Die Kino-Kritiker

«Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner»: Die 90er haben angerufen …

von

Eine Kinokomödie wie ein von der Zeit zurecht vergessener Fernsehfilm vergangener Tage …

Filmfacts «Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner»

  • Regie: Pepe Danquart
  • Drehbuch: Stefan Barth; nach dem Roman von Kerstin Gier
  • Produktion: Alexander Thies
  • Darsteller: Jessica Schwarz, Susanne Wuest, Pheline Roggan, Elena Uhlig, Juliane Köhler, Christoph Letkowski, Mirijam Verena Jeremic, Milan Peschel, Oliver Korittke,
  • Felix Klare, Judy Winter
  • Kamera: Daniel Gottschalk
  • Musik: Max Knoth
  • Laufzeit: 110 Minuten
  • FSK: ab 6 Jahren
Noch einmal neu anfangen – sei es absichtlich oder notgedrungen … Mit diesem Gedankenexperiment spielten wohl sicherlich alle schon einmal. Für die chaotische Kati (Jessica Schwarz) wird aus diesem theoretischen Gedankenspiel überraschende Realität: Fünf Jahre nachdem sie ihren Ehemann Felix (Felix Klare) kennen gelernt hat, ist die Beziehung zueinander eingeschlafen. Seine Radioweckereinstellung nervt Kati ebenso wie seine snobistischen Freunde und seine ständige Fixierung auf seinen Beruf als Arzt. Als sie zufällig den Künstler Mathias (Christoph Letkowski) kennenlernt, ist es ihr nicht möglich, ihn aus ihren Gedanken zu verbannen. Bevor Kati irgendetwas tun könnte, das ihre Ehe langfristig gefährdet, greift aber das Schicksal ein: Kati baut einen schweren Unfall – und wacht fünf Jahre früher wieder auf, so dass sie ihr Leben in neue Bahnen lenken kann.

Regisseur Pepe Danquart nimmt Kerstin Giers Roman «Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner» und formt aus ihm – nach einem Drehbuch von Stefan Barth – einen Kinofilm, der trotz seiner im Heute spielenden Szenen weitestgehend wie ein Relikt wirkt. Der vornehmlich für zumeist dokumentarisches, ernsteres Material bekannte Filmemacher liefert mit seiner steifen, schematischen Inszenierung und den oftmals durch weitgreifende Überbeleuchtung so flach wirkenden Bildern des Kameramanns Daniel Gottschalk («Mechanic: Resurrection») eine Produktion ab, die anmutet, als sei sie ein in den Giftschrank verbannter ProSieben-, Sat.1- oder RTL-Fernsehfilm aus den späten 90er-Jahren. Obwohl Danquart im Pressematerial mehrmals betont, Wert darauf gelegt zu haben, kinofreife Bilder einzufangen, sieht «Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner» wie eine ebenso preisgünstig wie handwerklich halbseiden gedrehte Komödie aus, bei der sich aufgrund des hohen Zeitdrucks niemand einen Moment nahm, um darüber nachzudenken, welche Kameraposition oder Einstellungsgröße die Umsetzung eines Gags verbessern könnte.

Gepaart mit einem keinerlei komödiantischen Rhythmus entwickelnden Schnittarbeit gleicht sich die kunsthandwerkliche Umsetzung bedauerlicherweise perfekt der Figurenzeichnung an. Katis Umfeld besteht aus Klischees, die seit den späten 90er-Jahren weit überholt sind – und die Bemühungen, diesen ausgeleierten, flachen Pappkameraden von Figuren ein Leben einzuhauchen, fallen denkbar gering aus. Stefan Barth, der sich zuvor unter anderem an den «ProSieben Funny Movies» beteiligte, bestückt Katis Leben mit "der stets aufgedrehten, lustigen Dicken", der "völlig weltfremden, begriffsstutzigen, redseligen Esoterikerin" und "der bossigen Chefin, die dringend einen Kerl in ihrem Leben braucht".

Am besten kommen in dieser Parade an eindimensionalen, überreizten Charakterisierungen die passabel getimten Slapstickeinlagen sowie die beiden Männer in Katis Leben davon: Felix Klare darf als überarbeiteter Arzt, in dessen Umgang mit Kati viel Alltäglichkeit Einzug gehalten hat, dank trockenem Witz und verdattertem Blick seine Rolle davon abhalten, wie ein unsensibler Mistkerl zu wirken. Und Christoph Letkowski hat als humorvoller, geduldiger Künstler nicht nur jede Menge Charme, er schafft es durch eine subtile Zögerlichkeit, seine Figur nicht zur reinen Wunschvorstellung abgleiten zu lassen – und so macht er sie einen Hauch realer.

Und dennoch scheitert das Skript daran, einen dramaturgisch ungeheuerlich wichtigen Punkt effektiv umzusetzen: Katis Unsicherheit in ihrer Post-Unfall-Realität, welchen Mann sie dauerhaft in ihrem Leben haben wird, wird stets nur behauptet. Gleichwohl erhält im Wettstreit zwischen Vernunft und Herz eine der beiden Seiten von Skriptseite deutlich stärker fundierte Argumente – die wiederholten Neuentscheidungen der von Jessica Schwarz ungewohnt blass verkörperten Kati kommen daher wie aus dem Nichts und sind nur dazu da, diesen laffen Film am Laufen zu halten.

Fazit: Eine starr inszenierte Romantikkomödie mit sehr wenigen Gags, die zünden, einem sehr schwachen Funken an überzeugender Liebelei und anstrengenden Nebenfiguren – im Saal nebenan ist das Gras mit hoher Wahrscheinlichkeit deutlich grüner!

«Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner» ist ab dem 13. Juli 2017 in ausgewählten deutschen Kinos zu sehen.

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