US-Check

Wie laufen die EM und die Copa América in den USA?

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Das größte europäische Fußballturnier wird mittlerweile auch in den USA gezeigt, doch wie verläuft ein Wettbewerb ohne US-Beteiligung, zumal das Nationalteam parallel selbst in einem großen Turnier spielt?

Wie bereits 2012 sicherte sich der amerikanische Sportsender ESPN auch 2016 die Übertragungsrechte an der UEFA Europameisterschaft. Nachdem die Einschaltquoten bei der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren sehr gut waren und auch die Frauennationalmannschaft noch immer ein Quotengarant im US-Fernsehen ist, hofft die UEFA auf große Medienaufmerksamkeit in den USA, alleine schon aufgrund der Erlöse aus den Lizenzgebühren. Parallel zur Europameisterschaft findet allerdings auch die Copa América Centenario statt. Traditionell ist die Copa América das südamerikanische Gegenstück zur Europameisterschaft, also ein kontinentales Nationen-Turnier. In Nord- und Mittelamerika findet hingegen der Gold Cup statt. 2016 gibt es jedoch eine überraschende Änderung dieser Prozedur und die Copa América findet sowohl mit süd- als auch mittel- und nordamerikanischer Beteiligung statt. Darüber hinaus fungieren die USA als Gastgeber des Turniers.

Als Experten für die Spielanalysen sicherte sich ESPN die Dienste des ehemaligen Kapitäns der deutschen Nationalmannschaft, Michael Ballack. Ballack arbeitete bereits vor vier Jahren mit dem Sportsender zusammen, damals stellte man ihm noch Alexi Lalas an die Seite, während inzwischen Taylor Twellman, der sogar zwei Jahre bei 1860 München spielte, als zweiter Experte fungiert. Nach den ersten Tagen des Turniers scheinen die Produzenten sehr zufrieden mit ihrer Entscheidung zu sein, schließlich wird das Duo regelmäßig für seine Diskussionen von den Zuschauern gelobt.

Das Eröffnungsspiel der Europameisterschaft bestreitet traditionell der Gastgeber. Das Aufeinandertreffen zwischen Frankreich und Rumänien wurde von 662.000 US-Amerikanern verfolgt. Die Partie wurde allerdings auch nur auf ESPN 2 übertragen. Das Spiel zwischen Albanien und der Schweiz war schließlich das erste Duell zweier Nationalteams auf ESPN und lockte umgehend 651.000 Zuschauer an. Somit zeigte sich bereits nach zwei Spielen, dass in puncto Quote für den Gastgeber der Euro mehr drin gewesen wäre.

Die Reichweiten stiegen deutlich an, als sich die Teams aus Großbritannien in das Turnier einschalteten. Den Auftakt machte dabei die Auswahl aus Wales, die auf die Slowakei traf und ESPN 869.000 Zuschauer bescherte. Als England auf Russland traf, wurde erstmals die Millionen-Zuschauermarke geknackt. Die Partie fand insgesamt vor rund 1,20 Millionen Zuschauern statt, womit die Europameisterschaft eine erste Duftmarke in den USA setzte.

Auf den zwischenzeitlichen Höhenflug folgte am 12. Juni jedoch wieder Ernüchterung, denn die Begegnung zwischen Kroatien und der Türkei verfolgten rund 635.000 Zuschauer. Dabei sollte man jedoch nicht vernachlässigen, dass die Spiele häufig unter der starken Zeitverzögerung leiden. Schließlich liegen zwischen der Zeit hierzulande und der Zeit in New York sechs Stunden Unterschied, in Los Angeles beträgt der Unterschied sogar neun Stunden. Dies wirkt sich vor allen Dingen auf die Spiele aus, die um 15.00 Uhr Mitteleuropäischer Zeit angepfiffen werden.

Am 12. Juni schaltete sich auch die Gruppe C, in der auch die DFB-Elf spielt, ins Turnier ein. Das Aufeinandertreffen zwischen Polen und Nordirland scheiterte knapp an einer Million Zuschauer und erreichte insgesamt 935.000 US-Amerikaner. Die Auftaktbegegnung des amtierenden Weltmeisters gegen die Ukraine schaffte es mit zirka 1,17 Millionen Zuschauern nicht, einen neuen Rekord für das laufende Turnier aufzustellen. Wie die zweite Partie des Nationalelf gegen Polen verlief, ist aktuell noch nicht bekannt. Die UEFA Europameisterschaft genießt also durchaus hohes Ansehen in den USA.

Bereits am 3. Juni startete in den USA die Copa América Centenario mit dem Aufeinandertreffen zwischen den USA und Kolumbien auf FOX Sport 1. Die Partie lockte umgehend 1,54 US-Amerikaner zum Sender. Ein durchaus beachtlicher Wert, an dem sich die Europameisterschaft im weiteren Verlauf des Turniers messen muss. Allerdings erreichten bei Leibe nicht alle Spiele dieses Niveau. So begeisterte beispielsweise das dritte Spiel im Turnier, Haiti gegen Peru, gerade einmal 138.000 Zuschauer, wobei die Begegnung nur auf dem reichweitenschwächeren Sender FOX Sport 2 ausgestrahlt wurde.

Die brasilianische Nationalauswahl traf im ersten Spiel auf die Auswahl aus Ecuador. Der einstige Quotengarant ist das Team aus Brasilien jedoch nicht mehr, schließlich verfolgten das Spiel nur 598.000 Zuschauer. Da die USA seit jeher ein Zuwanderungsland sind und ein nicht unbeträchtlicher Teil der Bevölkerung mexikanische Wurzeln hat, erreicht auch diese Landesauswahl für gewöhnlich gute Werte. Die Vorrundenpartie gegen Uruguay war das bis dahin mit 619.000 Fußballfans das zweitmeist gesehene Spiel des Turniers. Auch die Landesauswahl der Argentinier, immerhin Vizeweltmeister, kam mit 862.000 Zuschauern auf FOX Sport 1 auf einen guten Wert.

Ein weiteres Ausrufezeichen setzten jedoch die USA in ihrem zweiten Vorrundenspiel gegen Costa Rica am 7. Juni. Insgesamt schalteten 1,60 Millionen Zuschauer ein. Auch das zweite Spiel Mexikos kam mit 779.000 Zuschauern erneut auf einen guten Wert, während das Duell zwischen Ecuador und Peru mit gerade einmal 148.000 Zuschauern als weiteres Negativbeispiel angesehen werden kann. Mit 1,15 Millionen Zuschauern schaffte es auch Argentinien erneut zu überzeugen und sich vom ewigen Konkurrenten Brasilien abzusetzen. Die Selecao, so der Spitzname der Brasilianer, traf im zweiten Vorrundenspiel auf Haiti und lockte dabei nur 624.000 Zuschauer zu FOX Sport 1.

Zum Ende der Vorrunde machte das Team von Nationaltrainer Jürgen Klinsmann noch einmal deutlich, dass sich der Fußball seinen Platz in der US-Gesellschaft nach und nach erkämpft. Das US-Team traf auf die Landesauswahl Paraguays und knackte die Marke von zwei Millionen Zuschauern. Insgesamt fanden sich rund 2,06 Millionen US-Bürger vor den Bildschirmen ein.

So wird deutlich, dass der Fußball auch in den USA auf immer mehr Interesse stößt. Vor allen Dingen das eigene Nationalteam sticht aus der Masse heraus, aber auch die Teams aus Argentinien und Mexiko bescheren den US-Sendern regelmäßig freudige Gesichter. Die Kicker vom Zuckerhut blieben nicht nur in Puncto Quote hinter ihren Möglichkeiten zurück, sondern scheiterten auch sportlich bereits in der Vorrunde des Turniers.

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