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‚Es wachsen immer noch Redakteure nach, die auf mich reinfallen'

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Rob Vegas, der sich selbst als "You-Tube-Star bevor es You-Tube-Stars gab" bezeichnet, hat sein erstes Buch geschrieben. Eine Biografie – wie soll es anders sein – über Harald Schmidt. Wie der Social-Media-Nerd seine Leidenschaft für Bücher entdeckt hat…

"Ich. Harald Schmidt" zum Hören

Das Rob-Vegas-Buch gibt es auch als Hörspiel. "Selbst konnte ich mein Buch ja nicht lesen. Es klänge komisch, wenn ein 32-Jähriger als Harald Schmidt sprechen würde", erinnert sich Rob Vegas. Die Wahl fiel letztlich auf Roland Baisch. Das ist übrigens der Mann, dem Harald Schmidt einst den letzten Platz auf der Schauspielschule wegschnappte. Baisch kennt die Ur-«Harald Schmidt Show» seit den ersten Piloten, berichtet Vegas und sei auch deshalb wie geschaffen für den Job des Vorlesers. "Wenn man drei, vier Minuten zuhört, dann glaubt man wirklich, dass Harald Schmidt spricht", freut sich Vegas.
Erst in den vergangenen Tagen ist es wieder passiert. Und wieder. Sowohl das öffentlich-rechtliche «Morgenmagazin» als auch der Sender Sport1 sind auf Rob Vegas reingefallen. Seit Jahren schon twittert der heute 32-Jährige unter dem Account @bonitoTV und somit unter dem Namen des deutschen Late-Night-Kings Harald Schmidt. „Dirty Harry“ selbst habe mal gesagt, er twittere nicht, erinnert sich Rob Vegas an seine einzige Begegnung mit dem Mann, unter dessen Namen er Gags verbreitet. Es war ein Pressetermin, den Vegas als freier Autor im Auftrag von Quotenmeter.de besuchte. Solche Informationen seien Waren und die gäbe es eben nur gegen Geld oder gute Presse, soll Schmidt damals gesagt haben. Insofern lässt Schmidt also twittern – oder anders gesagt. Er duldet es, weiß Vegas.

In seiner Funktion als falscher Harald saugt der Komiker alles auf, das Schmidt auch in seiner Post-TV-Ära von sich gibt. Hier ein Radiointerview, dort eine Zeitungskolumne. „Er kennt den Twitter-Account und hat nie etwas dagegen unternommen“, berichtet Rob Vegas. In einem Interview habe Schmidt gesagt, dieser diene der allgemeinen Vernebelung rund um seine Person. Während Schmidt den Ulk von Vegas im Netz also zur Kenntnis nimmt, kennen ihn viele Leute in manchen Redaktionen noch nicht. Anders ist es nicht zu erklären, dass Redakteure auch nach Jahren noch in diese Falle treten und wieder und wieder schreiben, unter @bonitoTV würde die echte Redaktion der längst beendeten TV-Sendung zwitschern. „Da wachsen halt immer noch Leute nach, die das in ihren sechs Jahren an der Uni nicht mitbekommen haben“, amüsiert sich Autor Rob Vegas. Für ihn ist der Account eigentlich nur ein nettes Hobby, etwas, das er nebenbei macht, weil es ihn nicht viel Zeit kostet. „Und die Gags verkaufen sich einfach besser, wenn ich sie im Namen von Schmidt veröffentliche, weil die Leute dann seine Stimme dazu im Kopf haben.“ Rund 80.000 Follower hat Vegas aktuell beim Kurznachrichtendienst.

Gut möglich, dass es bald einige mehr sind. Vor geraumer Zeit kam nämlich der Goldmann-Verlag auf Rob Vegas zu – mit einer ungewöhnlichen Idee. Weil Schmidt selbst alles andere als ein Fan von Biografien ist, sollte Vegas einfach das komplette Leben des TV-Stars zusammenfassen. Es entstand "Ich, Harald Schmidt". „Das neue Buch umfasst wirklich die komplette Vita, angefangen mit seiner Jugend in Nürtingen, inklusive seinem TV-Ende bei Sky und dem, was danach noch passiert ist.“ In der rund einjährigen Schreibphase habe Vegas alles aufgesaugt, was Schmidt jemals gesagt oder geäußert habe. Wie viel Wahrheit darin wirklich steckt, weiß auch Rob Vegas nicht. „Ich habe mich immer gefragt, wie die ein oder andere Situationen gewesen sei“, berichtet der Autor. Alle erinnern sich noch an jene Sat.1-Pressemitteilung, in der Schmidt mit einem Wort, nämlich mit „Schade“, die Absetzung seiner Show kommentierte. „Was ist damals wirklich passiert? Wie war die Zusammenarbeit mit Oliver Pocher und mit Herbert Feuerstein?“ Diesen und anderen Fragen geht Vegas im Buch auf den Grund. „Und vermutlich sind wir oft ganz nah dran“, hofft der 32-Jährige.

Für sein plötzliches Ende beim Sender Sat.1 hat er jedenfalls eine veritable Vermutung. Nachdem die Quoten der «Harald Schmidt Show» nicht zufriedenstellend waren, soll es innerhalb ProSiebenSat.1 Pläne gegeben haben, das Format beim kleineren kabel eins weiterzuführen. „Das wäre dann mit weniger Budget verbunden gewesen. Und dann hat Schmidt sicherlich gesagt, dass er es für die Hälfte nicht macht.“ Es folgte eine Zeit bei Sky, die ebenfalls keine ruhmreiche war. Im Internet ist hinterlegt, dass die Produktionsfirma Komparsen suchen musste, damit die Zuschauerreihen der Show überhaupt gefüllt waren. „Wie war es also für Harald Schmidt, da vor einer Horde von Hartz4-Empfängern auftreten zu müssen, die seine Witze ohnehin nicht verstehen?“ fragt sich Vegas.

Um sich voll auf das Buch zu konzentrieren, ließ Rob Vegas sogar eine eigene Internet-Late-Night-Show immer wieder ruhen. Nur unregelmäßig erschien sie im vergangenen Jahr. „Ich bin jetzt 32 und war ein You-Tube-Star bevor es You-Tube-Stars überhaupt gab“, meint Vegas mit einem Schmunzeln. In seinem Alter nun müsse er keine 14-jährigen mehr mit seinen Clips begeistern. Stattdessen hat er wirklich Gefallen daran gefunden, ein Buch zu schreiben – und somit in eine Welt zu wechseln, die Manchem vielleicht ein wenig „old-fashioned“ erscheint. Dass er mit der Figur Harald Schmidt auch Jahre nach seinem TV-Aus noch den Nerv der Zeit trifft, ist für Vegas unbestritten.

„Die Leute vermissen ihn nach wie vor. Gerade jetzt in Tagen, wo alle über den DFB und Volkswagen sprechen, fragen wir uns doch, wie seine Show ausgesehen hätte. Das bleibt ein Rätsel. Aber mein Buch liefert zumindest ein bisschen was Neues von ihm, quasi einen Remix.“ Hoffnung auf ein TV-Comeback von Schmidt hat Vegas derweil nicht. Das legendäre Studio 449 steht zur Vermietung, im kommenden Jahr schließt wohl die komplette Firma BonitoTV. Schmidt übernimmt weiterhin kleine Rollen in Filmen, hat ein festes Engagement beim «Traumschiff». Und die Schmidt-Jünger, zu denen sich auch Rob Vegas zählt, sind auf der Suche nach anderen Gag-Quellen. „Stefan Raab wird ebenfalls fehlen,“ ist sich Vegas wenige Wochen vor der TV-Rente von „König Lustig“ sicher. An «TV total» begeisterte den Jung-Autor stets, dass quasi ohne Schnitte gearbeitet werde. Andere Late-Night-Shows hingegen seien oftmals zu sehr zusammengeschnitten. „Ich vermisse schon die klassische Late-Night-Kultur. Neuere Formate sind sehr auf schnell, schnell, schnell getrimmt. Sie vermitteln keine Ruhe.“ Die Late-Night als klassische Einschlafhilfe gäbe es somit nicht mehr.

Da hilft Rob Vegas nur der Blick ins Ausland, wo er herzlich über Jimmy Kimmel oder Jimmy Fallon lachen könne. Komiker, die das Genre auf eine neue Ebene gehoben hätten. Oder über Graham Norton von der BBC, der zwar hyperaktiv sei, aber dennoch unglaublich komisch. So komisch wie einst Schmidt in Deutschland war. Und so lange der nächste Schmidt in Deutschland nicht in Sicht ist, gibt es ja immerhin den falschen Schmidt. Denn die Lust am Twittern ist Rob Vegas noch lange nicht vergangen.

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