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«The Affair»: Prestigeformat statt Quotenhit

von   |  2 Kommentare

Mehrere Golden Globes gewann «The Affair» bereits, trotzdem bleibt es das schwächste Showtime-Drama - und verschlechterte sich sogar in Staffel drei weiter. Showtime verlängerte «The Affair» trotzdem.

Aktuelle Showtime-Dramen

  • «Shameless» (seit 2011)
  • «Homeland» (seit 2011)
  • «Ray Donovan» (seit 2013)
  • «The Affair» (seit 2014)
  • «Billions» (seit 2016)
Kaum ein namhafter Kabelsender im US-Fernsehen verzichtet dieser Tage auf Eigenproduktionen im Seriensegment. Dort gibt es mehr Geld zu verdienen denn je und die Nachfrage nach hochqualitativen Serienformaten steigt weiter. Mit der steigenden Anzahl an eigenproduzierten Serien gilt es für die US-Sender jedoch auch, Imagebildung zu betreiben und das Senderprofil zu schärfen. Zuschauerhits alleine genügen bei der Masse an Formaten nicht mehr alleine, die Sender wollen auch für die Qualität ihrer Produkte bekannt sein. Auf diesem Aspekt scheint mehr denn je der Fokus von Showtime zu liegen. Schon lange wartet der Sender auf den nächsten großen Zuschauerhit, der schon bald in Form des neu aufgelegten «Twin Peaks»  folgen könnte. Derweil hält Showtime an den meisten bewährten Formaten fest. «Shameless»  kommt dieser Tage bereits auf sieben Staffeln, «Homeland»  startete vor kurzem in die sechste Runde und «Ray Donovan»  zählt vier Seasons. Das durchschnittliche Zuschauerinteresse an Showtime-Formaten sinkt dabei kontinuierlich.

«The Affair», das Golden Globe-Wunder


Insgesamt muss Showtime somit im Jahr 2017 kleinere Brötchen backen als noch vor einigen Jahren, als Showtime noch zu den Vorreitern im Serienbereich zählte. Das mit Abstand zuschauerschwächste Format «The Affair» verlängerte Showtime zuletzt dennoch noch während der quotentechnisch durchwachsen laufenden dritten Staffel. Tatsächlich stellt die Serie von Sarah Treem und Hagai Levi eines dieser Prestigeformate dar, die ein US-Sender im umkämpften Seriengeschäft dieser Tage braucht, mehr noch als die deutlich erfolgreicheren Senderkollegen.

Mit durchschnittlich 719.000 Zuschauern im Rahmen der ersten Staffel verlief der Auftakt von «The Affair» im Jahr 2014 alles andere als spektakulär. Was allerdings Anfang 2015 folgte, war für viele Beobachter eine große Überraschung. «The Affair» stach in der Drama-Kategorie der Golden Globes, dem renommiertesten Fernsehpreis der Welt, Formate wie «Game of Thrones» , «House of Cards»  und «Downton Abbey»  aus, zusätzlich gewann Hauptdarstellerin Ruth Wilson die begehrte Trophäe als beste Hauptdarstellerin, unter anderem vor Claire Danes vom Showtime-Kollegen «Homeland». Spätestens zu diesem Zeitpunkt stand die Serie bei Liebhabern qualitativ hochwertiger Serien deutlich höher im Kurs, sodass sich auch das Zuschauerinteresse im Rahmen der zweiten Staffel steigerte. Zwölf statt zuvor zehn Folgen kamen nun auf mittlere 801.000 Zuschauer, mit 1,11 Millionen Interessenten wurde zum Staffelfinale außerdem der bisherige Bestwert des Formats verbucht.

Solche Zahlen stehen allerdings für andere Showtime-Formate auf der Tagesordnung. Immerhin holte «The Affair» 2016 einen weiteren Golden Globe in der Kategorie der besten Nebendarstellerin. Mit weiteren Steigerungen plante Showtime in der dritten Staffel 2016, diese blieben jedoch letztlich aus. Auch weil Showtime im Rahmen von «The Affair» an seiner bisherigen Sendestrategie festhielt und die ersten beiden Episoden der Staffel bereits vorab online zur Verfügung stellte. Mit 600.000 Zuschauern ab zwei Jahren und 0,2 Prozent aller in den USA lebenden 18- bis 49-Jährigen gelangte «The Affair» zum Staffelstart am 20. November 2016 nicht einmal in die Top 100 der Kabelsendungen des Tages. Noch schwächer schnitt die Serie um Dominic West und Ruth Wilson eine Woche später ab, als die Reichweite auf 579.000 Zuschauer sank. Dabei konkurrierte «The Affair» ab 22 Uhr nicht einmal mit den um 21 Uhr startenden Zuschauermagneten «The Walking Dead»  oder «Westworld» .

Manchmal muss es nicht nur Quote sein


Nur langsam stieg das Interesse an der dritten Staffel der Drama-Serie, dafür immerhin drei Wochen am Stück. Am 4. Dezember verbesserte sich die in New York gedrehte Serie um über 80.000 Interessenten auf 662.000 Zuschauer. Nur 4.000 Zuschauer mehr maß Showtime allerdings sieben Tage später mit 666.000 Personen, ehe «The Affair» sich am 18. Dezember über einen erneuten Schub auf 724.000 Zuseher freuen durfte. Noch immer lag die Serie damit jedoch deutlich unter dem Durchschnitt der Vorstaffel. Am Neujahrstag folgte schließlich ein gewaltiger Einbruch des Zuschauerinteresses. 480.000 Zuschauer bedeuteten einen neuen Negativrekord des Formats.

Als ob Showtime nach diesen Zahlen ein Zeichen setzen wollte, verkündete der Sender kurz nach dieser überaus schwach laufenden Ausgabe die Verlängerung der Serie um eine vierte Staffel – ein klares Statement, auch angesichts dessen, dass die Serie weiterhin gute Kritiken einfuhr. Etwas Rehabilitation folgte im Zuge des 8. und 15. Januars, als die Reichweite wieder auf 654.000 stieg und danach auf 612.000 Personen abgab. Wie im Vorjahr widmeten sich zum Ende der Staffel am meisten Zuschauer den linearen Ausstrahlungen. 793.000 Interessenten stellten am 22. Januar den Staffelbestwert dar, mit 725.000 Zuschauern am 29. Januar folgte zum Staffelfinale eine etwas niedrigere Zuschauerzahl.

Weiterhin stellt «The Affair» das unpopulärste Showtime-Drama dar, die dritte Staffel machte sogar im Vergleich zu den zwei vorangegangenen Staffeln die schlechteste Figur: Durchschnittlich 650.000 Personen verfolgten die zehn neuen Episoden des Kritikerlieblings, damit verlor «The Affair» knapp 150.000 Zuschauer gegenüber der Vorstaffel. Im Kontrast dazu stellt «The Affair» jedoch das in der Branche renommierteste Showtime-Format der vergangenen Jahre dar. «Homeland»  gewann zwar bereits fünf Golden Globes und damit zwei mehr als «The Affair», die letzte Auszeichnung erhielt die Serie um Claire Danes jedoch im Jahr 2013. Showtime hatte in den vergangenen Jahren wenig Glück mit neuen Formaten, umso leichter fällt es dem Sender daher dieser Tage an Formaten festzuhalten, die für die Imagebildung des Senders als Ort von Qualitätsserien besonders zuträglich sind, dabei aber in Sachen Quoten Wünsche offenlassen. Nicht mehr lange, dann kommt schließlich «Twin Peaks» .

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Es gibt 2 Kommentare zum Artikel
Sentinel2003
02.02.2017 12:47 Uhr 1
Tja, das ist wirklich schon ein totaler Wunder, trotz der immer schwächer werdenden Quoten die Serie weiter zu verlängern um eine 4.Staffel....



Ich bin ja Fan von allen 4 Darstellern, trozdem bin ich bis heute nicht weiter gekommen, als inmitten von Staffel 1, da ich mit diese 2 Erzählweisen, erst von ihm, dann von ihr aus, noch immer nicht warm geworden bin.
lyciene
07.02.2017 16:03 Uhr 2
Ich habe soeben Staffel 3 beendet und fand diese fast am besten von Allen vorherigen. Die 2 unterschiedlichen Erzählweisen sind insofern interessant, da man ja nicht aufgeklärt wird, welche Ansicht nun die tatsächliche bzw. ehesten wahre ist. Man findet nicht heraus Wer nun den ersten Schritt gemacht hat und kann daher nicht wirklich Partei ergreifen oder Reaktionen nachvollziehen.

In Staffel 1 und 2 hat mich dann schon manchmal der Zeitsprung verwirrt, der erst zum Ende der 2. Staffel aufgeklärt wird. Am liebesten hätte ich dann die beiden ersten Staffeln nochmal gesehen um einiges besser zuordnen zu können.



Sicher sind am Ende die Einschaltquoten ausschlaggebend, denn auf die wenigen Fans wird ja keine Rücksicht genommen, wenn die Masse nicht einschaltet. Zum Leidwesen der Gerne-Zuschauer. Dennoch ist auch dies wieder eine Serie, die ohne schlechtes Gewissen zu einem Ende kommen könnte, ehe es unnötig ausgeleiert wird...

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