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Gewinner des Jahres 2016: Das animierte Kinogold

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Quotenmeter.de kürt die Gewinner des Medienjahres und findet im Kinosektor einen überdeutlichen Sieger – in Form eines ganzen Mediums: Der Animationsfilm räumte 2016 ordentlich ab

Animationsfilme 2016 in Deutschland (Auswahl)

  • «Zoomania» (3,82 Mio. Besucher)
  • «Pets» (3,81 Mio. Besucher)
  • «Findet Dorie» (3,76 Mio. Besucher)
  • «Ice Age - Kollision voraus!» (2,9 Mio. Besucher)
  • «The Jungle Book» (Realfilm-Animationsfilm-Mix; 1,87 Mio. Besucher)
  • «Angry Birds - Der Film» (1,44 Mio. Besucher)
  • «Trolls» (1,05 Mio. Besucher)
  • «Kung Fu Panda 3» (0,88 Mio. Besucher)
  • «Robinson Crusoe» (0,66 Mio. Besucher)
  • «Sausage Party» (0,43 Mio. Besucher)
2016 – ein Jahr vieler Verlierer. Und eines leuchtenden Gewinners: Der Animationfilm blühte im Kinojahr 2016 so strahlend und verlockend wie selten zuvor. In Deutschland durchbrachen allein bis Mitte Dezember drei Animationsfilme die magische Grenze von drei Millionen Besuchern – Disneys «Zoomania», Illumination Entertainments «Pets» und Pixars «Findet Dorie». Zudem holte «Ice Age – Kollision voraus!» mit 2,9 Millionen Besuchern zwar das niedrigste Ergebnis der fünfteiligen Blue-Sky-Studios-Reihe, etablierte sich dennoch souverän als einer der meistgesehenen Kinofilme 2016 in der Bundesrepublik.

Mit einem Startergebnis von rund 420.000 Besuchern schickt sich zudem der animierte Castingshowspaß «Sing» an, einen respektablen Rang in den hiesigen Jahrescharts zu ergattern. Kurz vor Weihnachten dürfte obendrein das abenteuerliche, humorvolle Disney-Trickmusical «Vaiana» dem Filmjahr auf den letzten Seemeilen seinen Stempel aufdrücken. In den USA ist die dort «Moana» betitelte neue Regiearbeit der «Arielle, die Meerjungfrau»- und «Aladdin»-Macher Ron Clements & John Musker auf dem besten Wege, eines der finanziell stärksten Projekte der Walt Disney Animation Studios zu werden.

Mehr noch: Im Sommer schwamm «Findet Dorie» mit einem Nordamerika-Gesamtergebnis von 486,29 Millionen Dollar bereits zum Rekord „Größtes Einspiel eines unter dem Disney-Markennamen veröffentlichten Kinofilms“. Und auch in den USA stellten «Pets» (368 Mio.) und «Zoomania» (341,3 Mio. Dollar) riesige Publikumsmagneten im wirtschaftlich eher durchwachsenen Kinojahr dar. Ganz davon zu schweigen, wie euphorisch Kritiker auf einige der Trickprojekte 2016 reagierten.

Animationsfilme 2016 in Nordamerika (Auswahl)

  • «Findet Dorie» (486,3 Mio. Dollar)
  • «Pets» (368,14 Mio. Dollar)
  • «The Jungle Book» (Realfilm-Animationsfilm-Mix; 364 Mio. Dollar)
  • «Zoomania» (341,27 Mio. Dollar)
  • «Trolls» (145,49 Mio. Dollar)
  • «Vaiana» (145 Mio. Dollar; läuft noch in den Kinos)
  • «Kung Fu Panda 3» (143,53 Mio. Dollar)
  • «Angry Birds - Der Film» (107,51 Mio. Dollar)
  • «Sausage Party» (97,67 Mio. Dollar)
  • «Störche - Abenteuer im Anflug» (71,51 Mio. Dollar)
Darüber hinaus darf «The Jungle Book» nicht vergessen werden, ein Mix aus Realfilm und fotorealistischer Computeranimation – weltweit scheiterte das Abenteuer von «Iron Man»-Regisseur Jon Favreau denkbar knapp an der Milliarden-Dollar-Grenze. Dass Trickfilme 2016 mehrfach zu weltweiten Publikumsmagneten höchster Güte wurden und selbst der wenig popkulturelles Echo verursachende «Kung Fu Panda 3» über eine halbe Milliarde Dollar generierte, rief selbstredend bereits Branchenportale auf den Plan, um auf Ursachenforschung zu gehen.

So erklärt sich 'Variety' die wachsende Popularität von Animationsfilmen, insbesondere jenen über sprechende Tiere, damit, dass „kuschlige Wesen als Gegenmittel für die dunklen Zeiten in der realen Welt“ fungieren. Vor dem Hintergrund immer fatalistischeren Nachrichtenlagen könnten sie dem Hollywood-Branchendienst zufolge den einst so gefragten Zerstörungsorgien den Rang als massentaugliche Bespaßung ablaufen.

Möglich, dass diese Erklärung zutrifft – allerdings dürfte sie nur einen Baustein in einem Turm aus Argumenten für den erneuten Animationsfilm-Frühling darstellen. Die tierische Slapstickkomödie «Pets» ist warmherziger Eskapismus, die angesichts zahlreicher enttäuschender Realfilmcomedys ein willkommener Stimmungsaufheller ist. Im Hinblick auf die vielen Actionfilme, in denen am laufenden Band geschossen und geprügelt wird, und obendrein ganze Häuserblocks dem Erdboden gleich gemacht werden, besetzt «The Jungle Book» mit seinem Old-School-Abenteuer-Feeling derweil eine Marktlücke.

Aber die Animationsfilme 2016 treffen in einem zeitlosen Gewand auch zielgenau den Nerv des heutigen Zeitgeistes. Die Kriminalkomödie «Zoomania» seziert Rassismus, Sexismus, Polizeibrutalität, Vorurteilsdenken und politische Entscheidungen, bei denen mit zweierlei Maß gemessen wird – Donald Trump konnte sie zwar nicht verhindern, dennoch brennen diese Themen vielen Kinogängern unter den Nägeln. Im Kleid eines bunten, humorvollen Animationsfilms sind sie obendrein angenehmer anzupacken als in einem niederschmetternden Historiendrama. «Findet Dorie» andererseits behandelt gefühlvoll sowie amüsant von den Herausforderungen, aber auch lohnenden Augenblicken, die das Zusammenleben mit einer psychisch benachteiligten Person mit sich bringt. Und «Vaiana» erzählt vom schwierigen Spagat zwischen „zu neuen Ufern aufbrechen“ und „sich treu bleiben“.

Selbst ein Erfolgsjahr wie 2016 brachte jedoch auch finanzielle Enttäuschungen mit sich. Der Stop-Motion-Film «Kubo – Der tapfere Samurai» kam trotz begeisterter Kritiken, zeitlosem Design und aufwühlender Story nicht in die schwarzen Zahlen und die herrlich-irre Trickkomödie «Störche – Abenteuer im Anflug» ging in der Flut an computeranimierten Produktionen unter.

«Vaiana»-Prognose

  • Endergebnis D: 2,0 Mio. Besucher
  • Endergebnis US: 250 - 300 Mio, Dollar
  • Endergebnis global: 700 Mio. Dollar bis eine Mrd. Dollar
Trotzdem werden Trickfilmliebhaber 2017 wohl freudig auf dieses Jahr zurückblicken, denn mit «Cars 3» wird die nächste Pixar-Fortsetzung qualitativ eher nicht an «Findet Dorie» heranreichen und Großproduktionen wie «Emoji Movie» sowie «Boss Baby» sehen ebenfalls nicht vielversprechend aus. Mit «The LEGO Batman Movie», Pixars Mexiko-Trip «Coco» und «Ich – Einfach unverbesserlich 3» haben Familien dennoch Grund, sich auf das nächste Trickjahr zu freuen – zumal es ja auch große Unbekannte wie Blue Skys Zahmer-Stier-Story «Ferdinand» gibt. Vor allem aber: Basierend auf den finanziellen Erfolgen und Kritikerlobeshymnen 2016 dürfte der Animationsfilm auf lange Sicht gestärkt aus diesem finsteren, betrüblichen Jahr hervorgehen und mit neuen Geniestreichen auf uns hinzukommen.

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Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
Nr27
14.12.2016 15:31 Uhr 1
Die Laika-Animationsfilme sind wohl einfach zu ungewöhnlich und anspruchsvoll für das ganz große Publikum, denn qualitativ hätte "Kubo" ein echter Blockbuster werden müssen. Vielleicht gewinnt er ja wenigstens den OSCAR (wobei da der ebenfalls tolle "Zoomania" leicht favorisiert ist), das würde wenigstens die Heimkino-Verkaufszahlen ankurbeln ...

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