Sülters Sendepause

Trumpzilla vs Mechahillary – warum Donald Trump die einzig logische Wahl ist

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Ein Mann mit dem Namen einer Ente, dafür aber ohne Frisur, Manieren oder tieferes politisches Faktenwissen wird Präsident des wohl stolzesten, freiheitsliebendsten und selbstbewusstesten Volkes dieser Welt. Ein Mann, dessen Ego jede Veranstaltung und dessen Peinlichkeiten jede Vorstellung sprengen gilt nun als große Hoffnung der Amerikaner für eine bessere Zukunft. Verrückt? Nein, absolut logisch.

Den Trend nicht verpennt


Keine Frage – die Amerikaner haben erneut bewiesen, dass sie nicht nur Vordenker par excellence auf vielen Gebieten sind, sie verstehen es auch, auf fahrende Züge aufzuspringen. Es war ihnen jedoch nicht interessant genug, neben den Thatchers und Merkels dieser Welt einfach auch eine Frau (und somit immerhin die erste in diesem Amt) ins Weiße Haus zu hieven. Lieber wollte man mit ganz großem Besteck den Ruck ins Chaos vollziehen und nach George W. Bush jr. den nächstgrößten anzunehmenden Unfall an die Spitze des Landes stellen.

Doch warum musste das passieren? Nun ja – die Wahl war wirklich keine leichte. Auf der einen Seite Donald Trump, Immobilienmilliardär, Ex-TV-Star, Lebemann und Maulheld. Ein Mann wie eine wildgewordene Naturgewalt: Laut, polterig, immer etwas neben der Spur. In der anderen Ringecke Hillary Clinton, Ex-First-Lady, Ex-betrogene Ehefrau, Vorzeigemutter und irgendwie mechanisch in ihrem Bemühen, kalkulierte Wärme auszustrahlen. Eine Frau wie ein Roboter. Zu perfekt um echt zu sein.

Doch was hätte dagegen gesprochen, diese erfahrene, im Ausland weitestgehend angesehene und politisch durchaus solide Hillary Clinton mit der Fortführung der Obama-Politik zu beauftragen, bis ein neuer, echter Heilsbringer – egal ob Demokrat oder Republikaner - die Bildfläche zu betreten bereit ist? Eine Präsidentin Clinton hätte die partnerschaftlichen wie konfliktbeladenen Beziehungen der USA gleichermaßen im Status Quo halten und ohne große Überraschungen das Land weiterverwalten können. Völlig risikofrei und garantiert ohne unvorhersehbare Nebenwirkungen.

Glaubte man den Expertenmeinungen und Vorabeinschätzungen, die wochenlang durch die Medien geisterten und den Reaktionen auf die Fernsehduelle, die in TV, Radio oder bei Twitter genüsslich seziert und kommentiert wurden, hätte es genauso kommen müssen. Doch wie so oft fungierten die Medien hier nur als ahnungsloser Link, operierend in einer Art von Rauchschwade. Man ließ sich täuschen – Trump, der Medienprofi manipulierte, intrigierte und abonnierte dabei wie von Geisterhand die Headlines rund um den Globus. Zuerst kommt eben die Frage, ob man im Gespräch ist. Danach erst, warum. Trump wusste das und nutze die Branche hier gnadenlos und verschmitzt als Sprungbrett in seine neue Karriere. Als die ersten begannen, diese Taktik zu durchschauen und die Gefahr zu erkennen, war es bereits zu spät.

Und auch die Demokraten selber müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, von der vermeintlichen Strahlkraft der Clinton-Sippe geblendet gewesen zu sein. Ein Bernie Sanders hätte mit seinem moralisch einwandfreien Ruf, seinen hohen Sympathiewerten und klaren politischen Vorstellungen und Äußerungen Trump vermutlich im Alleingang verhindert. Hier hat sich eine Partei - nicht zum ersten Mal - betriebsblind selbst ins Abseits gestellt.

No risk, no fun?


So entschied man sich seitens des Volkes am Ende eben nicht für die sichere Nummer. Der Frust sitzt offensichtlich sehr tief in diesem eigentlich so wunderbaren, großen und vielfältigen Land. Und damit sind die Amerikaner auch gar nicht alleine. 2016 ist das Jahr, in dem die Briten es geschafft haben, den Brexit zu vollziehen, ohne, dass dies scheinbar irgendjemand auf der königlichen Insel wirklich gewollt hat. In Deutschland hat die AfD sechsmal mit hohen zweistelligen Prozentzahlen den Sprung in Landesparlamente geschafft, befindet sich aktuell in zehn Bundesländern in der Opposition und konnte somit die Frust-Nische der im Vergleich harmlosen Piraten endgültig an sich reißen. Dazu konnte Pegida auf erschreckende Art eine noch breitere Öffentlichkeit finden und bereitet ungehemmt mit ihrer braunen Propaganda-Soße den Nährboden für unreflektierten Fremdenhass.

Die Erkenntnis ist nicht neu, erhielt dieses Jahr jedoch eine andere Qualität: Der weltweite Trend geht eindeutig zur Anti-Haltung, zum Frustwählen, zur Eskalation. Die Krone setzen dieser Entwicklung nun wieder einmal die Menschen aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten auf: Donald Trump als 45. Präsident der USA. Auch zwei Wochen nach der Wahl bleibt angesichts dieses Trauerspiels nur ungläubiges Augenreiben.

Yes, he can make America great again


Mit einem von Ronald Reagan abgekupferten Wahlslogan, Milliarden auf der Bank und einem schier unerschöpflichen Repertoire aus Peinlichkeiten, Fehltritten, Dummheiten und Fremdschäm -Momenten gelang dem blondierten Playboy eine Selbstinszenierung, die für einen Platz in der Jury von «America´s got Talent» sicher hätte reichen dürfen – niemals aber für ein relevantes politisches Amt. Dennoch schafften es knapp 50% der Amerikaner, genau diesen Mann zu wählen und per undurchsichtigem Wahlmänner-Verfahren zum Sieg zu treiben. Genau dieses hatte auch schon Anno Tobak dem eingangs erwähnten George W. Bush jr. den Sieg über Al Gore geschenkt, der - wie auch Clinton jetzt – eigentlich mehr Wählerstimmen auf sich hatte vereinen können. Dass sich unter Trumps Wählern trotz aller Eskapaden und rhetorischer Aussetzer, sogar Frauen, Latinos oder Farbige befanden, zeigt, dass es bei dieser Wahl schon lange nicht mehr um Inhalte ging, sondern um das Durchsetzen eines großangelegten Crash. Trump wurde ein Mittel zum Zweck. Ein Mittel, dem Establishment zu zeigen, dass der große Hammer eben nicht nur zur Zierde an der Wand hängt, sondern vom Volk durchaus fachmännisch bedient werden kann. Die Amerikaner hatten die Schnauze schlicht voll vom immer Gleichen. Wenn das Vertrauen in die Anführer fehlt, reicht eben im Zweifelsfall der Nächstbeste, der laut genug schreit. Ungeachtet des Inhalts des Gesagtem.

Spiel mir das Lied vom Frust


Und somit sind wir wieder beim globalen Phänomen. Wir sind unzufrieden. Unzufrieden mit Job, Chef und Bezahlung, den bösen Nachbarn, dem Staat, dem Wetter – einfach mit allem. Irgendwo teilt jeder dieses Gefühl, dass sich etwas ändern muss, dass die Welt wie wir sie kennen und lieben nach und nach zum Teufel geht. Diese Angst vor einer undefinierten Gefahr, die sich wahlweise als verschlagener Ausländer oder korrupter Wirtschaftsboss manifestieren kann, steckt in uns und muss nur herausgekitzelt werden. Gruppierungen wie die AfD oder Pegida sowie Menschen wie Donald Trump schüren diese Angst – durch vage Andeutungen, Dampfplauderei und Panikmache. Gefeit ist niemand gegen diese Art von Gehirnwäsche. Zu leicht ist es, eigene Unzulänglichkeiten auf andere zu schieben. Aus dieser Grundhaltung heraus erwachsen Individuen oder Institutionen, die uns vermeintlich aus dem Schlamassel führen wollen, letztlich aber nur zeigen, wie angenehm-gemäßigt es bisher zugegangen ist. Dass diese in den seltensten Fällen große Ergebnisse liefern und zum Glück genau so selten wirkliches Chaos herbeiführen können, dürften den einen oder anderen zumindest etwas beruhigen. Für den Moment haben die Briten den Brexit genau so verdient wie wir Deutschen die AfD oder Pegida - und die Amerikaner eben ihren Donald. Sollten große Eskalationen während dessen Amtszeit dann ausbleiben, wird der Trump-Zwischenfall zumindest erneut im großen Stil beweisen, dass Frustwählen keinem weiterhilft. Und vielleicht zeigt sich dann in vier Jahren ja ein Kandidat, der tatsächlich mal wieder mit Inhalten überzeugen kann. Diese Hoffnung sollten auch wie Deutschen nicht verlieren.

Conclusio


Steckbrief

Björn Sülter ist bei Quotenmeter seit 2015 zuständig für Rezensionen, Interviews & Schwerpunkte. Zudem lieferte er die Kolumne Sülters Sendepause und schrieb für Die Experten und Der Sportcheck.
Der Autor, Journalist, Podcaster, Moderator und Hörbuchsprecher ist Fachmann in Sachen Star Trek und schreibt seit über 20 Jahren über das langlebige Franchise.
Er ist Experte bei SYFY sowie freier Mitarbeiter bei Serienjunkies, der GEEK! und dem FedCon Insider und Chefredakteur des Corona Magazine.
Seine Homepage erreicht ihr unter Sülters Sendepause, seine Veröffentlichungen als Autor auf seiner Autorenseite.
Es ist wie es ist. Trump ist da und die Welt wird auch ihn überleben. Zur Not muss Phil Collins Genesis reaktivieren und mal wieder ein Lied samt Video zum Thema machen, das uns in dieser wenig erfreulichen Phase zumindest zum Lachen bringt. Ob Donald Trump dann wirklich eine Mauer zu Mexiko bauen oder Millionen Einwanderer ausweisen wird, Hillary Clinton vor Gericht stellt oder seinem kompletten weiblichen Stab nach und nach ins Höschen greift, bleibt abzuwarten. Viel größer ist aber die Wahrscheinlichkeit, dass er in vier Jahren als größte Pfeife im Amt des US-Präsidenten den wunderlichen Cowboy George W. den Zweiten ablösen wird. Sollte es dazu kommen, hätten die USA ihre Wahl zumindest nur mit einem blauen Auge und dem Spott der restlichen Welt bezahlt. Hoffen wir das Beste. Auf das unentdeckte Land: Die Zukunft. Langweilig wird sie sicher nicht.

Der Sülter hat für heute Sendepause, ihr aber bitte nicht – Wie geht es euch mit der US-Wahl? Hat euch der Ausgang geschockt? Oder habt ihr damit gerechnet? Was haltet ihr von Trump? Was wäre Clinton für eine Präsidentin geworden? Hätte Bernie Sanders gegen Trump gewonnen? Was heißt das Ergebnis für die Zukunft der USA oder für Europa? Denkt darüber nach und sprecht mit anderen drüber. Gerne auch in den Kommentaren zu dieser Kolumne. Ich freue mich drauf.

In 14 Tagen sehen wir uns zur nächsten Ausgabe von «Sülters Sendepause».

Die Kolumne «Sülters Sendepause» erscheint in der Regel alle 14 Tage Samstags bei Quotenmeter.de und behandelt einen bunten Themenmix aus TV, Film & Medienlandschaft.

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