguard Michael Bryce (Ryan Reynolds). Bryce und Kincaid sind sich aufgrund früherer Begegnungen nicht gerade grün, doch aufgrund der ernstlichen Lage, reißen sie sich zusammen. Halbwegs. Anmaulen kann man sich ja noch immer …

Das Marketing zu «Killer's Bodyguard» geht weite Wege, um diese 30-Millionen-Dolllar-Produktion als Farce darzustellen, deren Humor sich irgendwo zwischen «Kingsman – The Secret Service» und «Deadpool» bewegt. Ein Plakatmotiv lässt Reynolds und Jackson in die Rollen von Kevin Costner und Whitney Houston in «Bodyguard» schlüpfen, der Haupttrailer ist ganz frech und ironisch mit dem «Bodyguard»-Erkennungslied "I Will Always Love You" unterlegt. Damit weckt das Marketingteam falsche Erwartungen. Nicht nur, dass der eigentliche Film nicht einmal eine einzige «Bodyguard»-Anspielung beinhaltet – obendrein ist der humoristische Tonfall dieser Actionkomödie zumeist deutlich gemäßigter und bodenständiger als die Promo suggeriert.

Der Löwenanteil von «Killer's Bodyguard» schaut sich wie eine klassische Buddy-Actionkomödie über ein ungleiches Duo, das einen Fall zu lösen hat. Man denke nun also an «Bad Boys», die humorvolleren Teile der «Lethal Weapon»-Reihe oder diverse andere Beispiele: Die Action nimmt sich ernst, statt durch grotesk übertriebene Gewalt oder brutale Verstöße gegen die Gesetze der Physik Teil des Witzes sein zu wollen. Der Humor des Films generiert sich allein dadurch, dass der ebenso generische wie geradlinige Plot ("Bring den Kronzeugen unbeschadet zur Verhandlung") mit zwei streitbaren Figuren bestückt ist, die sich vor, nach und gerne auch während der handelsüblichen Actionpassagen pointiert ankeifen.

Doch kürzere Strecken von «Killer's Bodyguard» brechen aus diesem Tonfall aus. Dann blickt Kincaid etwa auf das Kennenlernen mit seiner Frau Sonia (Salma Hayek) zurück, das wohl eher in der augenzwinkernden, die Schwerkraft nur als Leitlinie sehenden Welt eines «Kingsman – The Secret Service» stattfand. Ryan Reynolds ist dagegen an anderer Stelle kurz davor, direkt in die Kamera zu blicken, während er eine Schimpftirade über Kincaid loslässt, die fast 1:1 auf Samuel L. Jackson zutreffen könnte – und in die er sich so sehr verstrickt, dass er das hektische Actionchaos hinter ihm ausblendet. Fehlt nur noch der «Deadpool»-Anzug.

Diese Passagen sind rar gesät und deutliche Stimmungsschwankungen innerhalb der «Killer's Bodyguard»-Grundatmosphäre und -Logik. Kinobegeisterte, die einfach nur die Kombination aus Action und Witz erleben möchten, wird das nicht stören. Alle, die jedoch auf einen Film hoffen, wie ihn das Promomaterial verspricht, wird es frustrieren, wie selten solche aufgekratzt-cartoonige Szenen sind. Genauso, wie Freunde der klassischeren Actionkomödie, die sich auf den Film einlassen, der «Killer's Bodyguard» für den Löwenanteil seiner Laufzeit darstellt, von diesen hochironischen Momenten übertölpelt werden dürften. Diese tonale Unausgewogenheit kommt nicht von ungefähr: Die Filmemacher geben zu, dass das Drehbuch kurz vor Drehstart innerhalb zweier hektischer Wochen umgeschrieben wurde, um den ursprünglich handelsüblichen Actionstoff launiger und feister zu machen.

Da Ryan Reynolds und Samuel L. Jackson eine hervorragende komödiantische Leinwandchemie miteinander haben und ihr stetes Wettzanken nie aufgesetzt rüberkommt (bloß die Gags darüber, wie gern Kincaid/Jackson "Motherfucker" sagt, werden irgendwann alt), ist «Killer's Bodyguard» seiner gespaltenen Humorpersönlichkeit zum Trotz sehr amüsant geraten. Gags ohne die Beiden fallen hingegen regelmäßig flach. Die Action bringt Regisseur Patrick Hughes («The Expendables 3») wiederum vor allem dann gut zur Geltung, wenn sich viel tut:

Verfolgungsjagden, explosive Angriffe auf Gefangenenkonvois und Co. fängt er dynamisch, dennoch übersichtlich ein, und insbesondere die Motorradstunts in diesem Film sind zwar keinesfalls bahnbrechend, wohl aber mitreißend anzusehen und ein kleiner Rücksturz in Hollywood-Actionkinozeiten der Pre-Superheldenhype-Ära. Bei Handgemengen hingegen rücken Hughes und Kameramann Jules O'Loughlin extrem nah ans Geschehen heran, so dass die Stuntchoreografie nicht in ihrer vollen Pracht zu sehen ist. Zudem sind die vereinzelten Digitaltricks meist eher schäbig – von den 30 Millionen Dollar Budget ging das meiste wohl für die Gagen drauf.

Fazit: «Killer's Bodyguard» profitiert von seinen beiden Hauptdarstellern, tut sich mit seiner Unentschlossenheit, welche Art von Actionkomödie er denn nun sein will, allerdings keinen Gefallen.

«Killer's Bodyguard» ist ab dem 31. August 2017 in vielen deutschen Kinos zu sehen.

Kurz-URL: qmde.de/95460
Finde ich...
super
schade
Teile ich auf...
Kontakt
vorheriger Artikel«Deine Wahl»: Auch Martin Schulz stellt sich YouTuber-Fragennächster ArtikelSport1 zeigt College Football regelmäßig im Free-TV - und Baseball unregelmäßig
Es gibt 2 Kommentare zum Artikel
Sentinel2003
31.08.2017 10:39 Uhr 1
Der Trailer ist ganz ok, mit geiler Action, aber, mein Bedürfnis das Teil im Kino zu Sehen, ist trotzdem sehr gering bis gar nicht.
kauai
31.08.2017 11:02 Uhr 2


Dito! Im TV werde ich es mir sicher Mal anschauen, aber ins Kino gehe ich dafür nicht.

Optionen

Drucken Merken Leserbrief


Werbung


E-Mail:

Quotenletter   Mo-Fr, 10 Uhr

Abendausgabe   Mo-Fr, 16 Uhr

Datenschutz-Info

Letzte Meldungen

Werbung

Mehr aus diesem Ressort


Jobs » Vollzeit, Teilzeit, Praktika


Werbung

Surftipps

Hamburger Konzert von Chase Rice verlegt
Das Chase Rice Konzert in Hamburg muss verlegt werden. Nach seiner erfolgreichen Teilnahme an der Country2Country-Tournee in Großbritannien und Irl... » mehr

Werbung