Die Kritiker

«Steirerblut»

von   |  1 Kommentar

Eine junge LKA-Kommissarin kehrt für einen Mordfall in ihre ländliche Heimat zurück. Hier muss sie mit einer widerspenstigen Dorfgemeinde und ihrer familiären Vergangenheit klarkommen.

Cast und Crew «Steirerblut»

Vor der Kamera:
Miriam Stein als Sandra Mohr
Hary Prinz als Sascha Bergmann
Thomas Stipsits als Max Leitgeb
August Schmölzer als Matthias Leitgeb
Aglaia Szyszkowitz als Helga Mohr
Robert Stadlober als Mike
Andreas Kiendl als Michi
Margarethe Solar-Tiesel als Mizzi
Magdalena Kronschläger als Franzi
Julia Cencig als Eva Kovacs

Hinter der Kamera:
Regie: Wolgang Murnberger
Drehbuch: Susanne Freund und Wolfgang Murnberger
Kamera: Peter von Haller
Produzent: Helmut Grasser
Menschen, die in der Provinz aufgewachsen sind, haben oftmals eine klare Haltung zu ihrem Heimatort. Einige gehen in der Dorfgemeinschaft auf, schätzen den Zusammenhalt und die Ruhe in der Gemeinde. Andere suchen ihr Glück in der anonymeren Großstadt, um sich als Individuum zu verwirklichen und neue Erfahrungen zu sammeln. Viele Junge, in Deutschland wie in Österreich, tendieren aktuell zu letzterem und sehen ihre Perspektive in der Landflucht. In «Steirerblut», dem ersten Roman der siebenteiligen Steirer-Krimireihe von Schriftstellerin Claudia Rossbacher, ist die Rückkehr einer jungen Polizistin in ihren kleinen Heimatort Fluch und Segen zu Gleich. Unter der Regie von Wolfgang Murnberger wurde das Buch 2012 in Koproduktion von Allegro Film und dem ORF verfilmt. Nun wird die Steiermark auch im deutschen Fernsehen zur Kulisse für einen Mordfall.

Mit einem unguten Gefühl kommt die Grazer LKA-Jungkommissarin Sandra Mohr (Miriam Stein) in ihren Heimatort zurück, um an der Seite ihres neuen Chefs Sascha Bergmann (Hary Prinz) den Tod einer Journalistin aufzuklären. Weil diese eine Enthüllungsstory über Amtsmissbrauch und Vetternwirtschaft schreiben wollte, gerät der Bürgermeister (August Schmölzer) unter Verdacht. Kurz vor der Wahl käme ein Skandal für den umstrittenen Politiker mehr als ungelegen. Verlassen kann er sich nur auf seinen Neffen, den Postenkommandanten Max Leitgeb (Thomas Stipsits). Der lässt Beweismittel verschwinden und macht sich plump an Sandra heran, seine „Ex“ aus Teenagertagen. Schon bald brechen bei ihr alte Wunden auf: der Konflikt mit der eigenen Mutter (Aglaia Szyszkowitz), weil sie ihren gewalttätigen Halbbruder Mike (Robert Stadlober) vor Jahren ins Gefängnis brachte, und das Trauma ihrer Freundin Franzi (Magdalena Kronschläger), die einst vom Vater missbraucht wurde. Aus ihrem vermeintlichen „Heimvorteil“ wird eine schwere Bürde, als sie erfährt, dass Mike tief in den Mordfall verstrickt ist.

Wie so häufig in Kriminalromanen und –filmen handelt es sich bei dem LKA-Duo Mohr und Bergmann um ein ungleiches Pärchen, das sich zusammenraufen muss, um die Ermittlungen voranzutreiben. Das ist leider nicht sonderlich innovativ, bringt aber den Vorteil mit sich, Charakterbeziehungen durch Reibungspunkte darzustellen. Das Zusammenspiel zwischen junger, idealistischer Polizistin und abgebrühtem, pragmatischem Chefinspektor ist auch durchaus gelungen. Miriam Stein schafft es gut, die Zerrissenheit ihrer Figur darzustellen, der die Rückkehr in die alte Heimat mitsamt ihren ungelösten Konflikten augenscheinlich zu schaffen macht. Allerdings stellt Hary Prinz seine Kollegin etwas in den Schatten. Den sarkastischen Zyniker kauft man Prinz nicht nur bedingungslos ab, er verkörpert mit seiner trockenen Art auch den landestypischen Schmäh hervorragend. Niemand, insbesondere seine junge Kollegin nicht, ist vor seinen Sticheleien sicher. Während Bergmann wenig Zugang zu den Dorfbewohnern und ihren Eigenarten findet, ist Mohr als Einheimische klar im Vorteil.

Und Eigenheiten präsentieren die Dorfbewohner in Hülle und Fülle, inklusive plakativer Klischees. Die Einwohner der Gemeinde sind direkt und hemdsärmelig, gleichzeitig naiv und unglaublich provinziell. Dies wird vor allem im Kontrast der Polizeiarbeit deutlich. Als die professionellen und taffen LKA-Ermittler am Tatort eintreffen, gönnen sich die gemütlichen Provinz-Polizisten gerade ein Leberkäs-Frühstück aus dem Gasthaus. Obendrein kennt die örtliche Exekutive jeden Jäger persönlich und natürlich betreibt der Bürgermeister Vetternwirtschaft, in die auch der Fußballverein sowie ein lokales Bauunternehmen involviert sind. Fairerweise muss hier erwähnt werden, dass zunächst keine Provinz-Posse zu abwegig scheint, ist man mit dem Thema Lokalpolitik im ländlichen Raum vertraut. Die Geballtheit dieser Gegebenheiten wirkt jedoch befremdlich. Zusätzlich machen manche Charaktere einen überzeichneten Eindruck. Ob es sich um ein humoristisches Stilmittel handelt, um die Provinzler liebevoll auf die Schippe zu nehmen, oder schlicht um Schwächen in der Skizzierung der Figuren, bleibt unklar.

Natürlich stellen die verschworene Dorfgemeinschaft, deren Beziehungen untereinander sowie ihr teilweise seltsam anmutendes Rechtverständnis ein Hauptmotiv von «Steirerblut» da. Glaubwürdiger Lokalkolorit ist definitiv vorhanden. Für den Norddeutschen Zuschauer könnte es allerdings tatsächlich schwierig werden, den Steirer Dialekt komplett zu verstehen. Die bewaldeten Berge der Steiermark bieten außerdem eine sehr ästhetische Bühne, wenngleich die Natur durchaus öfter als Kulisse hätte dienen dürfen.

Der in Österreich besonders populäre schwarze Humor wird hier und da eingestreut, würzt die Story aber nur bedingt. Während der Handlungsstrang um Sandras Familie und deren unrühmliche Vergangenheit einen klaren Mehrwert bietet und sinnvoll in den Plot eingewoben wird, wirkt die Geschichte um ihren Ex-Freund etwas konstruiert. Der Familienzwist mit Mutter Helga, stark gespielt von Aglaia Szyszkowitz, sowie mit ihrem Halbbruder Mike kommt durch ein harmonisches Spiel glaubwürdig zur Geltung. Zwar gelingt es durchgängig, die Geschichte auf interessantem Level zu halten, die große Spannung will sich aber nur selten einstellen.

Das Erste zeigt «Steirerblut» am Samstag, den 11. März 2017 um 20.15 Uhr.

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Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
Sentinel2003
09.03.2017 19:01 Uhr 1
Die meissten Ösi Filme sind alle mit Dialekt, den ich kaum verstehe, deswegen Sehe ich solche Filme kaum.

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