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'Es ist eine tolle Erfahrung, zu sehen, wie ein Team zwei Figuren, die ich mir in der High School ausgedacht habe, neu erfindet'

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Quotenmeter.de spricht mit Kyle Carrozza über seine Trickserie «Mighty Magiswords», die sich schon jetzt ein Mini-Imperium bei Cartoon Network aufgebaut hat.

Bevor «Mighty Magiswords» in Arbeit ging, habe ich zehn Jahre lang Cartoonserien feilgeboten, und jeder, der sich darauf einließ, sich meine Ideen anzuhören, bekam auch auf irgendeine Art und Weise von diesen Beiden zu hören.

[...] Da die Pitches nie angenommen wurden, beschloss ich, dass ich einen markanteren Köder brauche, und so kam die Idee zustande, dass es diese Vielzahl an abgedrehten, magischen Schwertern geben könnte
Kyle Carrozza
Die Entstehungsgeschichte von «Mighty Magiswords» ist interessant: Sie haben die beiden Protagonisten in der High School erfunden, Jahre später wiederholt Serienideen mit ihnen gepitcht … und dann hat’s letztlich bei Cartoon Network nicht nur mit einer Serie geklappt, es entstand auch prompt ein ganzes Mini-Franchise um die zwei Figuren. Wie fühlt man sich da? Ist es die Erfüllung eines Traums oder doch durchaus einschüchternd, dass Sie zwei Figuren, die Sie für sich selbst erfunden haben, mit der ganzen Welt teilen müssen?
Nun, obwohl ich Vambre und Prohyas Warrior in der High School erdacht habe, waren sie für mich nie „meine Babys“. Ich habe damals viele Figuren erfunden, das war meine große Leidenschaft. Zu der Zeit sind mir zahlreiche Figuren und Welten in den Sinn gekommen, die ich mir in Comicreihen oder Serien vorstellen konnte. Bei den Beiden war es so, dass ich sie erfunden und bald danach zur Seite gelegt habe. Einige Zeit später bin ich beim Stöbern wieder auf sie gestoßen und dachte: „Oh, die Zwei! Ja, die waren cool, ich zeichne mal wieder was mit denen!“ Diese eher distanzierte Beziehung zu ihnen erwies sich aber als Segen, denn daher konnte ich mir viel Freiheit gestatten, als ich erstmals für sie Geschichten geschrieben habe – nämlich als ich die 15-Sekunden- und Drei-Minuten-Kurzfilme gemacht habe. Dabei habe ich Charakterzüge an ihnen entdeckt, die ich ihnen anfangs nicht zugetraut hätte – in meinem Pitch lesen sich Vambre und Prohyas noch ganz anders als sie mittlerweile auftreten.

Das liegt auch daran, dass andere Künstler an ihnen mitgewirkt und sie geformt haben. Und ich genieße es, dies zu verfolgen. Es ist eine tolle Erfahrung, zu sehen, wie ein Team zwei Figuren, die ich mir in der High School ausgedacht habe, neu erfindet.

Sie haben ja eben den Pitch angerissen. Meines Wissens nach haben Sie die Idee zu «Mighty Magiswords» erstmals 2005/2006 an Cartoon Network herangetragen – damals noch erfolglos. Was hat sich zwischen diesen beiden spezifischen Pitches geändert?
Ich bin mir gar nicht so sicher, ob ich sie damals direkt an Cartoon Network gepitcht habe, auch wenn das online irgendwo behauptet wird. Es stimmt aber, dass ich viele Pitches mit den Warrior-Geschwistern gemacht habe. Bevor «Mighty Magiswords» in Arbeit ging, habe ich zehn Jahre lang Cartoonserien feilgeboten, und jeder, der sich darauf einließ, sich meine Ideen anzuhören, bekam auch auf irgendeine Art und Weise von diesen Beiden zu hören.

Was wohl die ausschlaggebende Veränderung war: Das Konzept der Magiswords habe ich erst im erfolgreichen Pitch an Cartoon Network vorgeschlagen, zuvor schwebte mir eher eine Comedyserie über Zauberei vor. Da die Pitches nie angenommen wurden, beschloss ich, dass ich einen markanteren Köder brauche, und so kam die Idee zustande, dass es diese Vielzahl an abgedrehten, magischen Schwertern geben könnte. Außerdem habe ich die Figurenkonstellation umgeworfen – in älteren Pitches waren Prohyas und Vambre ein Quartett mit Prinzessin Zange und dem diebischen Phil, die nun nur noch Nebenfiguren sind.

Die Magiswords sind aber auch zugegebenermaßen eine griffige Idee. Was ich in dem Zusammenhang fragen muss: Als mitunter völlig irrsinnige Waffen erinnern die mich an das Waffenarsenal, das man sich im Kartenspiel 'Munchkin' aneignen kann. Sie wurden nicht zufällig davon inspiriert?
(schmunzelt) Nein, ich habe zwar davon gehört, nicht zuletzt, weil ich ab und zu darauf angesprochen werde. Aber ich habe es noch nie gespielt, ich war nie der große Freund von Kartenspielen jeglicher Art. Aber es gibt tatsächlich eine Verbindung zwischen «Mighty Magiswords» und 'Munchkin': John Kovalic, der Zeichner, der für das Artwork von 'Munchkin' verantwortlich ist, hat auch ein Albumcover für Luke Ski gemacht, der an der Serie als Storyboard-Künstler und Sprecher beteiligt ist.

Am liebsten wäre ich durchgedreht und hätte jedem, der bei drei nicht auf dem Baum ist, ins Gesicht gebrüllt: „Wir sind fertig! Schau! Schau! Schau dir das an, war ich die letzten drei Jahre alles gemacht habe!
Kyle Carrozza
«Mighty Magiswords» schreibt Kontinuität zwar nicht all zu groß, dennoch muss man ja als Serienschöpfer Übersicht bewahren. Ist das bei den ganzen Kurzfilmen, Micro-Filmchen, App-Inhalten, fiktiven Vlogs und Serienepisoden überhaupt möglich?
(lacht) Zum Glück entsteht das alles nicht parallel zueinander, auch wenn sich die Veröffentlichung teilweise überschneidet. Wir fingen mit den 15-Sekündern an, danach waren die Drei-Minuten-Kurzfilme dran, erst danach ging es mit der Produktion der TV-Episoden los. Das hat sich über fast zwei Jahre erstreckt, während der Arbeit an der TV-Serie musste dann noch so manches Zusatzmaterial erstellt werden. Das war schon sehr viel Output, den es zu orchestrieren galt, aber das war noch machbar. Wäre dagegen alles zeitgleich entstanden … Ohje! Ich denke, ich wäre irgendwann explodiert.

Stattdessen hatten wir durch die lange Vorlaufzeit das Luxusproblem, dass wir schon viel Material in der Hinterhand hatten, es aber noch niemand Externes gesehen hat – was auch frustrierend sein konnte. (schmunzelt) Umso schöner war es, als wir endlich an die Öffentlichkeit damit gingen. Am liebsten wäre ich durchgedreht und hätte jedem, der bei drei nicht auf dem Baum ist, ins Gesicht gebrüllt: „Wir sind fertig! Schau! Schau! Schau dir das an, war ich die letzten drei Jahre alles gemacht habe!“

Kam es durch diese Produktionsreihenfolge vor, dass Sie manchmal dachten: „Mist, wir haben eine richtig gute Idee für eine Serienfolge schon bei einem Short oder Vlog verschwendet?“
Das nicht, was wir aber im Laufe der Arbeit an «Mighty Magiswords» festgestellt haben: Die simpelsten Ideen münden zumeist in die besten Folgen. Jede Idee, die wir für einen Dreiminüter beiseite gelegt haben, eignet sich genauso gut für eine volle Fernsehfolge – wir haben immer noch genügend neue Aspekte an der Grundidee gefunden, um sie reizvoll auszubauen. In die Vlogs wiederum stecken wir wenig Vorab-Gedankenarbeit – die improvisieren wir, ausgehend von einem Stichsatz, der aussagt, worum es darin grob gehen soll. Ich habe nämlich festgestellt, dass die Vlogs, über die ich vorher viel nachgedacht habe, für mich eher ernüchternd ausfielen.

In der Serie geschieht ja allerlei verrücktes Zeug, man merkt ihr an, dass Sie Tex Avery zu Ihren Einflüssen zählen. Haben Sie sich allem Wahnsinn zum Trotz Regeln für das Serienuniversum gesetzt?
Ich versuche, einen Fuß in der Welt der Naturgesetze zu behalten und so die Fallhöhe zu vergrößern. Die Serie ist zwar in ihrer Logik ziemlich cartoonig, völlig möchte ich mich darin der Tex-Avery-Anarchie aber nicht verschreiben. Würde eine Figur von einem Turm springen, würde sie dies nicht überleben. Das muss einfach sein, da sich die Figuren gelegentlich in Situationen manövrieren, wo es um Leben und Tod geht – und ohne Regeln könnten wir keine Spannung erzeugen. Das grenzt uns zum Glück nicht sonderlich ein: Wir haben zugunsten der Spannung eine kleine Handvoll an Dingen, die wir nicht machen können auserkoren – jedoch haben wir wahnsinnig viel, was wir machen können.

Vielen Dank für das Gespräch.

«Mighty Magiswords – Die Show mit den Schwertern» ist ab dem 6. März 2017 montags bis freitags um 18.05 Uhr bei Cartoon Network zu sehen.

Kurz-URL: qmde.de/91613
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