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Pay-TV in Deutschland: Weitere Rekorde erwartet

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Die Pay-TV-Umsätze sind 2015 laut VPRT erneut auf Rekordniveau gestiegen. Bei der Vorstellung der Zahlen in München waren vor allem Eigenproduktionen und mögliche Free TV-Projekte zentral.

Der VPRT

Der Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) ist die Interessenvertretung der privaten Sender. Der Arbeitskreis Pay-TV stellte am Donnerstag zum vierten Mal die Jahreszahlen der Pay-TV-Sender Deutschlands vor. Die zentralen Themen des AK sind die Digitalisierung, Übertragungswege, EPG, Reichweitenmessung und Vermarktung.
Für das Pay-TV könnte es in Deutschland derzeit wohl kaum besser laufen. Nachdem die Umsätze in den Nuller Jahren stagnierten, steigen die Zahlen im aktuellen Jahrzehnt weiterhin rasant an. Seit 2012 verzeichnete die Branche in Deutschland und im deutschsprachigen Raum (Deutschland/ Österreich/ Schweiz) ein Umsatzwachstum von 25 Prozent. Die aktuelle Studie zum Marktüberblick stellte der Arbeitskreis Pay-TV des Verbandes Privater Rundfunk- und Telemedien (VPRT) nun in München vor.

Demnach stiegen die Umsätze laut eigenen Angaben in Deutschland im abgelaufenen Jahr im Vergleich zu 2014 um 12 Prozent auf 2,49 Milliarden Euro. Im deutschsprachigen Raum generierten die Anbieter insgesamt 2,7 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr erwarte man zum ersten Mal das Überschreiten der 3 Milliarden-Marke im gesamten deutschsprachigen Raum – für Deutschland prognostiziert der VPRT einen Umsatz in Höhe von knapp 2,8 Milliarden Euro.

Dabei ist der Video-on-Demand-Bereich (VoD) derzeit der dynamischste Wachstumsmarkt. Man erwarte eine Steigerung von 20 bis 30 Prozent auf diesem Gebiet – in absoluten Zahlen ist das Wachstum jedoch nicht ganz so hoch wie beim linearen Pay-TV, das 2016 laut Prognose um sechs bis acht Prozent steigen soll. Derzeit machen die Paid-VoD-Einnahmen nur knapp 12 Prozent des Gesamtumsatzes aus.

Marktanteile im Aufwind


Auch die Abonnentenzahlen erreichten 2015 neue Rekordwerte und stiegen um knapp sechs Prozent. Insgesamt 7,4 Millionen Pay-TV-Bezieher verzeichnete der VPRT in Deutschland, im restlichen deutschsprachigen Raum kommen nochmal 800.000 hinzu. Auch hier geht der Verband im laufenden Jahr von einem stetigen Wachstum aus: auf 7,8 Millionen Abonnenten in Deutschland und zusätzlich 900.000 im deutschsprachigen Raum. Vor allem aber die Reichweite des Pay-TV legte ordentlich zu. Erreichten die Bezahlsender 2014 zusammen noch knapp 10,31 Millionen Zuschauer im Monatsschnitt, waren es im vergangenen Jahr schon 11,73 Millionen – eine Steigerung von fast 14 Prozent. Im ersten Halbjahr 2016 waren es im Schnitt bereits 12,42 Millionen. Diese Entwicklung drückte sich auch in den Marktanteilen aus. Die Pay-TV-Sender kamen 2015 auf durchschnittlich 2,8 Prozent beim Gesamtpublikum (+ 0,3 Prozentpunkte), bei den 14- bis 49-Jährigen waren es 4,1 Prozent (+ 0,6 Prozentpunkte). Betrachtet man nur Haushalte mit Pay-TV, kletterten diese Zahlen auf 17,1 (+ 1,1) und 20,5 Prozent (+ 3,0).

Man erwarte in Zukunft weiter Rekordwerte, meinte neben Disney-Vice President Lars Wagner auch Hannes Heyelmann, Geschäftsführer von Turner in Zentral- und Osteuropa – jenes Unternehmen, in dem unter anderem die deutschen TNT-Sender beheimatet sind. Für Turner in Deutschland stehen demnächst Projekte wie die dritte Eigenproduktion «4 Blocks» oder die zweite Staffel der Comedyshow «Ponyhof» im Fokus. Man wolle die Qualität der bestehenden Sender weiter ausbauen – wobei die Qualität Vorrang vor der Quantität habe. Bis Ende 2017 werde man gemeinsam mit Turner International „mehr als zehn neue Serien bzw. neue Staffeln bereits angelaufener Serien produzieren, die wir exklusiv auf unseren Sendern TNT Comedy und TNT Serie als Deutschlandpremiere zeigen werden“, so Heyelmann.

Paid oder Free? „Es geht nur darum, den Nutzer zu erreichen“


Der erfolgreichste Sender im deutschen Pay-TV-Markt ist dabei erneut Sky Bundesliga. Sämtliche Übertragungen der Fußball-Bundesliga verhalfen dem Sender 2015 zu durchschnittlich 2,3 Prozent Marktanteil bei allen und 2,7 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen (in Pay-TV-Haushalten). Laut dem Vorsitzenden der Sky-Geschäftsführung Carsten Schmidt wolle man weiter in Qualität der Programme und bessere Technologie investieren. „Mit Investitionen in eigenproduzierte Serien (u.a. «Babylon Berlin», «Das Boot»; d. Red.), technologische Innovationen wie der Einführung von Ultra HD und dem Ausbau unseres Senderportfolios machen wir Sky noch attraktiver.“ Die für viel Geld erworbenen Rechte an der Bundesliga wolle man nicht über Preiserhöhungen refinanzieren, jedoch werde man die „Preisanpassungsspielräume“ vernünftig ausnutzen.

Angesprochen auf die kommende Freischaltung von Sky Sport News HD kündigte Schmidt an, dass Sky keine weiteren Pläne in Richtung Free TV habe. Im Allgemeinen gibt es bei den Pay-TV-Sendern keine Ambitionen, sich stärker auf das frei empfangbare Fernsehen zu fokussieren oder gar die Mauern zwischen Bezahl- und freiem Fernsehen einzureißen – vor allem Turner-Geschäftsführer Heyelmann und NBC-Universal-Chefin Katharina Behrends äußerten sich diesbezüglich deutlich. Nur FOX-Geschäftsführer Marco de Ruiter war etwas zurückhaltender: „Wir haben das nicht in den nächsten drei Monaten vor, würden es aber auch nicht ausschließen.“ Man dürfe zwischen Paid und Free TV keine allzu scharfen Grenzen ziehen – siehe die steigenden Einnahmen aus HD+ bei den frei empfangbaren Sendern. Letztlich ginge es nur darum, die Nutzer zu erreichen, so de Ruiter.

„Wir wollen in Qualität investieren und sie messbar machen.“


Carsten Schmidt von Sky erneuerte darüber hinaus seine Kritik an der Quotenmessung der AGF thematisierte das für 2017 geplante eigene Marktforschungs-Panel mit 15.000 Sky-Nutzern. Die bisherige Quotenmessung sei nicht zufriedenstellend, da vor allem auch die Reichweite von VoD bisher nicht berücksichtig wird. Beispielsweise hätten 45 Prozent der Zuschauer die sechste Staffel «Game of Thrones» nicht linear gesehen – bei «Downton Abbey» und «House of Cards» lägen diese Werte gar bei 72 bzw. 76 Prozent. Ziel des Panels seien höhere Werbeeinnahmen und eine verbesserte Akquisition, wobei man jedoch gegenüber der AGF „dialogorientiert“ bleibe und kein Konkurrenzmodell etablieren wolle. „Wir wollen in Qualität investieren und sie messbar machen.“

Lineares TV oder Streaming?


Die gefragtesten Programme 2015 im Pay-TV

  • Live: Borussia Dortmund - FC Bayern (Sky BuLi, 1,30 Mio.)
  • Serie: «The Walking Dead» 6x02 (FOX Serie, 0,43 Mio.)
  • Film: «Guardians of the Galaxy» (Sky Cinema, 0,54 Mio.)
Im fiktionalen Bereich waren unter den Pay-TV-Sendern die Angebote von NBCUniversal am erfolgreichsten. Beim Gesamtpublikum lag 13th Street im vergangenen Jahr vor Sky Sport, SyFy folgte auf Platz vier. Bei den 14- bis 49-Jährigen lag der Science-Fiction-Sender sogar vor Sky Sport. Katharina Behrends, Managing Director im deutschsprachigen Raum bei NBCUniversal, ist „stolz“ auf die Quoten ihres fiktionalen Pay-TV.

Jedoch seien Quoten nicht alles, vielmehr müsse man auf eine gute Mischung mit Neuentdeckungen setzen. „Wir wollen die Qualität einer Serie herausstellen.“ Vor allem klar positionierte Sender seien das Erfolgsrezept. Die Zuschauer erhielten mit den Universal-Angeboten „speziell auf ihren Fernsehgeschmack zugeschnittenes Qualitätsprogramm.“ In den kommenden Monaten beginnt beispielsweise die Comedyserie «Superstore», die erste Scripted Virtual Reality-Serie «Halcyon» oder die von Annette Reeker auf eigene Faust produzierte Krimiserie «Cape Town». Außerdem sei derzeit eine Miniserie für 13th Street in Produktion, über die Behrends noch nicht allzu viele Worte verlieren wollte. Geplant sei die Ausstrahlung für das Frühjahr 2017. Die Investition in Eigenproduktionen war für alle Teilnehmer des Gesprächs in München zentral.

Dank Anbietern wie Netflix oder Amazon Prime ist jedoch auch die Debatte rund um die Konkurrenz zwischen linearer Ausstrahlung und non-linearen Streaming-Möglichkeiten ein zentrales Thema. Eine gute Mischung aus beidem werde die Zukunft der Pay-TV-Sender weiterhin bestimmen. Carsten Schmidt von Sky kündigte an, dass man in beide Wege investieren werde. Hannes Heyelmann ergänzte, dass man die Diskussion nicht schwarz-weiß sehen dürfe. Nutzer sollten schlichtweg die Entscheidungsfreiheit zwischen linear und non-linear haben, wobei man sich als Anbieter jedoch nicht nur auf das lineare TV-Angebot konzentrieren dürfe. Gottfried Zmeck, Vorstandsvorsitzender von Mainstream Media (u.a. Heimatkanal, Romance TV) ist der Ansicht, dass man sich „nicht kirre machen lassen“ solle und plädierte dafür, mittels klassischem Fernsehen Gewohnheiten beim Zuschauer zu schaffen.

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