Die Kino-Kritiker: «Die 5. Welle»

Das Young-Adult-Abenteuerkino versucht sich mit «Die 5. Welle» an einem weiteren Vertreter seiner Gattung – und schlägt fehl. Welche Gründe das hat und weshalb das Szenario in einer TV-Serie besser aufgehoben wäre, das sagt Antje Wessels in ihrer Kritik.

Filmfacts: «Die 5. Welle»

  • Kinostart: 14. Januar 2016
  • Genre: Action/Abenteuer/Sci-Fi
  • FSK: 16
  • Laufzeit: 112 Min.
  • Kamera: Enrique Chediak
  • Musik: Henry Jackman
  • Buch: Susannah Grant, Akiva Goldsman , Jeff Pinkner
  • Regie: J Blakeson
  • Darsteller: Chloë Grace Moretz, Matthew Zuk, Gabriela Lopez, Bailey Anne Borders, Maika Monroe, Nick Robinson
  • OT: The 5th Wave (USA 2016)
Angesichts des Endes der «Die Tribute von Panem»-Saga sowie den bevorstehenden Finals von «Maze Runner» und «Die Bestimmung» muss sich Hollywood schleunigst neuen, verfilmbaren Stoff suchen, um der Young-Adult-Zielgruppe weiterhin regelmäßig frische Filme liefern zu können. Rick Yanceys erster Roman der gleichnamigen Dystopie-Reihe bildet die Basis für «Die 5. Welle» – ein Science-Fiction-Abenteuer, das sämtliche Erwartungen erfüllt, die man an das Genre aktuell haben kann. Es gibt die weibliche Heldin, den drohenden Weltuntergang und ein paar rebellierende Teens, die als alleinige Hoffnung für die Rettung unseres Planeten fungieren. Wenngleich manch einer an dieser Stelle ob der ewig gleichen Schemata sicherlich schon mit den Augen rollt: Die Prämisse ist angesichts einer Alien-Invasion, die die Menschen in sogenannten Wellen (Außer-Kraft-Setzung der Technik, Überschwemmungen, Einsetzen eines Virus und die gezielte Ermordung der jetzt noch übrig gebliebenen Menschen) zu vernichten droht, durchaus interessant. Doch Regisseur J Blakeson (schrieb das Skript zu «The Descent 2») scheint sich des Potenzials der Vorlage gar nicht bewusst zu sein, die sich in ihrer Komplexität nur schwer in einem einzigen Film erzählen lässt und somit besser in einer Fernsehserie aufgehoben wäre.

Vier zunehmend todbringende Angriffswellen haben den Großteil der Erde zerstört. Vor einer Kulisse aus Angst und Misstrauen ist Cassie (Chloë Grace Moretz) auf der Flucht und versucht verzweifelt, ihren kleinen Bruder Sammy (Zackary Arthur) zu retten, von dem sie in den Wirren der Katastrophe getrennt wurde. Während sie sich auf die unvermeidliche und absolut tödliche fünfte Welle vorbereitet, von der keiner weiß, in welcher Gestalt sie auftreten wird, verbündet sie sich mit einem jungen Mann namens Evan (Alex Roe), der ihre letzte Hoffnung sein könnte – falls sie ihm trauen kann.

Wenngleich der Film erst nach rund einer Dreiviertelstunde an Tempo gewinnt, bietet die Anfangszeit von «Die 5. Welle» genug Momente, um sich mit der Ausgangslage auseinanderzusetzen und die Bedrohung durch die im Film nur „Die Anderen“ genannten Außerirdischen zu realisieren. Doch dass dieses Science-Fiction-Abenteuer in sämtlichen Bereichen einen unausgegorenen Eindruck macht, bekommt man bereits bei den Effekten zu spüren. Zwar spart man sich eine allzu überdramatische Effekthascherei und handelt die einzelnen Angriffswellen kurz und schmerzlos, nicht jedoch bruchstückhaft wirkend ab, doch in den wenigen Momenten, in denen CGI verwendet wird, ist der Einsatz von Computertechnik überdeutlich als solcher erkennbar. Die hochhaushohen Tsunami-Wellen integrieren sich nur schwer in ein schlecht ausgeleuchtetes Setting und machen obendrein einen solch sterilen Eindruck, dass «Die 5. Welle» Vergleichen mit tricktechnisch hochwertigen Produktionen der Marke «St. Andreas» oder anderweitigen Blockbustern nicht standhält. Dass die Macher im Großen und Ganzen jedoch weitestgehend auf jedwede Trickeffekte verzichten und die Außerirdischen direkt Menschengestalt annehmen, bewahrt den Film auf der Zielgeraden immerhin davor, sich den Stempel „visuelle Vollkatastrophe“ aufdrücken lassen zu müssen; dafür erweisen sich die Animationen abstürzender Flugzeuge als zu authentisch und das Design des UFOs als zu beeindruckend.

Als ähnlich unausgereift erweist sich der filmische Aufbau. Es ist lohnenswert, dass Regisseur Blakeson sich daran versucht, einen angenehmen Spagat zwischen sukzessivem Spannungsaufbau und sofortigen Katastrophenumständen herzustellen. Doch wo dieser Balanceakt noch funktioniert und die erste Dreiviertelstunde ein zwar ruhiges aber nicht langatmiges Tempo aufweist, macht sich dieses Skript diesen Vorteil nicht zunutze. Es wäre ein Leichtes, sich dieser Übersichtlichkeit zu bedienen und in diese Rahmen Figuren mit Profilen zu versehen. Stattdessen beschränkt sich das Dasein sämtlicher Charaktere, inklusive Hauptfigur Cassie, auf das von Stereotypen, die selbst im Kontext eines Unterhaltungsfilms kaum funktionieren können. Wenngleich sich Chloë Grace Moretz («The Equalizer») sichtlich ins Zeug legt, um ihrer farblosen Figur das Optimum an Persönlichkeit abzugewinnen, funktioniert die Identifikation mit ihr allenfalls über Sympathie, nicht jedoch über Tiefgang. Moretz‘ Performance selbst ist stark, wie man es von der Protagonistin eines Young-Adult-Adventures gewohnt ist, mehr Wiedererkennungsmerkmale als die bedingungslose Liebe zu ihrem Bruder sowie das Schwärmen für einen Mitschüler sind ihr nicht vergönnt.

Über all das ließe sich hinwegsehen, würde «Die 5. Welle» wenigstens auf der Ebene der adrenalingeladenen Unterhaltung funktionieren. Leider kann die Jugend-Dystopie allerdings auch hier nicht überzeugen. Der Grund dafür liegt in der Inszenierung selbst, für welche sich das Skript von Akiva Goldsman («Rings»), Susannah Grant («Lieben und Lassen») sowie Jeff Pinkner («Spider-Man 2: Rise of Electro») eine zweigeteilte Erzählweise bemüht. Auf der einen Seite wird der Zuschauer Zeuge von Cassies Road-Trip auf der Suche nach ihrem Bruder, auf der anderen Seite wird in der zweiten Hälfte die Ausbildung von Kindersoldaten thematisiert, die im Auftrag des US-Militärs Jagd auf die Anderen machen sollen, um den Planeten vor der endgültigen Auslöschung zu bewahren. Beide Erzählstränge bremsen einander immer wieder aus und kommen für sich genommen nie dazu, einen eigenen Flow zu entwickeln. Hinzu kommen ärgerliche Patzer im Rahmen von Einzelszenen, wenn etwa sich Cassies Begleiter genussvoll mit freiem Oberkörper zur Schau gestellt wird, oder innerhalb weitestgehend uninteressanter Dialoge die Motivation der Militär-Pläne offengelegt wird, was Parallelen zur Realität forciert, deren Vorschlaghammermoral äußerst tumb daherkommt. Dass die Geschehnisse innerhalb von «Die 5. Welle» die Substanz hätten, sich näher damit zu befassen, scheint durch. Doch schon Henry Jackmans («Kingsman: The Secret Service») macht offensichtlich, dass man sich nicht entscheiden konnte, ob man sich auf die Message, oder auf den actionlastigen Unterhaltungswert konzentrieren wollte. Im Rahmen einer TV- oder Filmreihe wäre vermutlich für beides Platz gewesen.

Fazit: Das Potenzial ist da, doch zugunsten eines einzelnen Films muss Regisseur J Blakeson an allen Ecken und Enden Abstriche machen. Mit uninteressanten Figuren, mittelmäßigen Effekten, viel zu vielen offenen Fragen und einer gezwungenen Schlussmoral wirkt «Die 5. Welle» nur leidlich durchdacht und dürfte am Ende sogar deshalb Vermarktungsschwierigkeiten haben, weil er aufgrund einiger überraschend brutaler Kampfsequenzen eine FSK-Freigabe ab 16 bekommen hat.

«Die 5. Welle» ist ab dem 14. Januar bundesweit in den Kinos zu sehen.

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