Wochenquotencheck

Byebye, 2016: Damit feiern die Sender ins neue Jahr

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Der Wochencheck wird zum Silvestercheck - ausnahmsweise. Wir blicken nämlich diesmal auf das abendliche Silvesterprogramm im Jahr 2016 und lassen die vergangenen Jahre Revue passieren: Was waren eigentlich die größten Erfolge an einem Abend, an dem die eigentliche Primetime kurz vor Mitternacht ist?

Silvester-Programm 2016 (20:15 Uhr)

  • Show: «Silvesterstadl» (ARD), «Willkommen 2017» (ZDF), «Chart Show - One Hit Wonder» (RTL), «Berlin - Tag & Nacht: Silvesterparty» (RTL II)
  • Film: «Shrek, der Dritte» (Sat.1), «Hangover II» (ProSieben), «Happy New Year» (VOX)
  • Serie: «Hawaii Five-0» (kabel eins)
Es ist fast geschafft! In wenigen Stunden endet das Jahr 2016, in dem weniger die schönen Momente und herausragenden sportlichen Leistungen bei Olympia, Fußball-EM und Handball-WM im kollektiven Gedächtnis haften blieben, als vielmehr die zahlreichen tragischen Todesfälle großer Persönlichkeiten, in dem die sich bereits zuvor anbahnende gesellschaftliche Polarisierung weiter voranschritt und in der Wahl des vielleicht absurdesten Präsidenten der US-amerikanischen Geschichte gipfelte und in dem Angst und Terror endgültig auch in Mitteleuropa angekommen sind. Das Motto dieser Stunden heißt eingedenk des generell negativen Tenors in der Beurteilung des zurückliegenden Kalenderjahres folglich: Bringen wirs zu Ende und schauen möglichst optimistisch in Richtung 2017.


Shows am Abend: ARD kehrt zum «Silvesterstadl» zurück, ZDF beugt sich XXL-Trend


Auffällig im Bezug auf das Angebot der deutschen Fernsehsender ist hierbei, dass seit Jahren dieselben vier Sender auf ein Show-Angebot bauen. Das Erste hatte sich mit der krampfhaften Modernisierung seines «Silvesterstadls» zur «Stadlshow» ein reichlich faules Ei ins Nest gelegt und versucht nun zwischen den alten Fans, die den anachronistisch-heimeligen Touch unter Andy Borg zu schätzen wussten, und den eigenen programmplanerischen Ambitionen zu vermitteln - und setzen dafür auf Allzweckwaffe Jörg Pilawa, der erstmals neben Francine Jordi den Stadl moderieren wird. Zumindest etwa dreieinhalb bis vier Millionen Menschen sollten dem Treiben zusehen, denn auf diesem Niveau rangierte Borg zuvor sehr verlässlich - bevor dann im vergangenen Jahr Jordi und ihr bereits wieder entlassener Kollege Alexander Mazza mit nur 2,81 Millionen und vergleichsweise schwachen 13,0 Prozent Marktanteil enttäuschten. Beim jungen Publikum liegt die Latte nach zuletzt fünfmal in Folge nur miesen 2,9 bis 4,3 Prozent dagegen alles andere als hoch.

Der öffentlich-rechtliche Mitbewerber reagiert dagegen auf die deutlichen Tendenzen der vergangenen Jahre, die dem 20:15-Uhr-Showformat «Die ZDF-Hitparty» bis 2014 sowie dem im Vorjahr gezeigten «Guten Rutsch!» mit Johannes B. Kerner ungleich schwächere Einschaltquoten servierten als der zuletzt stets um 21:45 Uhr ausgestrahlten «Willkommen»-Liveshow vom Brandenburger Tor - und lassen letztgenanntes Format gemäß des generellen Fernsehtrends hin zu extrem langen Show-Ausstrahlungen diesmal einfach schon anderthalb Stunden früher auf Sendung gehen. Wie bereits in den vergangenen drei Jahren darf auch diesmal wieder Andrea Kiewel moderieren, die mit zuletzt stets rund vier Millionen Zuschauern und Marktanteilen von etwa 17 Prozent in beiden wichtigen Zuschauergruppen durchweg überzeugen konnte. Aber auch Kerner muss sich nicht grämen, ist er nach Alexander Mazza und Matze Knop doch Kiwis neuestes männliches Anhängsel.

Was ganz Neues versucht derweil RTL II, das erstmals sein Team von «Berlin - Tag & Nacht» vor der versammelten Öffentlichkeit Silvester feiern lässt. In den Jahren zuvor hatte man zunächst den «Silvester Hit-Countdown» mit beachtlichem Erfolg und zuletzt eine «Apres Ski Hits Silvesterparty» mit eher überschaubarem Erfolg ausgestrahlt. Der größere Schwestersender RTL hingegen lässt gewohntermaßen Oliver Geissen ins neue Jahr feiern - oder besser gesagt: Hat ihn bereits vor einigen Wochen mit seiner «Chart Show» und einer neuen alten Ausgabe zu den größten One-Hit-Wondern der Chartgeschichte feiern lassen, denn die Folge ist bereits seit einiger Zeit im Kasten. Zuletzt lief es recht ordentlich für die Musikshow: Apres-Ski-Hits hatten ihr 2015 immerhin 14,7 Prozent Zielgruppen-Marktanteil beschert, die erfolgreichsten Alben des Jahres 2014 sogar schöne 17,5 Prozent.


Mutlos: ProSiebenSat.1 lässt Silvester völlig kalt


Was immer man von dem zuvor thematisierten Show-Angebot auch halten mag, muss man den dafür verantwortlichen Sendern doch zumindest lassen, auch für den traditionell wenig zuschauerträchtigen Silvesterabend besondere Inhalte produzieren zu lassen. Nicht mehr als Konserven haben hingegen die großen Programmstationen von ProSiebenSat.1 für ihr Publikum übrig: ProSieben zeigt schon wieder die Spielfilme «Hangover II» und «Abraham Lincoln - Vampirjäger», bevor dann ab 0:20 Uhr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens bleibt - einem weiteren «The Big Bang Theory»-Marathon beispielsweise. Zumindest an die Bedürfnisse der jüngeren Zuschauer hat Sat.1 gedacht und zeigt ein etwas charmanteres «Shrek»-Double der ersten beiden Teile, bevor dann ab 23:35 Uhr unfassbare 14 Folgen der «Knallerfrauen» auch mehr oder weniger nur als Testbild-Ersatz fungieren.

Feierlicher liest sich auch das aus Crime-Serien bestehende Abendprogramm von kabel eins nicht, doch Obacht: Zwischen drei «Hawaii Five-0»-Reruns und einer «Navy CIS»-Wiederholung überrascht der Sender mit der Free-TV-Premiere einer «Blue Bloods»-Folge um 23:05 Uhr. Live schauen dürfte die zwar kaum jemand, doch Fans sollten diese seltsam anmutende Programmierung für ihre Aufnahmen berücksichtigen. Übrigens: Viel ambitionierter war die Sendergruppe auch schon in den vergangenen Jahren an Silvester nicht unterwegs gewesen - ProSieben hatte 2012 und 2013 sogar bereits ab 20:15 Uhr auf Wiederholungs-Marathons seiner omnipräsenten und längst auch zum programmplanerischen Running Gag mutierten Sitcoms «Two and a Half Men» und «TBBT» gesetzt, bevor man dann ab 2015 Uhr auf ähnlich erfolglose Blockbuster umswitchte.

Und VOX? Hier läuft zunächst die romantische Komödie «Happy New Year», bevor ab 22:30 Uhr über vier Stunden mit der sehenswerten Musikdoku «Songs, die die Welt bewegten» gefüllt werden. Mit exakt demselbem Programm hatte man es bereits vor zwei Jahren versucht, wobei nur der Spielfilm zu punkten wusste - da jedoch im Vorjahr der nach einer abermaligen Präsentation der US-Komödie der anschließende Film «The Grey - Unter Wölfen» noch schlechter lief, holt man nun ein weiteres Mal seine weltbewegensten Songs aus der Kiste.

Eure Einschätzung: Wie war das Jahr 2016 denn nun?
Rundum gelungen, sowohl aus persönlicher als auch aus gesellschaftspolitischer Sicht.
6,2%
Aus persönlicher Sicht gut, gesellschaftspolitisch aber eher schlimm.
49,2%
Für mich persönlich kein gutes Jahr, gesellschaftspolitisch aber schon.
3,1%
Furchtbar, sowohl für mich als auch im Hinblick auf Gesellschaft und Politik.
41,5%


Und sonst so? «Dinner for One» und das Silvester-Feuerwerk


Wann laufen die Klassiker?

  • «Dinner for One»: Eine Übersicht über die zahlreichen Ausstrahlungen finden Sie hier - inklusive nordhessischer, hessischer und Schweizer Version übrigens.
  • «Dinner für Brot»: Die «Dinner for One»-Interpretation des charmanten Dauernörglers Bernd das Brot läuft um 16:15 Uhr im KiKa - bevor im Anschluss drei neue Folgen des «Bernd Channels» laufen.
  • «Ein Herz und eine Seele»: Die Kultausgabe «Silvesterpunch» läuft um 18 Uhr im NDR, um 18:20 Uhr und 23 Uhr im WDR, um 18:35 Uhr im rbb und um 18:40 Uhr im SWR.
Natürlich kommen auch wieder Fans der Silvester-Klassiker «Dinner for One» und «Ein Herz und eine Seele» auf ihre Kosten, die in gewohnter Manier bei den öffentlich-rechtlichen Spartenkanälen rauf- und runterlaufen. Der 90. Geburtstag von Miss Sophie wird jedoch seit einigen Jahren auch regelmäßig im Hauptprogramm der ARD begangen, diesmal wie schon 2012 und 2014 um 18:55 Uhr. Mit etwa zehn Prozent Gesamtmarktanteil war der 20-Minüter aber zumindest nicht so zuschauerträchtig, wie man vielleicht erwarten mag - auch wenn bei den Jüngeren zuletzt stets sehr gute 8,4 bis 9,2 Prozent zu Buche gestanden hatten. Die Dauerpenetration dürfte ein wenig Quote kosten.

Übrigens: Die aus Sicht der Einschaltquoten traditionell erfolgreichste Ausstrahlung an Silvester ist ganz im Gegensatz zu den sonstigen Kräfteverhältnissen auf dem deutschen Fernsehmarkt weder die 20-Uhr-«Tagesschau» noch eine Sendung, die zwischen 20:15 Uhr und 22 Uhr läuft, sondern das «Silvester-Feuerwerk vom Brandenburger Tor», das im Ersten stets wenige Minute vor Mitternacht an den Start geht. Doch die Einschaltquoten waren hier zuletzt klar rückläufig: Wurden bis 2010 noch fast immer weit über sechs Millionen Menschen erreiht, sahen zwischen 2011 und 2014 nur noch zwischen 5,10 und 5,47 Millionen zu, im Vorjahr unterschritt man sogar die Fünf-Millionenmarke mit nur noch 4,81 Millionen Fernsehenden und allerdings noch immer tollen 21,7 Prozent Gesamtmarktanteil sowie 12,6 Prozent bei den Jüngeren.

Nun denn, kommen Sie gut ins neue Jahr!

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