Hingeschaut

Mehr ist manchmal doch mehr

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Das neue «heute Xpress» ist gestartet und liefert im TV eine gute Figur. Die Web-Version ist gerade in diesen Tagen aber etwas sehr verkürzt.

Im Nachrichten-Genre lässt sich das Rad in Sachen Informationsvermittlung meist nur schwer neu erfinden; vor allem, wenn es um Nachrichtsendungen im Fernsehen geht. Da kann das Studio anders dekoriert werden, da kann der Moderator locker und frei im Raum stehen und man kann Themen an konkreten Fallbeispielen aufziehen – das aber war es dann meistens auch schon. Das ZDF ist in diesen Monaten dabei, seinen Nachrichtensendungen, die lange Zeit als etwas verstaubt galten (das «heute-journal» ausdrücklich ausgenommen) einen solch neuen Anstrich zu verpassen. So geht das neue «heute+», das die einzelnen Beiträge schon vorher im Web postet und sogar eine werktägliche 23-Uhr-Livesendung im Livestream produziert, mit gutem Beispiel voran

In den rund 15 Minuten Sendezeit wird Pfiffigkeit und jugendlicher Elan demonstriert. Schwerer wird es schon, ein neues Konzept in knapp zwei Minuten zu etablieren. Seit dem Wochenende hat das Zweite seine kompletten Kurznachrichten umgestellt und auf «heute Xpress» getauft. Die kurzen TV-News sind somit nun vereinheitlicht mit den Web-News, die auch als «heute100sec» bekannt waren. Künftig werden auch die Internet-Nachrichten moderiert – und speziell für die unter heute.de abrufbare Ausgabe hat sich der Mainzer Sender ein recht starres Konzept zu Grunde gelegt.

Nach kurzer Anmoderation einer im Vordergrund stehenden Moderatorin folgt ein Kurz-Beitrag dem Nächsten. Kein Thema wird länger als 20 Sekunden behandelt, sodass sich fünf Berichte in den rund zwei Monaten unterbringen lassen. Eine recht große Bauchbinde zeigt in wenigen Lettern, worum es gerade geht. So lässt sich «heute Xpress» theoretisch auch unterwegs und ohne Ton recht gut konsumieren. Die für das TV hergestellten Ausgaben versuchen derweil einen Mittelweg zu gehen zwischen dem, was die Zuschauer bisher am Wochenende tagsüber und werktags um 9 und 15 Uhr gewohnt waren.

Zwei Minuten Sendezeit wären hier deutlich zu knapp bemessen, so sind die «heute Xpress»-Ausgaben hier zwischen fünf und sechs Minuten lang. Deutlich im Vordergrund ist hier wieder die Sprecherin, während das virtuelle Studio fast schon im Hintergrund verschwindet. Dem Topthema wird im Fernsehen aber viel mehr Zeit eingeräumt als die sonst geplanten 20 Sekunden. Rund eine Minute lang wird am Montagmorgen erklärt, was am Wochenende in Griechenland passiert ist und welche Auswirkungen das Referendum haben könnte. Sogar eine kurze Schalte zu Korrespondent Alexander von Sobeck leistet sich «heute Xpress». Schade, dass dafür in der Online-Ausgabe kein Platz ist.

Einschätzungen und kurze Kommentare dürfen doch eigentlich auch im Web nicht fehlen. Zurück aber zur TV-Version, die in Folge noch drei weitere Themen und kurz und bündig abhandelt, bevor kurz vor Ende der rund fünf Minuten langen Nachrichten noch einmal ein etwas längerer Beitrag zum Hitze-Sommer und den damit einhergehenden Unwettern folgt. Mit einem knappen Wetterausblick verabschiedet sich die Moderatorin dann auch schon. Das TV hat somit gute und kompakte ZDF-Nachrichten hinzugewonnen, im Web aber könnte sich das ZDF noch etwas mehr trauen. Anderswo auf ZDF.de oder heute.de werden hintergründige Erklärungen auch groß geschrieben. Da dürfte es auch möglich sein, in das zweiminütige «heute Xpress» noch einen 15-Sekunden-Aufsager aus Athen zu integrieren. Manchmal ist – selbst bei aller gebotenen Kürze – mehr eben doch mehr.

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