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Mehr als nur «Inspector Barnaby»?

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Das ZDF will am späten Sonntagabend an – und noch mehr «Tatort»-Zuschauer abgreifen. Bei «Tom Thorne» soll eine Starbesetzung helfen.

Sehnlich erwartet: «Broadchurch»

Ab dem 26. April zeigt das ZDF den britischen Krimi «Broadchurch», dessen Reichweiten bei ITV durch die Decke gingen. Zwei Staffeln mit je acht Folgen waren dort schon zu sehen. «Broadchurch» ist eine Art Dorf-Krimi mit durchgehender Handlung. Der Fokus liegt nicht nur auf dem eigentlichen Fall, sondern auch darauf, wie die Polizeiarbeit das Leben der kleinen Gemeinschaft durcheinanderwirbelt. In der ersten Staffel sind es Ermittlungen nach dem Mord am elfjährigen Danny Latimer. Dieser wird eines Morgens tot am Fuße einer Klippe seines Heimatortes Broadchurch aufgefunden. David Tennant («Doctor Who») und Olivia Colman haben tragende Rollen. Zunächst wollte übrigens Sat.1 die Serie zeigen - dazu kam es aber nie.
Das ZDF hat sich in den kommenden Wochen so einiges vorgenommen, was den Sonntagabend angeht. Nachdem man in den zurückliegenden Monaten den 20.15-Uhr-Sonntagsfilm vorsichtig modernisiert hat, sollen nun neue Formate am späteren Sonntagabend die Marktanteile nach oben schnellen lassen. Oder anders formuliert: Die Mainzer wollen sich beweisen, dass Sonntag um 22.00 Uhr mehr kann als nur «Inspector Barnaby». Wenig überraschend ist der England-Krimi nämlich nach wie vor Quotenprimus im Zweiten auf diesem Sendeplatz. Acht Mal lief das Format in diesem Jahr auf besagtem Slot – in der Spitze erreichte man 4,36 Millionen Zuschauer und 18,6 Prozent Marktanteil. Getoppt wurde das Ergebnis bisher nur vom Auftakt von «The Team», einer internationalen Ko-Produktion, die vorab via Twitter und Facebook massiv beworben wurde. Das führte bei der TV-Premiere zu rund 3,9 Millionen Zuschauern im Gesamtmarkt und 19,8 Prozent Marktanteil.

Dass das ZDF am späten Sonntagabend auch abseits von Ermittler Barnaby punkten kann, wäre damit also bewiesen. Ziel der Mainzer muss es sein, noch mehr Politikverdrossene ab 21.45 Uhr vom Ersten wegzulocken. Acht Millionen Zuschauer sind das Minimum, das der «Tatort» erreicht – und nicht wenige davon könnten einem Krimi-Nachschlag gegenüber durchaus aufgeschlossen sein. Auf das richtige Format kommt es eben an. «Arne Dahl» zum Beispiel ist einer der Geheimfavoriten; zwei Folgen liefen in diesem Jahr und erreichten durchaus ordentliche 15,1 und 13,7 Prozent Marktanteil beim Gesamtpublikum.

Aber nicht alles, was man dem Volke zum Fressen vorsetzte, wurde auch goutiert. So hatte «Inspector Banks» im vergangenen November Probleme, wenngleich auch auf konstantem Niveau. Drei Episoden der Krimireihe bescherten den Mainzern zwischen 12,5 und 12,8 Prozent Marktanteil. Bei den Jungen landete man bei zwischen 5,5 und 6,8 Prozent Marktanteil. Ein im Dezember gezeigter «Luther»-Fall holte gegen RTLs Jahresrückblick gar nur etwas mehr als zwei Millionen Zuschauer und knapp neun Prozent bei Allen. Das war zugleich auch der schlechteste Wert, der bei einer Krimiausstrahlung sonntags nach 22.00 Uhr gemessen wurde.

«Tom Thorne»

Von Autor Mark Billingham sind zwischen 2007 und 2010 acht «Tom Thorne»-Bücher erschienen. Das Zweite zeigt nun die Verfilmung der ersten beiden Bände; "Der Kuss des Sandmanns" und "Die Tränen des Mörders."
Potential also hat der Sendeplatz; jetzt müssen es eben neue Formate richten. Da liegt der Fokus sicherlich auch auf dem von ProSiebenSat.1 abgelehnten «Broadchurch», zunächst aber auf dem hierzulande recht unbekannten «Tom Thorne», das am Sonntag mit zunächst zwei Episoden an den Start geht. Das ZDF rührt die Werbetrommel für beide Neustarts verhältnismäßig kräftig. Die Geschichten basieren auf Büchern von Mark Billingham, besetzt sind sie mit einem Who-is-Who aus Hollywood. Der namensgebende Scotland-Yard-Ermittler beispielsweise wird von David Morrisey verkörpert. In knapp 20 Folgen spielte er in dem US-Mega-Hit «The Walking Dead» als „The Governor“ Blake mit. Er mimt einen Ermittler, den manche als Maniac bezeichnen. Typisch für den schroffen Einzelgänger ist die Witterung für Details, die erst auf den zweiten Blick zusammenhängen.

Thorne muss zur Aufklärung der Fälle aber mit Neurologin Anne zusammenarbeiten. Hanks große Liebe Karin («Californication») war die Rolle, die Anne-Darstellerin Natascha McElhorne in Übersee bekannt machte. In weiteren Rollen tauchen im britischen Krimi Eddie Marsan (spielt einen an Parkinson leidenden Ex-Boxer in «Ray Donovan») und der aus «Game of Thrones» bekannte Aidan Gillen mit. Diese Damen und Herren dürften die Wartezeit bis zu «Broadchurch» sicherlich mit Leichtigkeit verkürzen.

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