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3.500 Live-Spiele in 25 Jahren: Was macht dieses Fußball-Urgestein eigentlich?

Vom Sehen kennen ihn die Meisten. Seinen Namen wissen nur einige. Und was dieser Sky-Mitarbeiter am Spielfeld genau zu tun hat, ist Vielen ein Rätsel. Wir klären auf und haben mit dem Mann, der Live-Bundesliga im TV seit der Geburtsstunde begleitet hat, gesprochen.

Er ist das Fußball-Urgestein schlechthin im deutschen Fernsehen. Die Rede ist nicht etwa von bekannten Köpfen wie Marcel Reif, Fritz von Thurn und Taxis oder Sebastian Hellmann. Selbst alte Hasen wie Interviewer Rollo Fuhrmann können mit ihm nicht mithalten. Klaus Hoffmann ist in der Tat der einzige im Sky-Team, der schon 1991 bei der allerersten Live-Übertragung eines Bundesliga-Spiels mit an Bord war. Und bis heute fehlt er an keinem Bundesliga-Spieltag. Aufmerksame Beobachter kennen sein Gesicht. Aber kaum einer weiß, was der Mann mit Glatze am Spielfeldrand genau macht.

Klaus Hoffmann ist Live-Koordinator beim Bundesliga-Sender und für Sky auch im DFB-Pokal oder der Champions League im Einsatz. In den 25 Jahren am Spielfeldrand kommt Hoffmann eigenen Schätzungen zufolge auf etwa 3500 Spiele, die er live verfolgt hat. „Das ist schon ein absolutes Privileg, eine solche Tätigkeit ausüben zu dürfen“, sagt er im Gespräch mit Quotenmeter.de. Als Live-Koordinator ist Hoffmann „Bindeglied zwischen den verschiedenen Produktionen und Redaktionen, den Vereinen und Spielern vor Ort.“ Oder anders gesagt: Irgendwie ist Hoffmann Mädchen für alles. Sky setzt Hoffmann bei den wichtigen Einzelspielen des Senders ein, die direkt im Stadion produziert werden. Anders als samstagnachmittags, wenn mehrere Spiele gleichzeitig laufen und die Vorberichte aus vielen Stadien kommen, ist der Druck etwa am Freitagabend oder sonntags um 17.30 Uhr für die Macher der Rahmenberichte größer. Ein ausfallender Interviewpartner kann dann schon mal kurzzeitig für Chaos sorgen.

Bundesliga Ende der 80er: Eine öffentlich-rechtliche Domäne


„Wenn dann da keiner steht, dann muss der Kommentator eben ins Reden kommen. Und das versuche ich zu verhindern. Ich kenne alle in den Stadien und kann das ein bisschen lenken“, sagt Hoffmann. Darüber hinaus ist er auch ständig auf der Suche nach den neuesten Informationen – sei es von Vereinsseite oder auch von anderen Kollegen im Stadion. Das hat sich in den vergangenen 25 Jahren nicht geändert. Sonst aber gibt es gravierende Unterschiede zwischen einer Live-Produktion im Jahr 1991 und dem Jahr 2016. Noch sehr gut erinnert sich Hoffmann an Probleme aus den Anfangsjahren. „Damals haben nur die öffentlich-rechtlichen Sender berichtet, irgendwann stieg dann RTLplus mit Uli Potofski noch in die Berichterstattung ein.“ Üblich waren Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre vier Kameras im Stadion. „Damals gab es neben der Führungskamera noch eine 16er hoch und eine Hintertorkamera. Und dann kommt Premiere und stellt plötzlich 20 Kameras auf.“

Das war eine kleine Revolution, die nicht ohne das ein oder andere Problem abging. „Die Bandenwerber haben anfangs nicht verstanden, wie TV funktioniert und wollten, dass wir unsere Kameras nach deren Werbebotschaft ausrichten.“ Teilweise mussten Podeste, auf denen die Kameras zu positionieren waren, selbst errichtet werden. Im altehrwürdigen Münchner Olympiastadion, der einstigen Heimat des FC Bayern München, waren die vorgesehenen Kommentatorenplätze direkt unter dem Dach angesiedelt. „Der Kommentator hätte von dort aus ein Fernglas gebraucht.“ Entsprechend wurden auch für seine Position spezielle Podeste aufgebaut, um ihn „mittendrin im Geschehen“ zu haben. Damals musste Sender Premiere auch noch genau angeben, wie viel Strom verbraucht wurde. Und es kam sogar vor, dass Vereine im Falle einer länger dauernden Sendung diesen extra in Rechnung stellten.

Von kleinen und großen Paketen


Heute ist die Sportcast, eine Tochterfirma der DFL für die Produktion der Live-Bilder verantwortlich – und auch die Technologie hat sich geändert. Manchmal aus finanziellen Gründen. Die so genannte Spider Cam, eine an Schnüren durch die Luft gleitende Kamera, die tolle Bilder liefert, aber teuer und aufwändig zu installieren ist, werde nur noch bei besonderen Spielen eingesetzt. Hoffmann spricht dann von einem „großen Paket“, was den Produktionsaufwand angeht. Kaum mehr möglich ist hingegen der Einsatz von Kamerakränen, die noch in den 90ern regelmäßig hinter dem Tor angebracht waren und Bilder aus der Luft hinter dem Gehäuse einfingen. „Heute haben wir größtenteils reine Fußballstadien. Da fehlt hinter dem Tor einfach der Platz, den ein solcher Kran benötigt“, erklärt er. Nur in Stuttgart oder Berlin wäre der Einsatz einer solchen Kamera heute überhaupt noch möglich. Stattdessen setzen immer mehr Sender am Spielfeldrand auf echte Steady-Cams, also Kameras samt Kameramann, die sich frei bewegen können. Diese lösen mehr und mehr die Dolly-Variante auf Schienen ab.

Eins hat sich aber nicht geändert. Hoffmann ist als Bindeglied zum Sky-Team weiterhin erster Ansprechpartner für Funktionäre und Spieler. Und die sind nach den 90 Minuten auf dem Rasen direkt danach zu meist emotional aufgeladen. „Alles was ich tue, gehört zum diplomatischen Chor“, berichtet er. Nicht selten kam es vor, dass Spieler sich erst einmal abreagieren mussten. „Meistens ist aber schon fünf Minuten später wieder alles gut“, erinnert sich Hoffmann, der großes Verständnis für eventuelle Wut der Spieler zeigt. „Es geht um Sieg und Niederlage, um Meister oder Nicht-Meister, um Abstieg oder Nicht-Abstieg.“ In den vielen Jahren habe er gelernt, die Dinge am Spielfeldrand laufen zu lassen. „Von daher gab es eigentlich nie böse Situationen“, meint er. An eine aber erinnert er sich noch ziemlich genau.

Schwere Verhandlungen


Damals, als Andi Brehme und Rudi Völler im Premiere-Studio standen. Leverkusen war die Heimat für das „Topspiel der Woche“ und Kaiserslautern gerade abgestiegen als Brehme live in der Sendung die Tränen kamen. Hoffmann hatte Brehme und Völler, die eigentlich beide kein Interview geben wollten, ins Studio geholt. „Das waren schwere Verhandlungen.“ Auftritte wie den von Brehme bezeichnet Hoffmann aber trotz der geäußerten Trauer als „positiv emotional“. Natürlich aber kommt es auch vor, dass Funktionäre sich überhaupt nicht äußern wollen. Dann kann manchmal auch Klaus Hoffmann nichts machen.

Besonders gerne arbeitet er übrigens in Dortmund – weil das dortige Stadion immer ein „emotionales Erlebnis“ sei, erzählt er mit Blick auf die riesige Südtribüne. „Bevor Leverkusen sein Stadion aufgestockt hatte, hatten auf der Dortmunder Süd mehr Menschen Platz als in der gesamten BayArena“, erzählt er. Geht es aber nur nach dem Handling des Stadions, also dem Komfort für die Arbeitenden, sieht er die Stadion in Hamburg, Gelsenkirchen und München weit vorne, schränkt in Sachen Allianz Arena aber ein. „In München ist es ein bisschen suboptimal, wie die Ü-Wagen platziert sind. Wenn man dort arbeitet, weht einem direkt die Abluft der Großküche entgegen.“ Das sind dann Probleme, die selbst Klaus Hoffmann mit seiner Erfahrung von rund 3500 Live-Spielen nicht lösen kann.

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