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Sonntagsfragen

'Wenn dich möglichst viele mögen, bist du möglicherweise egal'

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Zum Start der neuen «Ponyhof»-Staffel bei TNT Comedy unterhält sich Quotenmeter.de mit den Moderatorinnen Annie Hoffmann und Jeannine Michaelsen über Metahumor, Social Media, die Fragmentierung des Fernsehens und Erwartungsdruck.

Geht ihr entspannter in die zweite Staffel, weil ihr nun wisst, dass euer Humor ein Publikum hat – oder empfindet ihr nun einen größeren Druck als zuvor, frei nach dem Motto: „Die neuen Folgen müssen noch besser werden“?
Annie Hoffmann (blickt die beim Interview anwesenden Vertreter des Senders an, lacht): Da musst du den Sender fragen, ob die neue Staffel besser werden muss.

Jeannine Michaelsen: Ich finde durchaus, dass der Druck nun größer ist. Wobei der nicht von außen kommt, sondern aus einem selber heraus. Letztes Jahr hatte es was von „Ins kalte Wasser springen“. Kleine Sendung, kleines Team, kleiner Sender, wir alle hatten wenig Erfahrung miteinander. Danach passierten plötzlich ein paar Dinge, die uns zugute kamen. Es gab einige sehr schöne Kritiken und Nominierungen, über die wir uns gefreut haben. Wenn man danach in eine zweite Runde geht, will man alles, nur nicht schlechter werden. Und idealerweise bleibt man auch nicht gleich, sondern zeigt wenigstens so ein bisschen, dass eine Lernkurve da ist.

Was hat sich, vom gesteigerten Druck und der Anwesenheit eines Studiopublikums abgesehen, gegenüber Staffel eins verändert?
Jeannine Michaelsen: Es haben sich lediglich bereits laufende Prozesse weiterentwickelt. Der große Vorteil bei Staffel zwei ist, dass wir uns alle im Team besser kennen und vor allem Annie und ich nun stärker aufeinander eingespielt sind. Wir haben letztes Jahr praktisch bei Null angefangen. Jetzt dagegen können wir nicht nur von unseren Erfahrungen beim Dreh der ersten Staffel zehren, sondern auch von der ganzen Zeit zwischen den beiden Staffeln, die wir ja sehr intensiv miteinander verbracht haben. Wir wohnen auch mittlerweile zusammen …

Annie Hoffmann: Du kannst ruhig sagen, dass wir nicht nur zusammen wohnen, sondern auch ein Paar sind!

Jeannine Michaelsen: Wobei wir uns noch nicht einig sind, was auf dem Klingelschild zu stehen hat!

Annie Hoffmann: Ich bin ja noch immer für Hoffmann-Michaelsen.

Jeannine Michaelsen: Klar, dass du deinen Namen vor meinem stehen haben willst! Wie auch immer: Wir kennen uns nun besser und haben eine gemeinsame Sprache gefunden, was Absprachen und Abläufe bei der Produktion sehr vereinfacht. Auch im Umgang mit Leuten, die neu dazu stoßen, weil sie sich in einem eingespielten Team wiederfinden, statt in einem, das sich noch eingrooven muss.

Annie Hoffmann: Wobei man sagen muss, dass es zu unserem Glück nur wenige Änderungen hinter den Kulissen gab. Wir sind in der Zusammenstellung nahezu komplett so geblieben wie bei Staffel eins, was die Atmosphäre sehr beeinflusst. Beim ersten Meeting gab es direkt das große Hallo, statt des verschüchterten „Ja, hallo, ich bin übrigens die Annie …“ Das ist natürlich sehr schön.

Wir brauchen die Reaktionen einfach. Niemand stellt sich auf eine Bühne und sagt ehrlich zu sich selbst: „Ist mir egal, wie andere Leute das finden, was ich mache.“ Wir alle haben diesen Weg eingeschlagen, weil wir gerne andere Menschen unterhalten. Da sind sofortige Rückmeldungen einfach befriedigender als ins Nirvana zu moderieren, begleitet von der Hoffnung: „Irgendwann, irgendwo schmunzelt wer darüber …“
Jeannine Michaelsen
Wirkte sich die Einführung des Studiopublikums ebenfalls auf eure Arbeit aus?
Jeannine Michaelsen: Die Ansprache ist sofort eine andere. In einem leeren Studio zu moderieren war für mich sehr ungewohnt. Ich kenne sonst nur die MAZ-Situation und das Szenario „vor einem Studiopublikum“. Da war es schon sehr seltsam, stets nur in das Gesicht von unserem einzigen Zuschauer Heinz zu sprechen. Das ist zwar ein ganz tolles Gesicht, so wundervoll, lieb und warm … Trotzdem hemmt es dich, wenn du es gewohnt bist, direktes Feedback zu bekommen, und dann stehst du in einem Studio, in dem sich nur zwei weitere Leute befinden, die ganz leise sind. Das ist so, als würde man in großer Runde einen Gag erzählen, und alle gucken dich nur schweigend an, obwohl du denkst: „Aber der war doch echt gut …“ Dann kommen sofort die Zweifel: „War er etwa doch nicht lustig?“ Für mich ist das Moderieren in Staffel zwei daher ein riesiger Unterschied.

Annie Hoffmann: Genau, es entspannt, eine sofortige Reaktion zu haben. In Staffel eins habe ich ab und zu mal hinter die Kamera geschielt und gesehen: „Ah, okay, da wird geschmunzelt, also war das vielleicht nicht ganz so mies.“ Jetzt schaue ich in dutzende Gesichter, und wenn die lauthals lachen, gibt das ein größeres Gefühl der Bestärkung.

Jeannine Michaelsen: Wobei die ja manchmal nicht wegen uns lachen, sondern weil die sich heimlich irgendwelche lustigen YouTube-Videos anschauen! Die lachen nicht unbedingt wegen uns …

Annie Hoffmann: Doch, doch. Die lachen unseretwegen.

Jeannine Michaelsen: Der Frau Hoffmann erzählen wir immer, die würden wegen uns lachen, dabei wissen wir alle, dass die nur wegen der YouTube-Videos über stolpernde, dicke Kinder lachen.

Annie Hoffmann: Einen Unterschied macht es trotzdem!

Zumindest ich als Zuschauer würde tatsächlich sagen, dass es die Sendung verbessert. Einer meiner Kritikpunkte an der ersten Staffel war, dass in den Studiomomenten nach den Pointen gelegentlich kurze Augenblicke des peinlich-betretenen Schweigens vorkamen, was sich einfach nicht „richtig“ angefühlt hat. Die Aufzeichnung, die ich zu Staffel zwei mitverfolgen durfte, hatte da von eurer Seite aus einen ungezwungeneren, natürlicheren Duktus …
Jeannine Michaelsen: Das ist auch meine Beobachtung, dass die Studiomomente in Staffel zwei nicht bloß anders sind, sondern besser. Wir sind nun einmal kein TV-Magazin, bei uns geht es auch in der Moderation um Pointen, es geht darum, zu unterhalten und spaßig zu sein. Und wenn man wochenlang diese ganzen MAZen gedreht hat, dann will man die auch jemandem zeigen, und der soll da verdammt nochmal auch lachen! Sonst hat man das Ganze ja umsonst gemacht! (lacht) Wenn du Zuhause auf deiner Couch sitzt und lachst, ist das natürlich sehr schön. Habe ich aber nichts von, denn das bekomme ich ja nicht mit! Deswegen sind die Leute im Studio, zumindest für den Moment der Aufzeichnung, gefühlt wichtiger als die ganzen Leute, die das vielleicht irgendwann witzig finden … Wir brauchen die Reaktionen einfach. Niemand stellt sich auf eine Bühne und sagt ehrlich zu sich selbst: „Ist mir egal, wie andere Leute das finden, was ich mache.“ Wir alle haben diesen Weg eingeschlagen, weil wir gerne andere Menschen unterhalten. Da sind sofortige Rückmeldungen einfach befriedigender als ins Nirvana zu moderieren, begleitet von der Hoffnung: „Irgendwann, irgendwo schmunzelt wer darüber …“

Annie Hoffmann: Vor allem ist die Reaktion des Studiopublikums das allererste unbefangene Feedback auf die Einspieler. Klar, man schaut die sich selber vorher an, ebenso das Team und der Sender, aber das ist nicht dasselbe.

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