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Authentizität für die Primetime oder: Hört das denn niemals auf?

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RTL II versucht seinen «Berlin - Tag & Nacht»-Erfolg nun auch auf die Primetime auszuweiten, mit einer auf Ibiza spielenden Soap und natürlich mit Darstellerin Pia Tillmann. Warum die Branche ganz genau auf «Meike & Marcel» schauen dürfte...

Herzlich Willkommen zum Untergang des Abendlandes. Am Ende der Ära des Fernsehens. Die schärfsten Kritiker hatten jenen Abgesang schon vorher gesehen – rund vier Jahre ist es her, als sie mutmaßten, das es Formate wie jenes «Berlin – Tag & Nacht» irgendwann vom Vorabendprogramm gar in die heilige Primetime schaffen werden. „Ich verspreche Ihnen: Das Abendland wird´s überleben“, sagt mit Felix Wesseler heute einer, der sich in den vergangenen Jahren in seinem Beruf intensiv mit solchen Sendungen beschäftigt hat. Er leitet die PR-Abteilung der herstellenden Firma filmpool und vertreibt solche Formate auch ins Ausland – etwa nach Ungarn, wo die dortige Chaos-WG übrigens schon seit Jahren im Abendprogramm läuft.

Begonnen hat die Erfolgsgeschichte so genannter authentischer Soaps vor ziemlich genau vier Jahren – am 12. September 2011. Sie sah damals übrigens überhaupt nicht nach Erfolg aus. Die Quoten waren anfangs mies, die Kritiken sowieso. Von einem schweren ersten Jahr, in dem viel gelernt werden musste, redet Wesseler heute. „RTL II hat damals Gott sei Dank stark an uns geglaubt“, erinnert er sich. Die Quoten der Berliner WG stiegen erst nach rund zwei Monaten, vorher gab es schon vorsichtige Vorboten: Das Interesse bei Facebook nahm spürbar zu. „Auch die Arbeit mit einer Community haben wir in diesem Zuge von der Pieke auf gelernt“, sagt der filmpool-Mann.

Schon nach einem halben Jahr ähnelten die Marktanteile der Geschichten rund um Joe, Ole, JJ und Co. einer Rakete: Die Zehn-Prozent-Hürde wurde zunächst genommen, etwas später waren sogar 15 Prozent oder mehr drin. Damit kamen aber neue Probleme. RTL II stellte auf „unendlich“ um. Darsteller gingen, neue kamen. Manche sind auch von Folge 1 an dabei. „Wir hatten zwar Erfahrung mit lang laufenden Produktionen“, erklärt Wesseler in Hinblick auf das 13 Jahre lang laufende Format «Richterin Barbara Salesch», eine Soap aber hätte noch einmal andere Bedürfnisse.

Weil es das Konzept der Serie ist, immer viele Darsteller in den Szenen zu haben, ist die Screen-Time und somit das Drehpensum höher als bei anderen täglichen Serien. „Unser Cast muss noch fleißiger sein als der klassischer Soaps. Entsprechend brauchen unsere Leute nach einer gewissen Zeit auch einmal etwas Zeit für sich.“ Das ermöglicht die Produktion mittlerweile, schickt Figuren mal für einen bestimmten Zeitraum in andere Städte, sodass die Protagonisten durchschnaufen können. Ohnehin habe sich gezeigt, dass die Soap für sich funktioniert und nicht so abhängig von einzelnen Leuten vor der Linse ist. „Wir haben es geschafft, dass unsere Marke als eigene Welt wahrgenommen wird und konnten Abgänge, die wir zweifelsohne hatten, gut verkraften.

Andere Darsteller sind inzwischen so fest mit ihrer Figur verwurzelt, dass sie teilweise derart mit den Geschichten mitgehen, dass sie noch am Set debattieren, ob die Handlung in die eine oder andere Richtung weitergehen soll. „Am Ende ist es so, dass wir aber immer zusammen als Team an einem Strang ziehen“, gibt Wesseler an. Und mit den inzwischen mehr als 1000 Folgen sind auch die großen «BTN»-Kritiker verschollen, die mit einem Primetime-Ableger nun aber frisches Futter bekommen. Die Figuren Marcel und Meike, einst das erste große Liebespaar in der Berliner Serie, führen ihre große Love-Story nun in einer auf der Sonneninsel Ibiza spielenden Primetime-Soap zu Ende. „Wir sind RTLII für diese Chance sehr dankbar. Uns allen war es wichtig, dass der Cast bei den Fans gut ankommt“, berichtet Wesseler über die Entwicklung des 20.15 Uhr-Formats. Marcel war ohnehin immer ein großer Fan-Magnet und Meike ist eine Figur, die wie kaum eine andere für das „BTN-Universum“ steht. Sie war Figur der ersten Stunde von «BTN», wechselte dann nach Köln und wurde über ein Jahr lang Anker der 18-Uhr-Serie «Köln 50667». Wesseler: „Meike hat uns zweimal Glück gebracht und wir hoffen, dass es auch beim dritten Mal so sein wird.“ Auch vom Sender wird Pia Tillmann, so heißt Meike in echt, sehr geschätzt, wie Carlos Zamorano, zuständig für das Marketing, erklärt.

„Sie ist eine sehr sympathische und positive Protagonistin und begeistert wie kaum eine andere die jungen Zuschauer“, weiß der Fachmann. „Pia arbeitet sehr diszipliniert an ihrem Erfolg und passt mit ihrer einnehmenden und authentischen Art ideal zu RTL II. Wir sind sehr froh, dass wir mit Pia in unterschiedlichen Formaten zusammenarbeiten“, sagt Zamorano.

Auf Ibiza spinnen die beiden nun das zu Ende, was derzeit noch am Vorabend erzählt wird. Wesseler spricht von einem höheren Budget für die sechs Episoden und entsprechend attraktiven Locations und sogar Stunts. Die Zielgruppe aber bleibe in etwa die Gleiche – zum Start entfallen sogar die 20.00-Uhr-Nachrichten des Senders, sodass «BTN» am Dienstag direkt in die neue Soap übergeht. „Wir erzählen in der Primetime etwas größer und dramatischer, haben zudem einen spannenden Crime-Plot“, plaudert der filmpool-Mann aus dem Nähkästchen. Zur Bildsprache des Primetimeprojekts möchte sich Wesseler noch nicht zu sehr äußern: „Wir haben versucht, den Look von BTN auf 20.15 Uhr anzupassen.“ Klar ist, dass es – anders als bei «BTN» Bildschnitte geben wird. Der Sendeplatz übrigens ist nicht ganz risikoarm; läuft man doch in Konkurrenz zu US-Krimis bei RTL, Familienserien im Ersten und neuen deutschen Serien in Sat.1. Zamorano erklärt: „Wir haben am Dienstag ein komplett neues Line Up geschaffen. Bereits in vergangene Woche starteten die neue Dokusoap «Daniela Katzenberger - mit Lucas im Babyglück» sowie die neue Staffel von «Die Reimanns» mit tollen Quoten von 8,7 Prozent bzw. 11,1 Prozent MA bei den 14- bis 49-Jährigen. Wir denken, dass «Meike & Marcel» ideal in dieses junge, frauenaffine Line Up am Dienstagabend passt.

Während offiziell die Rede davon ist, die Geschichte der beiden Figuren endgültig zu Ende zu bringen, will man sich bei der Produktionsfirma darauf noch nicht ganz festlegen. „Ich will keine Gerüchte streuen: Aber das Leben ist schwer vorhersehbar. Und wir erzählen unsere Geschichten ja sehr nah am Leben“, sagt Wesseler vieldeutig. Heißt: RTL II wäre ja schon dumm, die Primetime-Soap im Falle von starken Quoten nicht doch irgendwie weiter zu machen. Bis diese dann aber ihren vierten Geburtstag feiern würde, wird um 19.00 Uhr bei RTL II noch viel gestritten.

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