Die Kritiker

«Frauenherzen»: Semi-verzweifelte Großstädterinnen

von   |  1 Kommentar

Erst «Männerherzen» fürs Kino, dann ein «Frauenherzen»-Fernsehfilm, nun eine «Frauenherzen»-Serie: Wie schneidet die neue Mischung aus Dramedy und Primetime-Soap ab?

Cast und Crew

  • Regie: Sophie Allet-Coche, Florian Gärtner
  • Darsteller: Nadeshda Brennicke, Muriel Baumeister, Julia Hartmann, Christina Petersen, Tobias Oertel, Sabine Vitua, Reza Brojerdi, Anna Julia Kapfelsperger
  • Drehbuch: Marie-Helene Schwedler, Astrid Ruppert, Fabian Wiemker, Melanie Brügel
  • Kamera: Christian Paschmann, Felix Poplawsky
  • Ausstattung: Matthias Klemme
  • Schnitt: Günter Schultens, Bernhard Wießner
  • Musik: Thomas Klemm
Anfang 2014 schickte Sat.1 den Fernsehfilm «Frauenherzen» über den Äther – eine tragikomische Romantikgeschichte, die sich schon allein vom Titel her gerne in der Nähe der erfolgreichen «Männerherzen»-Kinofilme sehen wollte. Mit den Kassenschlagern hatte der TV-Streifen neben den Produzenten Quirin Berg und Max Wiedemann zudem die episodenhaft geratene Erzählweise gemeinsam. Genauso teilen sie sich den Tonfall irgendwo zwischen ernstgemeintem Kitsch und seichtem Spaß. Auf einen zweiten Film über die TV-Frauengeschichten verzichtete Sat.1 allerdings, womit ein Unterschied zu den «Männerherzen» besteht.

Stattdessen ging der Privatsender einen Schritt weiter und orderte eine sechsteilige Dramedy-Serie auf Basis es Fernsehfilms – dies jedoch nicht ohne Änderungen vor der Kamera. Valerie Niehaus, Anna Fischer und Marie Schöneburg haben sich verabschiedet, dafür stößt «Bis in die Spitzen»-Darstellerin Muriel Baumeister neu hinzu und Christina Petersen springt für Schöneburg als pummelige Friseurin Mandy ein. Hinter den Kulissen bleibt indes Sophie Allet-Coche, die Regisseurin des «Frauenherzen»-Films, auf dem Regiestuhl, wenngleich sie Verstärkung in Form von Florian Gärtner erhält. Ebenso wird das Drehbuch-Team vergrößert: War der TV-Film noch ein Soloprojekt von Astrid Ruppert, wirken nun zudem Marie-Helene Schwedler, Fabian Wiemker und Melanie Brügel an den Skripts mit.

Zusammen haben sie eine Primetime-Seifenoper entwickelt, die etwas lebensnahere, geerdetere Töne anschlägt als etwa die pointierteren «Männerherzen»-Filme oder die aktuelle, inhaltsarme, betont optimistisch-heitere Sat.1-Vorabendserie «Mila». Die Kameramänner Christian Paschmann und Felix Poplawsky verleihen dem Geschehen gedeckte Farben, arbeiten in Abend- und Nachtszenen nur mit begrenzten Lichtquellen und erzeugen so eine gemäßigte Stimmung. Eben diese kommt den Erlebnissen der vier Hauptfiguren entgegen, da die vier sich gelegentlich kreuzenden Handlungsstränge zu einer überhöhten Dramatik neigen, wie man sie aus Daily Soaps kennt. Die primetimetaugliche Bildsprache und das zurückgenommene Spiel der Darstellerinnen nehmen «Frauenherzen» aber die Soaphaftigkeit – zumindest in der ersten Folge mangelt es aber gleichwohl an dem Biss und der Individualität, die solche Primetime-Seifenopern wie die legendäre Dramedy «Desperate Housewives» oder den Kultklassiker «Dallas» ausgemacht haben.

An Bandbreite mangelt es dafür nicht: Die Liebesgeschicke der mehr oder weniger verzweifelten Großstädterinnen erstrecken sich von Startschwierigkeiten bis hin zu Abschlussproblemen. Während sich die Friseurin Mandy beim Onlinechat verliebt, nicht wissend, dass ihr Chatpartner ihr neuer und im realen Leben unausstehlicher Chef (Florian Panzner) ist, tut sich die geschiedene Britta (Muriel Baumeister) schwer damit, den Ärger über ihren Ex-Mann zu schlucken. Dass sie am Arbeitsplatz zudem mit einer jungen, kinderlosen Kollegin aneinander rasselt, schadet ihrer Stimmung wenig überraschend noch mehr. Die karrierefixierte Fe (Nadeshda Brennicke) indes ist schwanger, aber unentschlossen, ob sie nicht einen Schwangerschaftsabbruch wagen soll. Die von Bindungsängsten geplagte Frieda (Julia Hartmann) erhält Besuch von ihrer emotional unterkühlten, krebskranken Mutter (Sabine Vitua) – und stürzt sich aus Frust in einen Flirt mit dem Arzt Mark (Tobias Oertel), Fes Ehemann, der an ihrer Liebe zu ihm zweifelt …

Ausgerechnet die auf dem Papier am stärksten nach Melodrama und soaphaften Wirrungen klingende Geschichte rund um Frieda kommt in der «Frauenherzen»-Serie am besten aus dem Startblock: Baumeister verleiht der grüblerischen, sich abschottenden Figur eine glaubwürdige, in sich gebrochene Ausstrahlung, ohne dabei zu schwermütig zu werden. Da ist der Zickenkrieg auf Fes Arbeitsplatz schon wesentlich ausgelutschter – genauso wie die Musikauswahl: Szenen werden stets mit den naheliegendsten Chartstürmern untermalt. Und dieses Radio-Dauerrauschen steht symbolisch für den Großteil der «Frauenherzen»-Storys: Nett, nicht störend, aber rasch vergessen und austauschbar.

«Frauenherzen» ist ab dem 15. September 2015 immer dienstags ab 20.15 Uhr zu sehen.

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Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
Herr Vorragend
18.09.2015 16:16 Uhr 1
Also Quotenmeter, mit Verlaub:

Die Zeitspanne zwischen dem Veröffentlichen des Artikels und dem Verlinken als Forums-Thread ist teilweise so lang, dass es einfach nur noch absurd ist.



Diesen Kommentar-Thread habt ihr erst ca. 4 Tage nach dem zugehörigen Artikel erstellt.

Zum Zeitpunkt des Erstellens dieses Threads war die Sendung schon wieder abgesetzt!



Und witzigerweise habt ihr sogar den Kommentar-Thread zu dem Artikel, der die Absetzung der Sendung thematisiert und erst heute erschienen ist, sogar noch vor diesem Thread hier erstellt..

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