Hingeschaut

«100% Bundesliga»: Nitro setzt Ausrufezeichen als Fußball-Sender

von   |  3 Kommentare

Mit seiner neuen wöchentlichen Bundesliga-Show stellt der Spartensender deutlich unter Beweis, dass er ernsthafte Ambitionen rund um das runde Leder hat. Etablierte Akteure sollten hinschauen - und der Fan auch.

Als sich das jüngst um ein "RTL" erleichterte Nitro vor einiger Zeit einige Spiele der EM-Qualifikation gesichert hatte, belächelten viele Fans den Sender noch. Doch im Zuge des Erwerbs mehrerer attraktiver Rechte im Rahmen der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga, allen voran die Erstverwertung des Zweitliga-Montagabendspiels im Free-TV, zeigt sich immer deutlicher, dass man nicht lediglich als televisionäre Resterampe des großen Bruders RTL fungieren möchte - zumal ganz aktuell auch die Europa League in greifbarer Nähe scheint. Und viele der letzten verbliebenen Skeptiker dürften nach diesem Montagabend deutlich stiller geworden sein, sofern sie den Neustart «100% Bundesliga» verfolgt haben. Der nämlich bot ziemlich viel von dem, was sich Fans wünschen und beeindruckte vor allem mit einem großen Verständnis dafür, wie man ein relevantes Format auf die Beine stellt, ohne großkotzig oder überladen daherzukommen.

Das Konzept der Sendung klar zu verorten und einem konkreten Beispiel aus dem aktuellen Wust an Fußball-Berichterstattung zuzuordnen, fällt dabei gar nicht so leicht. Mit mehreren längeren Zusammenfassungen der (in dieser Woche ausschließlich, da sich die höchste Spielklasse noch in der Sommerpause befindet) zweiten Liga gibt es definitiv Gemeinsamkeiten mit der «Sportschau» oder «Hattrick», zugleich werden aber auch längere Talk-Phasen mit Max Eberl und den beiden Nitro-Experten Steffen Freund und Marco Hagemann integriert, was zeitweise an den «Doppelpass» oder «Sky 90» erinnert. Überdies gibt es mehrere kleine News-Clips, womit auch an «Bundesliga aktuell» bzw. Sky Sport News HD angedockt wird. Und für den Liebhaber kleiner, authentischer und heimeliger Momente fernab des sterilen Fernseh-Bombasts blickt man auch immer wieder mal in den Schnittraum oder in die Sendezentrale, das Stammtisch- und Club-Feeling wird mit Musik einer Live-Band, einer integrierten Bar sowie einem kleinen, aber feinen Studio-Publikum angeregt.


Zwei Stunden füllen? Dank großer Abwechlung kein Problem!


Ziemlich viel Holz, aber zwei Stunden Sendezeit wollen ja auch gefüllt werden. Und das gelingt dem Team um Laura Wontorra und Thomas Wagner (Foto) auch sehr gut, abwechslungsreich und - mal von einem doch reichlich hektischen Trailer zu Beginn einmal abgesehen - auch ohne große Hast. So greifen die verschiedenen Elemente der Show bemerkenswert gut und natürlich ineinander und erzeugen ein Gesamtbild, das gerade für den späten Montagabend gleich den Eindruck hinterlässt, dass man mit dieser Show als Fußball-Fan gerne noch öfter in den Schlaf begleitet werden möchte. Die Zusammenfassungen der Spiele sind stimmig produziert, gut kommentiert und wecken ein Grundinteresse für das restliche Spielgeschehen, ohne in allzu peinlicher Manier auf Dramatik zu machen, wo die meisten ernsthaften Fußballfans doch (gerade bei den Spielen vom Wochenende) eh schon mindestens das Ergebnis kennen.

Auch das Moderations- bzw. Experten-Quartett wirkt kompetent in seinen Ausführungen, natürlich und grundentspannt, was natürlich durch das leicht heimelige Studio-Flair noch verstärkt wird. Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl ist ein dankbarer Gast für die Auftaktfolge, weil auch er einen natürlichen Unterhaltungswert besitzt, als Vertreter eines Traditionsvereins, der sich noch emsig dagegen wehrt, sich allen Entfremdungsmechanismen des modernen Profifußballs achselzuckend hinzugeben und damit nicht nur ein Sympathieträger für das Publikum vor Ort ist, sondern auch perfekt geeignet erscheint, um über das große Thema Transfersummen-Irrsinn zu diskutieren und darüber hinaus mit der Verpflichtung von Hasan Salihamidzic als neuen Sportdirektor des FC Bayern auch noch eine gewisse tagesaktuelle Brisanz besitzt. Immerhin wurde Eberl für diesen Posten lange Zeit gehandelt, bevor er - so das vielleicht romantisierte Narrativ der Öffentlichkeit - sich gegen das große Geld und für seine geliebten Fohlen entschieden hat. Solch starke, eloquente und zugleich sehr Fan-nahe Gäste aufzutreiben, wird in den kommenden Wochen und Monaten keine ganz leichte Aufgabe.


Die Stecktabelle lebt - auf der Studiotreppe


Ferner löblich kann neben der sympathischen Aufmachung, der Live-Ausstrahlung und der Exklusion jeglicher Wichtigtuer ohne Bezug zum Sport auch noch das eine oder andere kleine Goodie erwähnt werden. So erfährt die kultige Kicker-Stecktabelle eine kleine Beförderung ins Fernsehen, indem man einen Teil seiner Studiotreppe schlichtweg als (sehr große) Stecktabelle umfunktioniert, die sogar während der Show noch von Wagner um den Stand nach dem Zweitliga-Montagsspiel aktualisiert wird. Eine kleine Wand hat man für Autogramme der Gäste aufgestellt, die Eberl bei seinem Abschied nach etwa einer Stunde entjungfern durfte. Und hin und wieder wird die Show auch in bester «Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs» auch nostalgisch.

Zu problematisieren gibt es indes nicht allzu viel und noch weniger Dinge von wirklich durchschlagender Brisanz. An einigen Stellen wirken die thematischen Sprünge etwas hart, hier müssen sich die Verantwortlichen auch vielleicht noch etwas finden und die Sendung dauerhaft noch etwas besser strukturieren. Für Fans kleinerer Vereine wäre es sicherlich schön, wenn die Zusammenfassungen etwa einheitlich lang wären - dass man andererseits bestrebt ist, sein Exklusiv-Recht für den Montagabend in Szene zu setzen, ist aber auch nur allzu nachvollziehbar. Und am Ende der Show ließe sich vielleicht noch eine kleine Studio-Aktion im Stile des Torwand-Schießens im «Sportstudio» integrieren, die simple Verabschiedung der ersten Folge ist per se aber auch nicht falsch. Etwas austauschbar wohl, aber auf "kann man so machen"-Niveau.

Wie hat euch der Auftakt von «100% Bundesliga» gefallen?
Sehr gut, ich freue mich schon auf die weiteren Folgen.
47,5%
War in Ordnung, da kann man zumindest mal reinschauen.
19,9%
Ganz mies, das muss ich nicht noch einmal sehen.
5,8%
Habe es (noch) nicht gesehen.
26,8%


Fazit: Eher Vorbild als Mitläufer


Alles in allem muss sich «100% Bundesliga» aber keineswegs vor der Konkurrenz verstecken, ja kann in einigen Punkten vielleicht sogar als Vorbild dienen. Für manch ein Sport1-Format etwa im Hinblick auf seriöse Berichterstattung, ohne dass sie gleich langweilig oder verkrampft rüberkommen muss, für Sky etwa, dass es keines sterilen, effektüberladenen Studios bedarf, um audiovisuell reizvoll zu erscheinen oder vielleicht sogar für Institutionen wie der «Sportschau» dahingehend, wie man etwas mehr Würze in die Sportberichterstattung bekommt. Ja, nach diesem Abend gehen einem zunehmend die Argumente aus, weshalb Nitro nicht groß ins Fußballgeschäft einsteigen sollte.

Nitro zeigt von nun an immer montags gegen 22:10 Uhr eine neue Folge der Liveshow «100% Bundesliga».

Kurz-URL: qmde.de/94803
Teile ich auf...
Kontakt
vorheriger ArtikelSieg für Springfield: ProSieben macht am Vorabend eine Rolle rückwartsnächster ArtikelHacker dringen bei HBO ein
Es gibt 3 Kommentare zum Artikel
kauai
01.08.2017 08:20 Uhr 1
Also ich kann mir ja viel vorstellen, aber nicht, daß ich mich zum Montag-Abend zu dieser Zeit regelmäßig für 2 Stunden von Fußball berieseln lasse! Das mag vielleicht gelegentlich Mal vorkommen, wenn es wirklich Mal ein Bundesliga-Spiel gegeben hat, das ich unbedingt in bewegten Bildern sehen will. In der Regel sitze ich montags aber nicht bis Mitternacht vor der Glotze, da der Dienstag der stressigste Arbeitstag der Woche für mich ist und zudem laufen ja montags relativ viele Serien, die ich gern schaue......
Kingsdale
01.08.2017 10:58 Uhr 2
Schließe mich kauai an. Wobei ich mich Frage, was man damit will. Ich meine, die Sportshow zeigt schon aktuell alles kurz nach den Spielen, das ZDF kaut das Ganze abends noch mal durch, Sport 1 hat morgens den Doppelpass und davor und danach auch noch mal alle Spiele, wobei die 2. Liga dann auch am Montag Top-Aktuell gezeigt wird. Wozu also braucht man am Montagabend 2 Stunden nochmal Fussball? Gibt es den wirklich Zuschauer die das alles zum tausendsten Male nochmal durchgekaut sehen wollen? Zuschauer die einfach nicht genug kriegen und nichts anderes sehen wollen als Fussball? Sorry, aber ich kann mir nicht Vorstellen das sich die Sendung lange hällt auch wenn der Auftakt positiv verlaufen ist!
DER_ORCA
01.08.2017 13:39 Uhr 3
Hallo, es wird eben nicht mehr alle Tore, alle Spiele auf Sport 1 geben. Ja, noch den Fussballtalk, aber keine Spielberichte. Auch das Zweitliga-Montagsspiel gibts nur noch für Kohle bei Sky, kein Free-TV mehr auf Sport 1. Das gibts jetzt "free" nur noch bei Nitro.
Also, vielleicht doch mal den Sendeplatz merken.

Optionen

Drucken Merken Leserbrief


Werbung


E-Mail:

Quotenletter   Mo-Fr, 10 Uhr

Abendausgabe   Mo-Fr, 16 Uhr

Datenschutz-Info

Letzte Meldungen

Werbung

Mehr aus diesem Ressort


Sky TV-Tipp

Puls - Wenn alle vernetzt sind ist keiner sicher

Heute • 20:15 Uhr • Sky Cinema


Jobs » Vollzeit, Teilzeit, Praktika

Sky Sport News HD
Ex-VfB-Coach ins Gesicht geschlagen https://t.co/i85Pjq5s6F
Sven Töllner
RT @IlkayGuendogan: Hi all, thank you for all your messages! I'm happy to tell you my injury is nothing serious and I hope to be back soon?
Werbung

Gewinnspiel

Gewinnspiel: «Boston»

Zum Heimkinostart des hochspannenden Thrillerdramas «Bosten» verlost Quotenmeter.de tolle Preise. Jetzt mitmachen und gewinnen! » mehr


Werbung

Surftipps

Meet and Greet mit Drake White zu gewinnen
Treffen mit Drake White beim Deutschland-Konzert in Hamburg zu gewinnen. Am 9. Oktober 2017 wird Drake White erstmals als Headliner in Deutschland ... » mehr

Werbung