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Amazon-Pilot-Season: Gute Damen oder lieber einen Patrioten?

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Quotenmeter.de widmet sich der Amazon-Pilot-Season und hat sich die zwei interessantesten Drama-Piloten vorgeknöpft: «American Patriot» und «Good Girls Revolt».

«American Patriot»


«Patriot»-Fakten

  • Regie und Drehbuch: Steve Conrad
  • Darsteller: Michael Dorman, Kurtwood Smith, Michael Chernus, Kathleen Munroe, Ailette Opheim, Terry O'Quinn, Gil Bellows, Chris Conra, Marcus Toji, Lanette Ware
  • Produktion: Marc David Alpert, Glenn Ficarra, John Requa
  • Kamera: Jim Whitaker
  • Musik: Alex Wurman
  • Produktionsdesign: Judy Rhee
Die in ihrem Heimatland schlicht «Patriot» genannte, schwarzhumorige Dramaserie kommt mit dem bislang wohl schwierigsten Amazon-Piloten daher. Die Produktion der «Crazy, Stupid, Love.»-Regisseure Glenn Ficarra und John Requa erzählt von Nachrichtendienstoffizier John Tavner (Michael Dorman), der im Auftrag seines Vorgesetzten und Vaters (rau und charmant: «Lost»-Legende Terry O'Quinn) einen inoffiziellen Undercoverjob annimmt. Dieser führt ihn in eine Rohrfirma im mittleren Westen, von wo aus er ohne jegliche Absicherungen von Regierungsseite aus verhindern soll, dass der Iran zur Atommacht wird. John ist zwar ein tödlicher und fähiger Agent, jedoch zudem ein unwilliger – viel lieber würde er die Leidenschaft zwischen ihm und seiner Frau (Kathleen Munroe) weiter anfachen oder eine Karriere als Sänger morbider Folk-Nummern verfolgen.

Was «American Patriot» so schwierig macht: die Pilotfolge muss sehr viel vorbereiten und dabei sehr interessante Ideen und solide Figuren einführen, ohne je einen lang anhaltenden, erzählerischen Schwung zu entwickeln. Bislang waren die Amazon-Piloten auf dem ersten Blick klar in Top oder Flop einzuteilen. «American Patriot» hingegen fällt, zumindest in der ersten Folge, klar zwischen zwei qualitative Stühle. Die Grundlage ist gut, die Umsetzung ernüchtert – es stellt sich als die Frage, ob weitere Episoden besser ziehen, nun, da alle Figuren eingeführt und die prekäre Lage des zentralen Helden erläutert wurde. Dorman gefällt als leicht verschrobener, stets etwas bedrückt dreinblickender Möchtegernsänger, und mit Michael Chernus hat er einen wunderbaren Serienbruder abbekommen, der sich mit Dackelblick seinen Aufgaben widmet.

Aliette Opheim unterdessen beweist sich im zerfasernden, narrativ an Momentum verlierenden Schluss als heimlicher Star dieser potentiellen Serie: Mit kühlem Blick und großer Zielstrebigkeit gibt sie eine unterforderte Polizistin aus Luxemburg, die dank Johns Handeln nun endlich einen kniffligen Fall zu knacken hat. Zu sehen, wie sie dem Anti-Helden der Serie auf die Spur kommt, dürfte spannend werden. Wenn die etwaigen weiteren Folgen nicht so erzählerisch überfrachtet ausfallen sollten, wie dieser schmuck inszenierte Auftakt, dem allerdings das stilistische und atmosphärische Bindemittel zwischen seinen Einzelteilen fehlt.

«Good Girls Revolt»

«Good Girls Revolt»-Fakten

  • Regie: Liza Johnson
  • Idee und Drehbuch: Dana Calvo
  • Inspiriert vom gleichnamigen Sachbuch von: Lynn Povich
  • Darsteller: Lena Hall, Anna Camp, Grace Summer, Chris Diamantopoulos, Teddy Bergman, Genevieve Angelson, Hunter Parrish, James Belushi
  • Ausführende Produzenten: Dna Calvo, Don Kurt, Lynda Obst, Jeff Orkin
  • Kamera: John Lindley
  • Produktionsdesign: Jeannine Oppewall
  • Kostümdesign: David Schlesinger
1969: Eine kulturelle Stimmung des Änderungswillens schwappt durch die westliche Welt. Vor allem in den USA kommt es zur sexuellen Revolution – nur ausgerechnet in Nachrichtenredaktionen herrschen weiterhin die vertrockneten, alten Denkweisen vor. Dies bekommen etwa die Rechercheredakteurinnen der 'News of the Week' Tag für Tag zu spüren. Doch Frauen, die etwas auf sich halten, gehen auf die Barrikaden! Also stehen sie nach und nach mit immer größerem Geltungsbewusstsein für eine gerechte Behandlung im Team ein – und bringen so nicht nur Bewegung in ihre Karriere, Freundschaften und Romanzen. Sondern auch in die Welt des Journalismus …

«Good Girls Revolt» als ein weibliches «Mad Men» zu bezeichnen, wäre arg simpel und würde beiden Formaten nicht gerecht werden. Trotzdem drängt sich dieser Vergleich auf, und sei es auch nur, um ein Gefühl dafür zu vermitteln, welche Ziele «Good Girls Revolt» verfolgt und wie sie anvisiert werden: Wie schon die viel gelobte Dramaserie über die eingangs so patriarchale Welt der Werbeleute, ist auch diese Serie ein 'Period Piece', das vor Atmosphäre glüht und aufgrund seiner immensen Detaildichte fast zu platzen droht: Regisseurin Liza Johnson und das Art Department lassen hier bis in die kleinste Feinheit die späten 60er wieder aufleben!

Mit spitzfindigen Dialogen, doch nie mit einer Ironie, die das politisch noch immer wichtige Thema unter Wert verkauft, und faktenorientierten, aber peppig neu interpretierten Geschichten macht die Pilotfolge aber auch inhaltlich Lust auf mehr: Der Look mag den Eindruck erwecken, man hätte es mit einem erst jetzt wieder aufgetauchten Zeitdokument zu tun. Das Skript jedoch legt den Schwerpunkt auf Entwicklungen, die damals wohl niemand als entscheidend erkannt hätte – wie etwa auf die Emanzipierung der heutzutage berühmten Autorin und Regisseurin Nora Ephron.

Die Musikauswahl verlässt sich leider arg auf die üblichen Verdächtigen, was den songgesteuerten Momenten Energie und Originalität raubt, doch ein rundum engagiertes Ensemble und eine klare inhaltlich Linie machen «Good Girls Revolt» trotzdem sehenswert und fortsetzungswürdig.

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