Die Kino-Kritiker: «Ride Along: Next Level Miami»

Kevin Hart und Ice Cube verschlägt es für den zweiten Teil der «Ride Along» nach Miami. Im Gepäch: alte Zutaten und wenig neue Ideen.

«Ride Along: Next Level Miami»

  • Kinostart: 21. Januar 2016
  • Genre: Action/Komödie
  • FSK: 12
  • Laufzeit: 102 Min.
  • Kamera: Mitchell Amundsen
  • Musik: Christopher Lennertz
  • Buch: Phil Hay, Matt Manfredi
  • Regie: Tim Story
  • Darsteller: Ice Cube, Kevin Hart, Tika Sumpter, Ken Jeong, Benjamin Bratt, Olivia Munn
  • OT: Ride Along 2 (USA 2016)
Der Vorgänger von «Ride Along: Lext Level Miami» lockte vor knapp zwei Jahren 243.231 Besucher in die deutschen Kinos. Das ist ein beachtliches Ergebnis dafür, dass man es zum damaligen Zeitpunkt noch nicht mit einem Franchise zu tun hatte, und dass mit Ausnahme von Ice Cube auch niemand Bekanntes in der Actionkomödie mitspielte. Protagonist Kevin Hart gehörte hierzulande noch zu den absoluten Newcomern. Nach seinen Engagements in Filmen wie «Der Knastcoach», «Die Trauzeugen-AG» und durch seine diversen Auftritte als Stand-Up-Comedian gelang Hart in den letzten zwei Jahren aber auch der internationale Durchbruch. Dass hinter «Ride Along 2» die Pläne einer noch größeren Filmreihe stehen, ist von Seiten des ohnehin erfolgsverwöhnten Studios Universal Pictures also kein Größenwahn, sondern eine realistische Vorstellung. Trotzdem geht den Drehbuchautoren Phil Hay und Matt Manfredi (schrieben auch das Skript des ersten Teils) schon bei der Konzeption von nur einer Fortsetzung merklich die Puste aus. Zwar weiß Regisseur Tim Story («Denk wie ein Mann») – sicher auch durch diverse Kooperationen zuvor – genau, wie er seine Hauptdarsteller zu händeln hat. Doch der Film selbst lässt zwar die Tiefpunkte des ersten Teils vermissen, die Highlights daraus allerdings ebenso sehr.

Polizeianwärter Ben Barber (Kevin Hart) hat nichts von seinem Enthusiasmus verloren. Nach seiner bestandenen Grundausbildung zum Cop befindet sich der stets euphorische Nachwuchsofficer in der Probezeit – und geht seinem zukünftigen Schwager, dem knallharten James (Ice Cube) damit ganz schön auf die Nerven. Nicht nur, dass Ben kurz davor ist, James’ attraktive Schwester Angela (Tika Sumpter) zu ehelichen, als James einen Auftrag bekommt, der ihn mitten in die Urlaubsmetropole Miami führt, ist Ben Feuer und Flamme. Gemeinsam soll das ungleiche Duo einen gefährlichen Schmuggler- und Drogenhändlerring ausheben. Das geht natürlich nur mit tatkräftiger Verstärkung: Den beiden Officers aus Atlanta wird in Miami die toughe Kollegin Maya (Olivia Dunn) an die Seite gestellt, die ihre beiden Kollegen nur schwer unter Kontrolle halten kann. Und dann ist da auch noch der kleinkriminelle Hacker A. J. (Ken Jeong), der irgendwie in die Sache verwickelt ist – und keiner weiß, warum. Wird es Ben schaffen, rechtzeitig bei seiner Verlobten zu sein, um mit ihr in aller Ruhe in den Hafen der Ehe zu schippern?

Die Probleme lagen im ersten Teil hauptsächlich darin, dass es der 36-jährige, gebürtig aus Pennsylvania stammende Kevin Hart in seiner Rolle des unbedarften Polizei-Anwärters einfach einen Tick zu gut meinte. Als nimmermüder Quälgeist ging er nicht bloß Ice Cube («22 Jump Street») schnell auf den Wecker, sondern schon bald auch dem Publikum selbst. Dass das bei einer Geschichte, die aufgrund ihrer am Reißbrett entworfenen 08/15-Geschichte vom Cop-Duo wider Willen insbesondere auf die Chemie innerhalb der Protagonisten-Paarung ankommt, umso ärgerlicher ist, schienen auch die Drehbuchautoren erkannt zu haben. In «Ride Along: Next Level Miami» haben sie für Kevin Harts Ben Barber zwar immer noch mehr als genug One-Liner parat, doch das in Teil eins fast schon extravagante und an der Grenze zur Karikatur angesiedelte Spiel tauscht der Schauspieler gegen eine deutlich ruhigere Gestik und Mimik aus. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass es zwischen den Figuren von Hart und Cube keine Reibungspunkte mehr gäbe – im Gegenteil. Da in der Geschichte die Hochzeit von Ben und seiner Traumfrau Angela kurz bevor steht, hat es der Bräutigam hier glaubhaft schwer, sich auf seine Arbeit als Polizist zu konzentrieren. Wenn in «Ride Along 2» die Nerven mit dem Greenhorn durchgehen, wirkt das weitaus weniger aufgesetzt, als noch in Teil eins, wo Ben mit seinem Talent für das Treten in Fettnäpfchen auch durchaus zum Fremdschämen einlud. Ice Cube bleibt unterdessen seiner unnahbaren, schnell genervten Türsteher-Attitüde treu.

Zwei Faktoren stehen sich in «Next Level Miami» kontinuierlich darin im Weg, dem Film im Gesamten zu einem runden Erscheinungsbild zu verhelfen. Da wäre auf der einen Seite der Cast: Mit «Hangover»-Szenendieb Ken Jeong als undurchschaubarer Superhacker greifen die Macher auf einen Darsteller zurück, der sich in den vergangenen Jahren zu jemandem gemausert hat, der ausnahmslos jeden Film mit seiner Performance bereichert. Auch im zweiten Teil der «Ride Along»-Reihe gehen die besten Sprüche und Gags (die in der deutschen Synchronfassung viel ihrer Spritzigkeit verlieren) auf das Konto des 46-jährigen US-Koreaners. Jeongs Figur changiert gewitzt zwischen manisch und treudoof; die anderen Figuren treibt er damit gepflegt in den Wahnsinn, sodass er gerade in Ben Barber so etwas wie einen Gleichgesinnten gefunden zu haben glaubt. Der Interaktion der beiden zuzuschauen macht Spaß und steckt voller Energie, solange sie nicht von der Geschichte ausgebremst wird. Denn obwohl sich auch die der beiden Herren annehmende Polizisten Maya (Olivia Munn) als charmante Cast-Ergänzung entpuppt, waren die Autoren beim Schreiben des Bösewichts nicht so liebevoll. Fiesling Antonio Pope (Benjamin Bratt) ist ein klassischer Hollywood-Antagonist, der während des gesamten Films genau so reagiert, wie man es von einem Ganoven seiner Klasse erwartet – inklusive „Ich erkläre dem Officer all meine Pläne, um ihn anschließend zu erschießen“-Monolog. Dreimal dürfen Sie raten, wie das ausgeht…

Die Geschichte selbst erwies sich schon im ersten Teil als großes, da äußerst austauschbares Manko. Selbiges gilt nun für die Fortsetzung. «Ride Along: Next Level Miami» ist gerade aufgrund seines sichtlich hohen Produktionsstandards und der chicen Actionsequenzen, die mit einem netten 3D-Gimmick aufwarten können (Stichwort: Computerspiel), keine reine Zeitverschwendung. Die Macher halten sich penibel an gängigen Blockbuster-Mechanismen fest und riskieren damit kaum etwas. Selbst der Soundtrack hört sich lediglich wie eine x-beliebige CD aus der Reihe „Bravo Hits Black“, bei dem zu jeder Szene irgendein vom Text halbwegs passender RnB- oder Hip-Hop-Sound durch die Boxen dröhnt. Im besten Fall untermalt das die Szene ironisch, gibt ihr vielleicht sogar ein wenig Pepp. Doch im Grunde unterstreicht das lediglich das Dasein von «Ride Along: Next Level Miami» als allzu austauschbarer „Wir wären gern so cool wie die «Fast & Furious»-Reihe“-Beitrag. Unsympathisch ist das nicht – höchstens ein bisschen größenwahnsinnig.

Fazit: Dem Nachfolger von der ambivalenten Actionkomödie «Ride Along» fehlt es sowohl an Höhe-, als auch an Tiefpunkten. Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern ist einmal mehr kaum zu toppen, doch trotz prominenter Cast-Neuzugänge fehlt es vor allem der Geschichte an Überraschung und Wiedererkennungswert. So wird «Ride Along: Next Level Miami» zu einem Film, der – wenn überhaupt – in der Originalfassung und darüber hinaus im Kino angesehen werden sollte, da die fein choreographierten Actionsequenzen auf der großen Leinwand noch am besten zur Geltung kommen.

«Ride Along: Next Level Miami» ist ab dem 21. Januar bundesweit in den Kinos zu sehen.

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