Die Kino-Kritiker: «Jane Got A Gun»

Zehn Jahre nach dem Finale der «Star Wars»-Prequels treffen Oscarpreisträgerin Natalie Portman und Ewan McGregor erneut aufeinander. Doch wäre ihnen ein erfreulicheres Wiedersehen durchaus gegönnt gewesen.

Filmfacts «Jane Got A Gun»

  • Kinostart: 31. Dezember 2015
  • Genre: Western/Drama/Action
  • FSK: 12
  • Laufzeit: 98 Min.
  • Regie: Gavin O’Connor
  • Drehbuch: Brian Duffield, Anthony Tambakis, Joel Edgerton
  • Darsteller: Natalie Portman, Joel Edgerton, Ewan McGregor, Noah Emmerich, Rodrigo Santoro, Boyd Holbrook
  • OT: Jane Got A Gun (USA 2015)
Es bedeutet nur selten etwas Gutes für einen Film, wenn schon während der Produktionsphase Berichte über zahlreiche Probleme am Set an die Öffentlichkeit gelangen. Auch wenn Regie-Veteran George Miller erst in diesem Jahr mit seinem brachial-durchgeknallten Wüsten-Actioner «Mad Max: Fury Road» eindrucksvoll bewiesen hat, dass auch aus krisengebeutelten Dreharbeiten am Ende ein überraschend gelungenes Ergebnis hervorgehen kann, bleibt sein spätes Franchise-Revival wohl die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Unrühmlich unterstrichen wurde letztere hingegen ebenfalls erst 2015 durch die Reboot-Katastrophe «Fantastic Four».

Der am Ende des Jahres im undankbaren Schatten des noch andauernden «Star Wars»-Hypes startende (und ironischerweise mit zwei ehemaligen «Star Wars»-Darstellern aufwartende) «Jane Got A Gun» ordnet sich nun irgendwo zwischen diese beiden Extremen ein. Auch der prominent besetzte Western hatte hinter den Kulissen mit einigen Unstimmigkeiten und Personal-Schwierigkeiten Schlagzeilen gemacht. Nachdem zuvor bereits der für die männliche Heldenrolle eingeplante Michael Fassbender das Handtuch geworfen hatte, sorgte vor allem die für die Inszenierung vorgesehene «We Need To Talk About Kevin»-Regisseurin Lynne Ramsey für gehörig Aufsehen, als sie am ersten Tag der angesetzten Dreharbeiten durch ihr Fortbleiben vom Set ihrer überraschenden Abkehr vom Projekt eigensinnigen Ausdruck verlieh.

In «Warrior»-Regisseur Gavin O’Connor war allerdings schnell Ersatz gefunden, die männliche Besetzung aber gestaltete sich weiterhin problematisch. Während sein «Warrior»-Hauptdarsteller Joel Edgerton, der ursprünglich als Antagonist gecastet wurde, letztlich Fassbenders Part übernahm, wurde die Rolle des Bösewichts vom zwischenzeitlich eingesprungenen Jude Law über Bradley Cooper und schließlich an Ewan McGregor weitergereicht. Nach all dem Chaos ist «Jane Got A Gun» zwar keineswegs ein Totalausfall der Marke «Fantastic Four» geworden, doch dürfte schon kurz nach Kinostart kaum ein Hahn mehr nach dem weitestgehend unausgegorenen Western krähen.

Dessen Handlung könnte dabei nicht zuletzt aufgrund ihrer Simplizität wohl noch am ehesten hängenbleiben. Im Jahre 1871 hat sich die titelgebende Jane Hammond (Natalie Portman) mit ihrem Mann Bill (Noah Emmerich) ein friedliches Dasein in New Mexico aufgebaut. Gemeinsam wollen sie die finstere Vergangenheit hinter sich lassen, in der Bill als Mitglied der gefürchteten Verbrecherbande des skrupellosen John Bishop (Ewan McGregor) tätig war. Doch da die Zusammenarbeit damals ein äußerst blutiges Ende genommen hat, ist Bishop nach mehreren Jahren noch immer hinter Bill her. Als es ihm und seiner Gang dann eines Tages tatsächlich gelingt, ihren früheren Gefährten aufzuspüren, hinterlassen sie in seinem Körper prompt eine ordentliche Ladung Blei. Nichtsdestotrotz kann Bill sich schwer verletzt zu seiner Frau nach Hause schleppen und sie vor der nahenden Bishop-Bande warnen. Aus der Not heraus wendet Jane sich daraufhin hilfesuchend an ihren verbitterten Ex-Verlobten Dan Frost (Joel Edgerton), um das Überleben ihrer Familie zu sichern und ein für alle Mal in Ruhe gelassen zu werden.

«Jane Got A Gun» verläuft dabei leider nicht ganz so schnörkellos-geradlinig, wie es der Storyabriss vielleicht vermuten lässt. Immer wieder bremsen sperrige Flashbacks das Geschehen unnötig aus, da sie – mit Ausnahme einer Sequenz – der Geschichte weder inhaltlich noch emotional etwas Essentielles hinzufügen können. Vielmehr buchstabieren sie als bloßes und häufig zähes Füllmaterial Hintergründe aus, die bereits durch Verweise in der Haupthandlung zur Genüge, wenn nicht gar wirkungsvoller angedeutet werden. Mit dem besagten positiven Einzelfall verhält es sich zumindest im Hinblick auf den Mehrwert für die Story ähnlich, doch kann jene Szene dem Film zumindest zeitweise einen Hauch des emotionalen Gewichts verleihen, das zum Funktionieren des tragischen Aspekts des Plots – immerhin stehen Familie und Existenz der Protagonistin auf dem Spiel – eigentlich die ganze (überschaubare) Laufzeit über nötig gewesen wäre.

Doch das im Vorfeld mehrfach umgeschriebene, recht holprige Drehbuch, das mit pathetischen Floskeln à la „Ich bin mein Leben lang davon gelaufen“ um sich wirft und hin und wieder etwas unglaubwürdige Abkürzungen nimmt, bleibt die Vermittlung der emotionalen Tragweite der teilweise heftigen Erlebnisse der Titelheldin fast durchweg schuldig. Gerade beim doch recht fragwürdigen Ausgang des Ganzen macht sich dies als besonders schwerwiegendes Defizit bemerkbar.

Generell bleibt das durchaus vorhandene Potential der Hauptfigur über weite Strecken ungenutzt. Ihre innere Zerrissenheit wird kaum greifbar und die durch den Filmtitel suggerierte starke Frauenfigur entpuppt sich letzten Endes als allzu passiver und allenfalls reagierender denn wirklich aktiver und agierender Charakter, der im Ernstfall dann doch so gut wie immer auf männliche Hilfe angewiesen ist. Dagegen kommt auch Oscarpreisträgerin Natalie Portman nicht an. Wie der Großteil der Besetzung liefert sie ordentlichen Dienst nach Vorschrift ab, bei dem infolge des Rollenkorsetts gar nicht erst nach Höchstleistungen verlangt wird. Immerhin weiß Ewan McGregor, der sichtlich diabolische Freude an seiner Bösewichtrolle an den Tag legt, einige dezente darstellerische Akzente zu setzen, die wiederum das Skript allerdings nicht in befriedigender Gänze zur Geltung kommen lässt.

Fazit: «Jane Got A Gun» ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Für einen straighten und rauen Action-Western mangelt es an durchgehender Spannung und inszenatorischen Höhepunkten, für ein überzeugendes Charakter- oder gar Beziehungsdrama ist das Figurenensemble schlichtweg zu blass gezeichnet und dessen Gefühlsleben zu dürftig ausgearbeitet. Was übrig bleibt, ist ein vor allem angesichts seiner bewegten Produktionsgeschichte grundsolider, unterm Strich aber wenig fesselnder Film mit einer größtenteils verschenkten Besetzung.

«Jane Got A Gun» ist ab dem 31. Dezember in den deutschen Kinos zu sehen.

 •  Kurz-URL: qmde.de/82875
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Fantastic Four ­ Fury Road ­ Jane Got A Gun ­ Mad Max ­ Mad Max: Fury Road ­ Star Wars ­ Warrior ­ We Need To Talk About Kevin ­


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