Klitschko auf dem Weg nach unten

Sport-Check: Abnehmendes Zuschauerinteresse, die erste Niederlage seit elf Jahren. Für Wladimir Klitschko könnte es derzeit besser laufen...

Wladimir Klitschko ist im internationalen Maßstab ein Ausnahmeathlet und zählt durch sein beeindruckendes Auftreten innerhalb und außerhalb des Rings zu einem der populärsten Sportler in Deutschland. Für uns als TV-Partner ist es eine große Freude, ihn in den kommenden fünf Kämpfen dabei begleiten und unsere gemeinsame Erfolgsgeschichte weiter fortschreiben zu können.
RTL-Programmgeschäftsführer Frank Hoffmann
Es wird dünn, wenn man sich mit dem Thema RTL und Boxen beschäftigt – jener Sportart, die vor nicht allzu vielen Jahren einmal mehr als 13 Millionen Menschen vor die TV-Geräte gezogen hat. Das war im Oktober 2010 als die Klitschko-Brüder quasi auf dem Zenit ihrer Karriere angekommen waren. Vier große Kampfabende hatten die Kölner in 2010 im Programm – keiner holte weniger als 48 Prozent Marktanteil insgesamt. Vitali Klitschko boxte damals gegen Shannon Briggs und gewann natürlich. Vitali trat 2011 noch einmal an, ebenfalls im Herbst stand er gegen Tomasz Adamek zwischen den Ringseilen und wieder stimmten die Quoten, auch wenn es damals dann nur noch neuneinhalb Millionen Zuschauer waren. 2012 sollte dann das letzte Jahr des Boxers Vitali werden – und es begann mit einem absoluten Highlight. Im Februar duellierte sich Vitali mit Derek Chisora und 12,88 Millionen Bundesbürger schauten zu.

Sowohl insgesamt als auch bei den 14- bis 49-Jährigen kletterten die Quoten im Schnitt auf 56,5 Prozent Marktanteil. Mit dem Fight gegen Manuel Charr, der im Vorfeld unter anderem an «Promi Big Brother»  teilnahm und der RTL vergleichsweise geringe 8,75 Millionen Fans einbrachte, hängte Vitali seine Boxhandschuhe an den Nagel, um sich der Politik seiner Heimat Ukraine zu widmen. Bruder Wladimir machte weiter. Der hatte das Jahr 2012 mit einem Duell gegen J.M. Mormeck eröffnet und RTL damit 12,26 Millionen Zuschauer (rund 53% in der Zielgruppe) beschert.

Sporthighlights der Woche

  • Mittwoch + Donnerstag, 17.05 Uhr: Biathlon Weltcup in Östersund (ZDF live)
  • Samstag, ab 9 Uhr: Wintersport (ZDF und Eurosport live)
  • Samstag, 15.30 Uhr: Fußball Bundesliga Die Konferenz u.a. Gladbach - Bayern München und Hamburg - Mainz. Ab 18.30 Uhr "Topspiel" Wolfsburg - Dortmund (Sky live)
  • Samstag, 23.55 Uhr: Boxen live Jack Culcay - Dennis Hogan (Sat.1 live)
  • Sonntag, 9 Uhr: Wintersport live (ZDF und Eurosport live)
  • Sonntag, 14 Uhr: Handball Champions League Kiel - Veszprem (Sky live)
  • Sonntag, 15 Uhr: Fußball Bundesliga Stuttgart - Bremen (Sky live)
  • Sonntag, 17.45 Uhr: Eishockey DEL live Ingolstadt - Düsseldorf (Servus TV live)
Als Wladimir dann im November 2012, quasi kurz nach Vitalis Abschied, noch einmal in den Ring stieg und Mariusz Wach erwartungsgemäß besiegte, schauten 11,77 Millionen Fans ab drei Jahren zu. 51,6 Prozent Marktanteil bei den Umworbenen machten die RTL-Übertragung selbstverständlich zum klaren Marktführer. Doch durch den Abschied des einen Bruders reduzierte sich die Regelmäßigkeit der großen Box-Abende bei RTL. Der Kölner Sender erkannte dies früh, sicherte sich in dieser Zeit die EM-Quali-Rechte der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, stellte den Sport also auf ein noch breiteres Fundament.

Und in der Tat schien der große Klitschko-Hype schon damals leicht nachzulassen. Als es im Mai 2013, nach langer Boxpause beim Privatsender, mit dem Fight gegen Francesco Pianeta weiterging, lag die durchschnittliche Reichweite noch bei 8,31 Millionen. Zwar erreicht kaum ein anderes TV-Format heutzutage noch 38,3 Prozent Marktanteil und dennoch war man in Köln quasi mehr gewohnt von Klitschko. Im Herbst des Jahres 2013 boxte Klitschko daher in neuen Märkten. Das Duell mit Alexander Povetkin wurde in Russland ausgetragen und startete wegen der Zeitverschiebung schon um kurz vor 22 Uhr deutscher Zeit. Das führte zu deutlich steigenden Reichweiten (auf 11,02 Millionen), die Quote aber blieb bei knapp weniger als 40 Prozent der Umworbenen.

Längst schien sich die Klitschko-Vermarktung nicht mehr ganz so sehr auf Deutschland zu fokussieren. In England sind die Fights von Wladimir nur gegen Extra-Bezahlung im Pay-TV zu sehen, in Amerika besteht ein Deal mit HBO. Die beiden Kämpfe im Frühjahr und Herbst bescherten RTL 8,26 und 9,16 Millionen Zuseher ab drei Jahren, bei den Werberelevanten wurden 37,8 und 34,2 Prozent generiert. Längst hatte Wladimir den Nimbus des Unbesiegbaren – die Kämpfe schienen keine Pflichtveranstaltung für die Bürger mehr zu sein.

Auch das RTL-Personal erkannte die Zeichen der Zeit. Kommentator Tobias Drews folgte Ende 2014 dem Ruf von Sat.1, das mit etlichen Boxställen Verträge pflegt und weitaus häufiger auf Sendung geht als die Kölner Konkurrenz. So fand der Einstand von Stefan Fuckert als neue Box-Stimme von RTL Anfang 2015 statt, allerdings nicht zur Primetime. Wegen des Vertrags mit HBO kämpfte Klitschko zur besten Sendezeit im US-Fernsehen, also mitten in der Nacht in Deutschland. 1,34 Millionen Menschen sahen die erste Phase des Fights, was 26,5 Prozent bei allen entsprach. Beim jungen Publikum kam die Live-Übertragung auf tolle 28,9 Prozent. Ab 5.40 Uhr stiegen die Werte auf 1,49 Millionen Menschen und sehr gute 40,1 Prozent Marktanteil. Bei den 14- bis 49-Jährigen lag die Quote zugleich bei guten 33,1 Prozent.

Am vergangenen Wochenende nun konzentrierte sich die Boxszene wieder auf Deutschland. Der Mega-Fight zwischen Wladimir Klitschko und Tyson Fury stieg in Düsseldorf. Es ist der erste eines neuen RTL-Deals mit Dr. Steelhammer, vier weitere sollen noch folgen. RTL lieferte entsprechend auch das Weltbild zum Fight. Bei der Produktion kamen 18 Kameras und 460 Scheinwerfer in der Arena eingesetzt, mit Rod Steward wurde für das Rahmenprogramm ein echter Weltstar verpflichtet. Und auch sportlich schien der Fight mit Fury wieder bedeutender zu sein. Doch auch in diesem Fall schaffte die Übertragung den Sprung über die 10-Millionen-Marke nicht. Am Ende standen 8,91 Millionen geschrieben. Immerhin: Die Quoten gingen wieder nach oben. Auf starke 40,1 Prozent insgesamt und 40,6 Prozent bei den Umworbenen.

Wie es nun mit Klitschko weitergeht, ist offen. Fraglich vor allem, ob er wirklich noch vier Mal kämpfen wird. Dass er gerne einen Rückkampf gegen Fury hätte, betonte er bereits am Samstagabend. Mindestens einmal also wird sich RTL noch über starke Box-Quoten (auch wenn sie rückläufig sind) freuen dürfen. Grundsätzlich aber steht das Projekt Boxen beim Kölner Sender nach vielen Erfolgen vor einer unsicheren Zukunft.

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